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Er liefert die Ausnahmeflüge mit einer Selbstverständlichkeit, die ihn selbst verblüfft: Karl Geiger.

Skisprung

Die nächste Medaille im Visier

Der WM-Zweite Karl Geiger könnte auch auf der kleinen Schanze ganz nach vorne fliegen.

Die Stunden nach dem Triumph hat Karl Geiger dann doch im Kreis seiner Lieben verbracht. Der Oberstdorfer genoss im deutschen Haus von Seefeld mit seiner Freundin und seinen Eltern das Gefühl, nach dem Vize- nun auch noch ein Weltmeister zu sein. Allzu ausufernd wurde die Sache nicht. Das kann sie auch nicht werden. Auch Geiger hat schließlich noch Pläne bei der Weltmeisterschaft in Österreich.

Fürs Erste stehen in Seefeld zwar die fliegenden Frauen im Mittelpunkt, doch am Freitag geht die WM für die Medaillensammler des DSV auf der kleinen Schanze weiter. Und glaubt man Bundestrainer Werner Schuster, dann ist dort gerade Geiger wieder ein heißer Kandidat. „Es ist eine Schanze, auf der gute Abspringer gefragt sind“, sagte der Österreicher, „Karl ist da prädestiniert.“

Es ist schon ein erstaunlicher Wandel, der sich da in diesem Winter vollzogen hat. Jahrelang stand der 26-Jährige für nicht mehr als gehobenes Mittelmaß. Und nun? Bis zu Markus Eisenbichlers WM-Triumph am Samstag war Geiger der einzige Deutsche, der in diesem Winter Springen gewonnen hat – in Engelberg und in Willingen.

Bei der WM liefert der Mann, der mit 1,83 Meter Körperlänge einen so auffälligen Gegenentwurf zu den Springflöhen der Szene bietet, nun Weltklasse am Fließband. Hätte man für den Teamwettbewerb am Sonntag auch eine Einzelwertung geführt – Geiger hätte sich den Titel geschnappt. Er liefert die Ausnahmeflüge nun mit einer Selbstverständlichkeit, die ihn sogar selbst verblüfft. „Ich kann gerade machen, was ich will, ich komme immer ins Fliegen“, sagte Geiger, „das ist ein Gefühl, von dem ich immer geträumt habe.“ Natürlich würde der Allgäuer das Gefühl, das die Springer Flow nennen, gerne festhalten und konservieren, doch das geht nicht. „Wenn du es konservieren willst, dann wird es gezwungen und zwingen kannst du im Springen nichts“, betonte er, „du kannst es nur genießen, solange es da ist.“ Geiger weiß, wovon er spricht. Er hat die Tücken in diesem Winter selbst schon erlebt. Bei der Vierschanzentournee trat er nach seinem Sieg in Engelberg als deutsche Hoffnung Nummer eins an und stürzte prompt in eine Formkrise. Aber der gemütliche Allgäuer, der in seiner Freizeit gerne Harmonika spielt und Gleitschirm fliegt, ist in dieser Situation so ruhig geblieben, wie er es auch nach seinen Erfolgen geblieben ist. Dass er die Kurve zum Guten nun wieder geschafft hat – seinen Trainer überrascht es nicht. „Der Karl hat sich geduldig weiter entwickelt, nicht nur sportlich, sondern auch als Persönlichkeit“, sagte Werner Schuster, „dass er sich für seine Geduld jetzt so belohnt, ist eine tolle Sache.“

Und Geiger gehört ja zu denen, die das Glück über den Erfolg gerne teilen. „Ich habe den Trainern und Betreuern gesagt: Trinkt was ihr wollt, das geht auf das Zimmer von Markus und mir“, hatte er nach dem Einzel gesagt. Seine eigene Feier könnte ja am Samstag folgen. Dann geht die Weltmeisterschaft in Seefeld für die Skispringer mit dem Mixed-Wettbewerb zu Ende.

Patrick Reichelt

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