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Kampfansage von der Sünderbank

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Nach dem Ende seiner Dopingsperre fordert Sprinter Dwain Chambers seine Olympiachance ein.

Von REINHARD SOGL

Jürgen Mallow machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Es wäre gut, wenn die Deutschen einen eigenen Lauf hätten", sagte der Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) am Samstag vor der zweiten 100-Meter-Serie beim Meeting im oberschwäbischen Biberach. Einen eigenen Lauf, um nicht zusammen mit dem früheren Dopingsünder Dwain Chambers starten zu müssen, der trotz längst abgesessener Sperre den Moralaposteln weiter als die Verkörperung des Bösen gilt.

Dass der Veranstalter, der wegen der Verpflichtung des 30-jährigen Briten heftig kritisiert worden war, Mallows Wunsch fürs Finale nicht entsprach, wertete nicht nur Tobias Unger als richtige Entscheidung. Deutschlands bester Sprinter machte nämlich im Sog von Chambers mit 10,22 Sekunden die Qualifikation für Peking perfekt, nachdem er vor zwei Wochen bereits 10,17 gelaufen war. "Jetzt kann ich mit freiem Kopf nächste Woche zur deutschen Meisterschaft nach Nürnberg fahren", frohlockte Unger, der keine Berührungsängste zu Chambers hatte. Seit' an Seit' ließen sie sich von den 6000 Zuschauern feiern. "Woanders bekommt man auch eine zweite Chance", erklärte der im Vergleich zum verhinderten Football- und Rugbyspieler Chambers schmalbrüstige Unger. "Wie mir ging es ihm hier um die Norm."

Mit 10,14 Sekunden im ersten Lauf und dann sogar 10,06 im zweiten hat Chambers die Richtzeit für Peking in Biberach gleich zweimal unterboten, aber jetzt gilt es für die persona non grata noch, die normative Kraft des Faktischen zu besiegen. "Ich habe jetzt meinen Job getan, jetzt müssen die Anwälte ihren Part erledigen", sagte Chambers. In der nächsten Woche wird sein Rechtsbeistand Klage vor dem High Court gegen die British Olympic Association (BOA) einreichen, deren Nominierungsrichtlinien einen lebenslangen Bann für die Olympischen Spiele gegen ehemalige Dopingtäter vorsehen. Chambers, den als Folge seiner Dopingtaten hohe Schulden drücken, sieht darin ein Berufsverbot.

"Will fair behandelt werden"

"Ich bin sehr zuversichtlich", sagte der Londoner - zum einen, nach seiner schnellsten Zeit nach der im Frühling 2006 abgelaufenen Sperre von zwei Jahren wegen Dopings mit THG und anderen Substanzen in zwei Wochen bei den Trials in Birmingham einen der drei ersten Plätze zu belegen; zum anderen, dass die britische Justiz den BOA-Bann kippt. Es gehe ihm aber nicht darum, die britischen Sportorganisationen zu beschämen, sagte der Mann mit der Bestzeit von 9,97 Sekunden. "Ich will nur fair behandelt werden und eine Chance bekommen, für mein Land etwas zu erreichen. Ich mache das nur, weil ich das starke Gefühl habe, dass ich bei den Olympischen Spielen ins Finale kommen kann." Der Sprinter, der sich ohne Trainer vorbereitet und nach seinem zweijährigen Abstecher zum American Football im März Vizeeuropameister über 60 Meter wurde, traut sich zu, bald wieder unter zehn Sekunden zu laufen.

Und zwar dem Reinheitsgebot entsprechend, wie der frühere Balco-Kunde gebetsmühlenartig wiederholt. Erneut verwies Chambers, der sich auch verbal im Antidopingkampf engagiert, auf seine Läuterung: "Ich habe Buße getan für meine Fehler und will jetzt beweisen, dass ich es auch sauber schaffen kann. Von jetzt an werde ich immer ein sauberer Athlet bleiben." Glaube ist gut, Kontrolle ist besser. Der Dopingtest, einer von vielen laut Chambers, war dem Muskelpaket in Biberach gewiss.

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