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Kaum Angriffe am Elsterflutbecken

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Lok-Leipzig-Fans zeigen, was sie vom Rivalen RB Leipzig halten, der von Red Bull gesponsert wird.
Lok-Leipzig-Fans zeigen, was sie vom Rivalen RB Leipzig halten, der von Red Bull gesponsert wird. © getty

Beim Derby zwischen RB und Lok Leipzig geht es leidlich gesittet zu. Die Lok-Fans werfen dem neuen Konkurrenten Kommerzdenken und den Ausverkauf des Sports vor. Von Christoph Ruf

Von Christoph Ruf

Beim Fünftliga-Derby zwischen Red-Bull-Ziehkind RB Leipzig und Lok Leipzig wird der neu gegründete Klub nach allen Regeln der Kunst angefeindet. Die RB-Verantwortlichen atmeten auf: Sie hatten offenbar Schlimmeres befürchtet.

Der Mann war erleichtert, und das war nicht gespielt: "Ein großes Kompliment an die Lok-Fans", sagte Joachim Krug nach der Partie, "sie haben sich im Wesentlichen darauf konzentriert, ihre Mannschaft zu unterstützen." Nun hatte der Sportdirektor von RB Leipzig genau wie die anderen 11.500 Augen- und Ohrenzeugen des Leipziger Derbys ein Spiel gesehen, bei dem seinem Arbeitgeber immer wieder etwas entgegenschlug, was man höflichkeitshalber Abneigung nennen sollte. Allerdings nur auf mehreren hundert Metern Stoff und in gehöriger Dezibelzahl. Es war mit Schlimmerem zu rechnen gewesen.

Als aus der Lok-Kurve kurz vor Schluss "Wir kriegen euch alle" skandiert wurde, mag manchem Anhänger in der gegenüberliegenden Kurve dennoch mulmig geworden sein. Die Leipziger Volkszeitung berichtet dann auch von "einigen Angriffen auf RB-Fans am Elsterflutbecken". Aber auch da hatte man mit Schlimmerem gerechnet, wie ein Großaufgebot der Polizei eindrucksvoll dokumentierte.

Doch auch bei Lok Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren einiges zum Positiven entwickelt, seit die Vereinsführung entschlossener gegen Gewalttäter und Rechtsextremisten vorgeht. Das etwa 50 Mann starke Grüppchen unter den etwa 1500 RB-Sympathisanten, das sich der akustischen Unterstützung des Klubs verschrieben hatte, sah sich einer etwa hundertfachen Übermacht in der Gästekurve gegenüber.

Und die ließ es sich nicht nehmen, immer wieder Schmährufe wie "Bullenschweine" zu intonieren, die sie von Zeit zu Zeit durch diverse Plakate intellektuell unterfütterte: "Sportlich interessiert trifft auf Gewinnorientiertheit", hieß es da ein wenig schief, oder "Das Konstrukt RB darf niemals siegen."

Wie es um das Konstrukt bestellt ist, wird die Zukunft zeigen, die Elf auf dem Rasen jedenfalls siegte. In den ersten Minuten attackierte der erste Deutsche Meister von 1903 wie ein Wespenschwarm, nach zehn Minuten erwachte die verdutzte RB-Elf dann aus ihrer Lethargie und bekam das Spiel unter Kontrolle. Nach dem zweiten Tor durch Lars Müller (34.) - zuvor hatte Jochen Hoefler das 1:0 erzielt - flog eine Leuchtrakete aus dem Lok-Block, kurz danach detonierten zwei Böller. Das 3:0 durch den ehemaligen Wehener (75.) Patrick Bick markierte den Endstand.

Der Konzern Red Bull hat bereits vor der ersten Saison in Deutschland viel Geld in den RB-Kader gesteckt. Ingo Hertzsch, Thomas Kläsener und Sven Neuhaus kamen vom Zweitligisten FC Augsburg. Kurz vor dem Derby wurde noch Nico Frommer geholt - der ehemalige Frankfurter Stürmer spielte zuletzt in Osnabrück in der Zweiten Liga und zeigte sich beeindruckt davon, "was hier geplant ist und wie professionell die Trainingsbedingungen bei RB jetzt schon sind".

Ultras sehen Sieg des Kommerzes

Insgesamt soll in den nächsten Jahren ein dreistelliger Millionenbeitrag investiert werden, um RB in die erste Liga zu hieven. Diesen Plan werten die Ultras in den Kurven bundesweit offenbar als krassestes Beispiel für den von ihnen verachteten Sieg des Kommerzes über den Sport.

Selbst bei Bundesligapartien wie zwischen Dortmund und Köln gab es Anti-RB-Proteste, beim ersten Pflichtspiel musste die Mannschaft ungeduscht und mit Blaulicht aus dem Jenaer Stadion gefahren werden. Besonders unbeliebt ist RB beim Stadtrivalen Lok Leipzig, der einen beeindruckenden Wiederaufbau hinter sich hat, von der elften in die fünfte Liga aufstieg und nun mitansehen muss, wie ihm ein Dorfverein - RB ist aus dem Zusammenschluss mit dem Vorortklub SSV Markranstädt hervorgegangen - den Rang abläuft. "RB" steht aus juristischen Gründen für "Rasen Ballsportverein e.V.". Man muss aber kein Schelm sein, um bei den Initialien auch an Red Bull zu denken.

Die wenigen RB-Fans scheinen sich während der kurzen Dauer ihres Daseins immerhin ein erfreuliches Maß an Selbstironie angeeignet zu haben. Auf die andauernden Gesänge, wonach ihr Verein "unseren Sport kaputt" mache, reagierten sie mit einem Transparent, an dessen Ende ein Smiley gezeichnet war. Die Aufschrift: "Hier könnte Ihre Werbung stehen."

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