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Gesa-Felicitas Krause (links) wird nach der letzten Kurve noch von Antje Möldner-Schmidt vom dritten Platz verdrängt.
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Gesa-Felicitas Krause (links) wird nach der letzten Kurve noch von Antje Möldner-Schmidt vom dritten Platz verdrängt.

Leichtathletik EM

Keine Medaille für Krause

Die Frankfurterin Gesa Felicitas Krause verliert am Samstagabend auf den letzten Metern des Hindernislaufes bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki noch die Bronzemedaille – ausgerechnet an eine Landsfrau.

Von Sebastian Rieth

Die Frankfurterin Gesa Felicitas Krause verliert am Samstagabend auf den letzten Metern des Hindernislaufes bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki noch die Bronzemedaille – ausgerechnet an eine Landsfrau.

Es dauerte nicht lange, da standen sie einträchtig beisammen. Antje Möldner-Schmidt und Gesa Felicitas Krause lagen sich in den Armen und posierten für die Fernsehkameras. Beide lächelten – aber nur eine durfte sich über eine Medaille freuen. In einem dramatischen Schlussspurt hatte Möldner-Schmidt der bis dahin auf dem dritten Platz liegenden Krause das Edelmetall noch weggeschnappt, die letzten 100 Meter entschieden im deutsch-deutschen Duell um Bronze. Des einen Freud, des anderen Leid. Neid mag da trotzdem nicht aufkommen. „Natürlich ärgere ich mich“, sagte die Hindernisläuferin der LG Eintracht Frankfurt nach ihrem Zieleinlauf bei der Leichtathletik-EM in Helsinki. Wenn man so nah am Treppchen dran sei, sehe man es immer mit einem weinenden Auge. „Aber es ist auch schön, dass die Medaille im Team bleibt.“

Wer Krause so zuhört, wenn sie direkt nach dem Rennen erste Statements abgibt, nach Gründen sucht und Erklärungen findet, wenn sie ihre Sicht der Dinge mit einem charmanten Lächeln beharrlich und wohl durchdacht darlegt, der merkt, dass da eine für ihre erst 19 Jahre schon extrem reife, junge Frau in der deutschen Leichtathletik unterwegs ist. Krause, die im vergangenen Jahr ihr Abitur abgelegt hat und im Oktober ein Management- und Eventstudium in Bad Homburg beginnt, kommt nicht mit Plattitüden oder Halbsätzen daher. Ihre Sprache ist frisch, die Worte tiefgründig. „Mit geistiger Arbeit kann man Kraft für anderes schaffen“, sagt sie im Hinblick auf ihr Studium und glaubt nicht, dass die sportliche Entwicklung nach einem Jahr der Bildungsauszeit und der vollen Konzentration auf den Hindernislauf dadurch stagnieren könnte. „Ich denke immer von Schritt zu Schritt. Und da bin ich auf einem guten Weg.“

Sie sah das Unheil kommen

Ihre Entwicklung ist beeindruckend: 2010 wurde sie Vierte der Junioren-WM, 2011 schon Neunte bei den Senioren und im gleichen Jahr U20-Europameisterin in Tallinn. 80 Kilometer entfernt von der estnischen Hauptstadt hätte Krause in Helsinki ihren bislang größten Triumph feiern können, „aber am Ende haben mir einfach die Körner gefehlt.“ Gegen die favorisierte und spätere Europameisterin Gülcan Mingir (Türkei) hatte sich die Frankfurterin ohnehin wenig ausgerechnet, auch Swetlana Schmidt aus der Ukraine war 250 Meter vor dem Ziel enteilt. Krause lag zwischen den beiden Führenden und Möldner-Schmidt auf Rang drei. Sie sah das Unheil kommen. 200 Meter vor dem Zielstrich habe sie auf die Videowand geschaut und gesehen, „dass Antje mit Schwung von hinten kommt. Das ist für einen Sportler immer leichter. Ich war machtlos.“ Wohl auch, weil der zierlichen Krause der Rennverlauf so gar nicht passte. Hart wurde in einem breiten Feld um jeden Zentimeter gekämpft, das Schienbein der 19-Jährigen hat Schrammen davongetragen. Ein wenig Blut tropfte. „Es wurde viel geschubst“, erzählt Krause. „Ich habe nie meine richtige Position finden können.“ Oft lief sie deswegen in zweiter Reihe, um die Hindernisse besser anpeilen zu können. Das kostete Kraft, die ihr wohl am Ende fehlte. In 9:38,20 Minuten kam Krause ins Ziel – zwei Sekunden hinter Bronze.

Für die Olympischen Spiele in London wäre aufgrund der starken internationalen Konkurrenz ein Schielen auf die Medaillen freilich vermessen, Krause hat aber dennoch viel vor. Bestzeit wolle sie laufen und in das Finale kommen. „Das werde ich auch schaffen“, sagt sie selbstbewusst. Aus der Zwischenstation Helsinki könne sie letztlich dann auch etwas mitnehmen. Nämlich, dass die drei Kilometer lange Hatz über Hindernis und Wassergraben „eben nicht 100 Meter vor dem Ziel zu Ende ist“.

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