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Akrobaten unter sich: Beim Ski-Cross ist Durchsetzungsvermögen gefragt.

Ski-Cross

Kampfjet in der Besenkammer

Ski-Cross ist bei seiner Olympiapremiere gleich ein großer Renner: 4100 Zuschauer und Millionen vor den Fernsehschirmen waren fasziniert.

Nach ihrem spektakulären Olympiadebüt erklären die Ski-Crosser sogar die Formel 1 zum Kindergeburtstag. "Wenn Niki Lauda behauptet, in Monaco fliege man mit dem Hubschrauber durchs Wohnzimmer - dann fliegen wir mit dem Kampfjet durch die Besenkammer", sagte der deutsche Starter Martin Fiala (Obermaiselstein) nach der atemberaubenden Feuertaufe für das Rodeo im Schnee.

Für Fiala, der im Achtelfinale ausschied und den zweiten Deutschen Simon Stickl (Bad Wiessee/ebenfalls Achtelfinal-Aus) war die Olympiapremiere sportlich ein Ärgernis. Für Ski-Cross dagegen war sie wahrscheinlich der Startschuss einer Erfolgsgeschichte: 4100 Zuschauer und Millionen vor den Fernsehschirmen waren fasziniert. Die Fahrer rauschten in die Fangzäune, rasten Schulter an Schulter ins Tal und knallten aus acht Metern Höhe auf die Piste.

"Adrenalin, Action, Abenteuer - es geht Mann gegen Mann. Steilkurven, Sprünge, der Wahnsinn", sagte Stickl. Der 22-Jährige erwischte in der Qualifikation die Startnummer eins und durfte das neue Olympiakapitel aufschlagen. Das Herz schlug ihm dabei bis zum Hals. "Es war ein geiles Gefühl, Geschichte zu schreiben", sagte er. Erster Ski-Cross-Olympiasieger wurde der Schweizer Michael Schmid vor Weltmeister Andreas Matt (Österreich) und Audun Grönvold (Norwegen).

Fiala schlug das Buch dagegen zu. "Für mich ist mit diesem Rennen die Reise zu Ende. Man wird mich weiter auf schneebedeckten Hängen finden, aber nicht im Wettbewerb", sagte der 42-Jährige, der nach seinem Aus im Achtelfinale noch lauthals geflucht hatte. Dann prägte er den Ausspruch vom Düsenjäger im Abstellraum und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Nicht so richtig lachen konnte Wolfgang Maier nach der Premiere. Der Alpindirektor des Deutschen Skiverbands (DSV) bescheinigte dem jüngsten Kind der olympischen Familie zwar ein enormes Potenzial, sieht aber auch noch Schwächen. "Die Show ist spektakulär und cool, aber für die Fairness muss man sich noch was einfallen lassen", sagte Maier.

Am Dienstag (19.30 MEZ) wagen sich die Frauen auf die 1144 Meter lange Piste, die "schwerste Strecke der Welt" (Stickl). 16 aberwitzige Sprünge, Steilkurven und 216 Höhenmeter sind zu überwinden. "Ich habe mir noch die Haare schwarz-rot-gold gefärbt. Vielleicht bringt mir das ja Glück", sagte Heidi Zacher, eine von drei deutschen Starterinnen. (sid)

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