+
Speisemohn kann stark unterschiedliche Mengen von Schlafmohn-Alkaloiden enthalten.

Kein Mohn an Schwangere

Hohe Dosen von Schlafmohn-Alkaloiden entdeckt - Neuer Richtwert muss sich erst durchsetzen

Berlin (ap). Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt Verbraucher vor Gesundheitsrisiken durch Mohnsamen. Insbesondere Schwangere sollten den Verzehr von Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Mohnsamen einschränken oder sogar ganz darauf verzichten.

Keine Dampfnudeln mehr

Dazu gehören vor allem Mohnkuchen, mohnsamenhaltige Desserts oder mit Mohnsamen bestreute Nudelgerichte wie etwa Dampfnudeln. Hintergrund für die Warnung sind Untersuchungen, denen zufolge Speisemohn stark unterschiedliche Mengen von Schlafmohn-Alkaloiden enthält. Solche Stoffe, aus denen etwa pharmazeutisch wirksame Alkaloide wie Morphin oder Codein gewonnen werden, kommen gewöhnlich zwar nur in Spuren in Speisemohn vor. Analysen belegen aber, dass die Morphingehalte von Speisemohn variieren und in letzter Zeit angestiegen sind.

Sorte beeinflusst die Konzentration

Die Konzentrationen hängen laut BfR sowohl von der Mohnsorte als auch von Erntezeitpunkt und geographischer Herkunft ab. Die Hauptursache für den beobachteten Anstieg scheint aber in der Verunreinigung der Samen mit alkaloidhaltigen Bruchstücken der Mohnkapsel oder dem Milchsaft selbst zu liegen. Möglicherweise tragen neu eingeführte Erntetechniken dazu bei, bei denen die Kapseln gequetscht werden und der austretende Milchsaft die Samen kontaminieren könnte.

Atemdepression oder Herz-Kreislauf-Störungen

In ungünstigen Fällen können laut BfR über Lebensmittel Morphinmengen aufgenommen werden, die im therapeutischen Bereich liegen. "Im schlimmsten Fall kann es bei solchen Dosen zu Bewusstseinsbeeinträchtigungen, Atemdepression und Herzkreislaufeffekten kommen", warnt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. Um dieses Risiko für den Verbraucher auszuschließen, hat das BfR im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums eine maximale tägliche Aufnahmemenge abgeleitet und einen Richtwert für Morphin in Mohnsamen empfohlen.

Bis die Hersteller die Morphingehalte der Samen reduziert haben, rät das Institut Verbrauchern vom übermäßigen Verzehr stark mohnhaltiger Lebensmittel ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion