Kanuten feiern sich als Nummer 1

Der medaillenlose Schlusstag auf dem Dorney Lake in Eton konnte die Hochstimmung im deutschen Kanu-Lager nicht trüben. ...

Eton. Der medaillenlose Schlusstag auf dem Dorney Lake in Eton konnte die Hochstimmung im deutschen Kanu-Lager nicht trüben. Beim Blick auf den Medaillenspiegel der Olympischen Spiele von London glänzten die Augen von Verbandspräsident Thomas Konietzko.

Dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze - einmal mehr waren die deutschen Kanuten die Nummer 1 im deutschen Team. "Wir sind der erfolgreichste olympische Sportverband in Deutschland", bilanzierte der Chef des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) aufgekratzt, "wir werden erstmal feiern in den nächsten 14 Tagen."

Sebastian Brendel im Einer-Canadier, das Canadier-Duo Peter Kretschmer und Kurt Kuschela sowie Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak feierten Olympiasiege. Der Vierer mit Weber, Dietze, Carolin Leonhardt und Katrin Wagner-Augustin holte Silber. Jeweils zu Bronze fuhren Max Hoff im Einer-Kajak sowie Martin Hollstein und Andreas Ihle im Zweier-Kajak. Zudem hatten im Kanuslalom Sideris Tasiadis Silber und Hannes Aigner Bronze gewonnen.

"Wir haben in beiden Kanusparten jeweils 50 Prozent der möglichen Medaillen geholt. Das ist vor allem in Anbetracht der nicht zu unseren Gunsten getroffenen ICF-Regelungen in Sachen Quotenplätze ein bemerkenswertes Ergebnis", resümierte DKV-Sportdirektor Jens Kahl stolz. Die gewonnenen acht Medaillen liegen nur um eine hinter der Zielvereinbarung. "Damit kann man zufrieden sein. Nichtsdestotrotz merken wir, dass die Weltspitze enger zusammenrückt", analysierte der Verbandschef.

Zugleich brachten die Kanuten mit ihren Medaillen die deutsche Mannschaft in der Nationenwertung nach vorn. "Wir wollen aber gar nicht immer die Retter sein. Wir würden uns sehr freuen, wenn die anderen Sportarten genauso erfolgreich wären", sagte Kahl. Er genoss das daraus resultierende Medieninteresse, konnte sich aber einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Natürlich bin ich froh, dass jetzt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, dass wir gute Arbeit machen. Aber das ist ja nichts Neues seit 1992. Schade, dass das immer nur alle vier Jahre so ist."

Alle deutschen Medaillen wurden auf den traditionell starken 1000-Meter-Strecken bei den Männern und den 500-Meter-Distanzen bei den Frauen gewonnen. Nachholbedarf besteht auf den erst vor drei Jahren handstreichartig ins Programm gehievten Sprintentscheidungen über 200 Meter. Bei der Olympia-Premiere belegte Ronald Rauhe sowohl im Kajak-Einer als auch im Zweier mit seinem Partner Jonas Ems nur den achten und letzten Finalplatz. Silke Hörmann kam auf Rang 15. Gar nur 16. und damit Letzter wurde im Feld der Sprint-Spezialisten 1000-Meter-Mann Brendel.

"Das war heute im Rahmen der Erwartungen. Aber man muss ehrlicherweise sagen, das entspricht nicht unserem Anspruch als Deutscher Kanu-Verband", betonte Konietzko. Die Spezialisierung hat der Verband seit drei Jahren eingeleitet. "Früchte wird das vielleicht in Rio tragen", prognostizierte der Präsident.

Dennoch soll nun nicht bedingungslos alle Kraft darauf verwendet werden. "Wir müssen nicht etwas machen, was nicht geht. Aber wir haben ein paar junge Sportler, die werden wir gesondert mit einem Projekt ausstatten, damit wir die 200 Meter nicht kampflos der internationalen Konkurrenz überlassen", erklärte Chefbundestrainer Reiner Kießler.

Den Austausch der 500-Meter-Konkurrenzen der Männer gegen den Sprint wertete der DKV als Schlag ins Medaillenkontor. Auch die Begrenzung der Plätze von zehn auf acht Männer erwies sich als Handicap, weil so Doppelstarts notwendig wurden, um in allen Bootsklassen zu starten. "Man darf nicht vergessen, das olympische Programm wurde vor drei Jahren gerade deshalb geändert, um die Dominanz der relativ starken traditionellen Kanunationen zu brechen. Das ist offensichtlich gelungen", monierte Konietzko. (dpa)

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