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50+1-Regel

Die Karawane der besten Fußballer zieht weiter

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Die Beibehaltung der 50-plus-eins-Schutzregel dürfte vor allem auf die Fans Eindruck machen. Dabei gäbe es kluge Argumente für eine Abschaffung. Unser Kommentar.

In der Regel werden im deutschen Spitzenfußball Entscheidungen von oft erstaunlich ahnungslosen Klubfunktionären ohne Debattenkultur durchgewinkt. Insoweit war der Donnerstag ein bemerkenswerter Tag, der am Ende zu einer Kampfabstimmung führte. Danach waren diejenigen zufrieden, die fürchten, dass bei einer Abschaffung der 50-plus-eins-Regel alles Böse des Raubtierkapitalismus in die beiden Bundesligen Einzug erhält.

Sie sind ja nicht doof und haben Argumente auf ihrer Seite: etwa die Furcht vor Übernahmen durch fachfremde „Verrückte“, für die Fußball bloß ein Spielzeug ist; oder der immense Druck, der auf kleine Klubs wirkt, wenn die Metropolenvereine über Nacht mit frischem Kapital stinkreich werden.

Vor allem aber dürfte die Abstimmung der Fankurven Eindruck gemacht haben. Deren ständig zunehmende Machtfülle wurde nun bestätigt. Das deutsche Fußballvolk macht bei einer hemmungslosen Kommerzialisierung nicht mit, sondern bremst die Klubs ein.

Die haben derzeit die Hosen gestrichen voll. Die Proteste gegen die Aufsplittung der Anstoßzeiten über das Wochenende hinaus haben Wirkung gezeigt. Die Fan-Petition für eine Beibehaltung der Schutzregel gegen Investorenübernahme deutscher Lizenzklubs nun ebenso.

Kluge Argumente für eine Abschaffung einer Regel, die kein anderer Wirtschaftszweig im Land so für sich beanspruchen darf – kein mittelständischer Tischlerbetrieb und keine Imbissbude, keine Airline und kein Autohändler – sollten dennoch nicht ignoriert werden. Etwa die Frage, mit welchem Recht Fußballklubs, die pro Saison vier Milliarden Euro umsetzen und ihren Topverdienern eine Million im Monat zahlen, mehr Schutz vor Übernahme gewährt wird als dem Kaufmannsladen um die Ecke. Und die Frage, weshalb vier Klubs 50 plus eins schlicht ignorieren dürfen: Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig. Und natürlich auch die Tatsache, dass ausländische Klubs sich einen schwer aufholbaren Vorsprung mithilfe des Großkapitals geschaffen haben.

Machen wir uns nichts vor: Das Profifußballgeschäft hat sich doch auch bei uns längst zu einem Unterhaltungsbusiness entwickelt, nicht nur bei den bösen Engländern, wo es tatsächlich neben positiven auch abschreckende Beispiele von Investorentätigkeit gibt. Wie übrigens auch hierzulande trotz Schutzregel. Ohnehin: Die Karawane der besten Spieler schert sich nicht um Fußballkultur. Sie zieht einfach weiter, dorthin, wo die größten Nuggets liegen. Die werden, wenn hier alles bleibt, wie es ist, nur wenige schürfen können, die Bayern natürlich vor allem. Wozu das geführt hat, haben wir in den vergangenen fünf Jahren gesehen und sehen es auch in dieser Saison wieder: Ödnis im Titelkampf.

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