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Kehrtwende

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Wolfgang Hettfleisch ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Wolfgang Hettfleisch ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau. © FR

Niemand wird ernstlich leugnen wollen, dass der Sport der Sphäre des Politischen zuzuordnen ist. Jedenfalls soweit man Politik als Summe gesellschaftlichen

Von WOLFGANG HETTFLEISCH

Niemand wird ernstlich leugnen wollen, dass der Sport der Sphäre des Politischen zuzuordnen ist. Jedenfalls soweit man Politik als Summe gesellschaftlichen Handelns begreift. Das Internationale Olympische Komitee erlebte ein halbes Jahr vor den Sommerspielen von Peking, dass sich die westliche Welt angesichts der Unruhen in Tibet nicht mit dem verlogenen Bekenntnis zur impliziten Politikferne des Sports abspeisen ließ. Weil sie Humbug ist, wie ja die omnipotente Leistungsschau der chinesischen Olympia-Gastgeber samt dem überschäumenden Nationalstolz, der sie begleitete, später eindrucksvoll nachwies.

So gesehen ist es redlich, wenn Jacques Rogge nun das Selbstverständliche einräumt, indem das IOC unter seiner Leitung Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen anstrebt. Der ist ja mehr, als sein Name verheißt - nämlich ein Status der Teilhabe an Debatten und Positionsbestimmungen. Natürlich muss man den Belgier bei dieser Gelegenheit noch mal sanft an seinen peinlichen Eiertanz vor Peking erinnern. Damals konnte ihm die Weltmesse des Leistungssports nämlich nicht unpolitisch genug sein.

Es gab und gibt gute Gründe, die Olympische Bewegung vor politischer Vereinnahmung zu schützen. Das ist spätestens seit den Nazi-Spielen von Berlin und deren ebenso gekonnter wie schamloser propagandistischer Aufbereitung durch Leni Riefenstahl unstrittig. Zugleich aber kann und sollte sich der Sport der Verantwortung nicht entziehen, die ihm aus seiner immensen Popularität und insbesondere aus der Vorbildfunktion seiner Stars erwächst.

Soll die Olympische Bewegung nun in angemessener Form nach politischer Partizipation streben? Ja, denn so belügt sie nicht länger sich selbst und andere. Politische Ziele sind von jeher Teil ihrer Legitimation. Es war der Wunsch nach Frieden, der Pierre de Coubertin bewog, das Erbe der griechischen Antike wiederzubeleben.

Was Rogge noch fehlt, sind eine klare Agenda und überzeugendes Personal für die Arbeit in der UN-Zentrale. Das ist unerlässlich, weil die Mächtigen aus Sport und Politik in vielen, ja in fast allen Ländern Adressen und Interessen teilen. Da wüsste man schon ganz gern, dass so ein UN-Olympier mit seiner Initiative im Weltmaßstab keinem anderen Herrn dient.

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