Kommentar

Keine Größe

Das Buch von Kevin-Prince Boateng liest sich in den ersten Auszügen wie die Biografie eines Profis, der sich von der ganzen Welt missverstanden fühlt und sich nach Respekt und Anerkennung sehnt. Das Bad-Boy-Image nagt an ihm, er bekommt es aber nicht los.

Von Timur Tinç

Wer als deutscher Fußballfan an Kevin-Prince Boateng denkt, wird unweigerlich eine Szene mit ihm verbinden. Sein Foul im Trikot des FC Portsmouth an Michael Ballack, der in Diensten des FC Chelsea war. Die Geschichte ist bekannt: Ballack verpasste die WM 2010 in Südafrika und machte nie wieder ein Spiel für die Nationalmannschaft. Zu dem Foul war alles gesagt und geschrieben worden – bis Boateng auf die Idee kam eine Biografie zu schreiben, die heute im Buchhandel erscheint. Und wie kann man besser Werbung für sein Buch machen, als über diese Szene zu sprechen.

„Ich hatte das Foul als nicht so dramatisch in Erinnerung“, schreibt der Deutsch-Ghanaer. Gleichzeitig verrät er, dass ihm sogar einige Nationalspieler per SMS gedankt haben, Ballack ausgeschaltet zu haben. Rumms, das hat gesessen. Jetzt wird sich jeder fragen: Wer hat ihm diese SMS geschrieben? Boateng hätte Größe zeigen und das Thema endgültig abhaken sollen. Das kann er aber nicht, so ist er nicht gestrickt.

„Ich Prince Boateng. Mein Leben. Mein Spiel. Meine Abrechnung“, liest sich in den ersten Auszügen wie die Biografie eines Profis, der sich von der ganzen Welt missverstanden fühlt und sich nach Respekt und Anerkennung sehnt. Das Bad-Boy-Image nagt an ihm, er bekommt es aber nicht los. Es ehrt ihn, dass er offen mit seinen Alkoholproblemen und Partyexzessen umgeht. Er schildert auch die Morddrohungen, die er wegen seines Fouls an Ballack erhalten hat: „Nigger, vergasen sollte man dich!“, geben erschreckende Einblicke. So etwas geht an keinem Menschen spurlos vorbei.

In seiner Autobiografie gibt Boateng zu, dass auch sein eigenes Verhalten dazu beigetragen hat, dass er sich beispielsweise auf Schalke nicht durchsetzen konnte. Er schiebt jedoch immer wieder ein „Aber“ hinterher, statt es dabei zu belassen, sich an die eigene Nase zu fassen. Seine Großspurigkeit, seine Arroganz und seine Laissez-faire-Einstellung haben sich durch seine ganze Karriere gezogen und es ihm trotz seines großen Talents nicht erlaubt, ein ganz Großer zu werden, sich bei einem Klub zu etablieren. Daran wird eine Biografie auch nichts ändern.

Für ihn ist es wohl die einzige Möglichkeit, Frieden mit sich selbst zu schließen. Das könnte ihm höchstwahrscheinlich jedoch wieder einigen Ärger einbringen. Schalke-Manager Horst Heldt hat bereits juristische Konsequenzen angedroht, falls sich Boateng schlecht über ehemalige und aktuell handelnde Personen im Verein äußert. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gerade gering, dass es so kommen wird.

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