Lehmann versus Subotic

Kampfsportler unter sich

Jens Lehmann und Neven Subotic hauen sich auf dem Platz, aber der Schiedsrichter sieht nichts. Die Beteiligten offenbaren hinterher eine gänzlich andere Wahrnehmung des Geschehens. Von Felix Meininghaus

Von Felix Meininghaus

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit waren der Dortmunder Manndecker Neven Subotic und der Stuttgarter Torwart Jens Lehmann handfest aneinandergeraten. In Erwartung eines Einwurfs von Patrick Owomoyela hatte erst Lehmann mit dem Ellbogen ausgeteilt, darauf revanchierte sich Subotic mit einem Schlag ins Gesicht des Keepers. Kein schöner Anblick, doch Schiedsrichter Helmut Fleischer ließ beide Akteure ungestraft davonkommen. Nach Spielschluss gab er zu Protokoll, er habe kein Schlagen gesehen. Aber die Kameras hatten haargenau aufgezeichnet, was dem Unparteiischen entgangen war.

Tätlichkeiten von beiden Seiten, wobei die Beteiligten hinterher eine gänzlich andere Wahrnehmung des Geschehens offenbarten. Während Subotic noch einräumte, "ja, ich habe ihn auch getroffen", wähnte sich Lehmann frei von jeder Schuld. Mit angeschwollener Lippe spielte der Torhüter in den Tiefen des Stadions den Staatsanwalt in eigener Sache. Subotic habe ihn auf den Kiefer geschlagen, klagte Lehmann an und unterstellte dem Verteidiger den Versuch vorsätzlicher Körperverletzung. "Ich spiele seit 22 Jahren Fußball und mir hat noch nie einer einen Zahn ausgeschlagen. Jetzt dachte ich, es ist so weit. Da kommt einer daher und schlägt mir volle Kanne vor die Zähne." Eine reichlich einseitige Wahrnehmung der Ereignisse.

Auch auf der Zielgeraden seiner schillernden Laufbahn polarisiert Jens Lehmann munter vor sich hin. Fast 40 Jahre und kein bisschen leise - geschweige denn weise. Gestern verkündete der DFB, dass der Kontrollausschuss in der Angelegenheit ermittle.

Der Aufreger des Spiels überdeckte, dass auch ansehnlich gekickt wurde. Wobei die Stuttgarter versuchten, die Gastgeber mit spielerischen Mitteln zu bezwingen, während sich die Dortmunder nach den zwei derben Niederlagen in Hamburg (1:4) und gegen Real Madrid (0:5) darauf besannen, ihre Linie durch harte Arbeit zurückzugewinnen.

Ein phrasengeschulter Trainer hätte die Floskel "über den Kampf ins Spiel" bemüht, Klopp sagte: "Souveränität und Leichtigkeit waren bei uns nicht zu erkennen, das Wichtigste war heute, dass wir unsere Defensive stabilisiert haben." Dabei wurde der Trainer quasi zu seinem Glück gezwungen. Bereits nach vier Minuten musste er Hummels einwechseln, der als defensiver Mittelfeldmann dann der beste Spieler der Partie wurde.

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