Löw vor EM: Kein "Alles-oder-nichts-Jahr"

Bundestrainer Joachim Löw hat das EM-Jahr mit einer Liebeserklärung an sein junges Team eröffnet. Schon bei der EM im ...

München. Bundestrainer Joachim Löw hat das EM-Jahr mit einer Liebeserklärung an sein junges Team eröffnet. Schon bei der EM im Sommer soll der Titelgewinn glücken - trotzdem sei 2012 kein "Alles-oder-nichts-Jahr" für die Nationalmannschaft.

Zugleich warb der 51-Jährige im Rahmen der Marketingtage der Nationalmannschaft in München eindringlich dafür, die goldene Generation um Jungstars wie Mesut Özil, Mario Götze oder Thomas Müller nicht nur am ersehnten Titelgewinn bei der Fußball-Europameisterschaft im Sommer zu messen.

"Ich bin weit davon entfernt, dass 2012 ein Alles-oder-nichts-Jahr für unsere Nationalmannschaft wäre", erklärte Löw. "Der große Favorit ist nach wie vor Spanien. Wir gehören zum Favoritenkreis dazu." Die Rolle des Mitfavoriten nehme das Team um Kapitän Philipp Lahm auch offensiv an. "Damit leben wir. Wir haben ja auch große Ziele. Daran werden wir aber nicht scheitern und zerbrechen", verkündete Löw. "Wir werden alles daran setzen, erfolgreich zu sein."

Die besten Jahre, so lautete die Botschaft von Löw, kommen aber womöglich erst nach 2012. Der noch bis zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien vertraglich an den DFB gebundene Coach warb eindringlich für Kontinuität - unabhängig vom nackten Ergebnis beim Turnier in Polen und der Ukraine. "Egal, wie die EM ausgeht, muss man danach keinen völligen Umbruch, keinen Schnitt machen", verkündete Löw.

Der 51-Jährige gerät förmlich ins Schwärmen, wenn er im Münchner Teamhotel bei einem Espresso über die Perspektiven des deutschen Fußballs spricht. Jungstars wie die namentlich von ihm genannten Götze (19), Özil (23), Toni Kroos (22) oder Mats Hummels (23) könnten noch bis zur WM 2022 in Katar spielen. "Die Mannschaft steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Selbst Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm können noch 2014 oder 2016 Turniere spielen", erklärte Löw. Der letzte deutsche Titelgewinn gelang 1996 bei der EM in England.

Trotz aktueller Verletzungen von Götze (Schambein) und Lukas Podolski (Bänderanriss), die er mit Blickrichtung EM als "nicht dramatisch" einstufte, fühlt sich Löw in einer paradiesischen Situation. "Die Stimmung ist extrem gut. Die Spieler haben Spaß miteinander, trotz ihres Konkurrenzkampfes in der Liga", sagte Löw mit Blick auf die Nationalspieler der Titelkonkurrenten Bayern, Dortmund, Schalke und Gladbach. "Ich glaube nicht, dass es bis zum Schluss ein Vierkampf bleibt. Bayern und Dortmund werden sich nach und nach entfernen von Schalke und Gladbach." Einen Titelfavoriten mag er nicht benennen: "Dortmund war gegen Hoffenheim in fantastischer Form. Aber die Bayern werden auch in Fahrt kommen."

Löw begrüßt "die Spannung in der Liga". Seine Gedanken kreisen aber schon mehr um die EM-Mission im Sommer. "Die Spannung steigt jede Woche, jeden Monat mehr", gestand er. Der Kandidatenkreis für die 23 Plätze im EM-Kader umfasse rund 25 bis 30 Spieler. Newcomern wie dem Gladbacher Patrick Herrmann (20) gibt der Bundestrainer aber praktisch keine EM-Chance mehr. "Es wird schwierig. Jemand, der noch auf den Zug aufspringen will, muss fantastisch gut spielen. Wir sind im Moment gut besetzt."

Der vollgestopfte Zeitplan mit TV-Spots und Foto-Shootings ließ Löw in München kaum Zeit, um die 23 angereisten EM-Kandidaten schon auf die EM einzuschwören. Im Trubel des Filmsets seien die Spieler "nicht so aufnahmefähig", berichtete Löw: "Die erste Einstimmung erfolgt beim Länderspiel gegen Frankreich." Die Partie am 29. Februar in Bremen ist die einzige vor der Nominierung des EM-Kaders Anfang Mai. "Das Spiel hat nicht die allerhöchste Stufe der Wichtigkeit. Es spielt im Mai keine Rolle mehr. Die Vorbereitung ist mir wichtig." (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion