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Keine Gnade für Sun Yang

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Am Freitag wird die Hammer-Affäre des Schwimmstars Sun Yang vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt. Alle Indizien sprechen dafür, dass der Chinese lebenslang gesperrt werden muss. Ein Kommentar.

Eigentlich sollte die ganze Sache vertuscht werden. Die Geschehnisse des Abends vom 4. September 2018 im Hause von Sun Yang waren zwar in einem 59-seitigen Report des Dopingpanels des Schwimmweltverbands Fina protokolliert, aber veröffentlicht werden sollte er auf keinen Fall. Bis der australischen Zeitung „The Daily Telegraph“ das Schriftstück zugespielt wurde. Dort steht, dass der chinesische Schwimmer zunächst stundenlang die unangekündigte Dopingkontrolle verweigerte und am Ende die abgegebene Urinprobe mit einem Hammer zerstören ließ. Eine Idee seiner Mutter.

Am heutigen Freitag wird sich Sun Yang vor dem internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne dafür verantworten müssen. Ihm droht als Wiederholungstäter eine Sperre von bis zu acht Jahren. Er hat eine öffentliche Anhörung beantragt, es wird erst die zweite in der Geschichte des CAS.

Der Fall Sun Yang ist in vielerlei Hinsicht ein Skandal. Das Protokoll spricht für sich. Wer nichts zu verbergen hat, weigert sich nicht stundenlang, eine Urinprobe abzugeben. Die Nicht-Veröffentlichung des Protokolls der Fina spricht Bände über den laschen Umgang des Schwimmweltverbands mit dem Thema Doping.

Der dreimalige Olympiasieger war wegen des Herzmittels Trimetazidin im Sommer 2014 schon einmal gesperrt worden - allerdings nur für drei Monate. Damals hatte Fina-Generalsekretär Cornel Marculescu gesagt: „Man kann doch nicht die Stars von der Schwimm-WM ausschließen, nur weil sie einen kleineren Unfall mit Doping hatten.“ Sun Yang gewann bei der anschließenden WM 2015 in Kasan zweimal Gold und einmal Silber. Übrigens: Der zwischenzeitlich suspendierte Arzt, der Yang das Herzmittel verschrieben hatte, war am 4. September herbeigerufen worden und mischte ebenfalls mit.

Nach der Hammer-Episode hatte die Fina den 27-Jährigen am 3. Januar diesen Jahres nach einer Anhörung freigesprochen. Erst durch den Einspruch der Welt-Antidopingagentur (Wada) wanderte der Fall zum CAS. Allerdings hat es die Wada genauso wie alle anderen Beteiligten versäumt, ein beschleunigtes Verfahren zu beantragen. So konnte Yang bei der WM im Juli in Gwangju (Südkorea) starten und gewann erneut zwei Goldmedaillen.

Der Brite Duncan Scott und der Australier Mack Horton verweigerten das gemeinsame Siegerfoto mit dem Chinesen und mussten sich dann von ihm auch noch rüde anmachen lassen. Der CAS wird zwar heute noch kein Urteil fällen, aber alle Indizien lassen nur einen Schluss zu: Sun Yang muss lebenslang gesperrt werden.

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