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Sportlich läuft es in Leipzig: die HC-Spielerinnen beim Final Four im Mai 2016.

Handball

Kampf ums Überleben

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  • Manuel Kasper
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Die RB-Fußballer unterstützen die Leipziger Handballerinnen.

War das wirklich ein grüner Schein, den Ralf Rangnick da zwischen seinen Fingern bewegte und sehr geschickt in eine schmale Öffnung des Spendenbechers schob? Auf jeden Fall zoomte die Stadionregie so nah an den Sportdirektor von RB Leipzig heran, dass in der Halbzeitpause des Bundesligaspiels gegen den 1. FC Köln (3:1) kaum Zweifel bestanden: Da hatte einer der prominentesten Protagonisten aus dem Red-Bull-Fußballbetrieb einen Hunderter für die Rettung des von der Pleite bedrohten Handball-Bundesligisten HC Leipzig springen lassen. „Der Verein existiert sehr lange, und er gehört zu Leipzig“, sagte Rangnick am Stadionmikrofon, um 40 000 Menschen zu überzeugen, dasselbe zu tun wie er selbst. Nämlich Geld für die Rettung zu spenden.

Eigentlich konnte der gemeine Stadionbesucher den vielen bunt gekleideten Mädchen gar nicht entkommen, die aus der Jugendabteilung des HC Leipzig an vielen Stellen um einen Obolus baten. Oder Flyer mit der Bitte um eine Überweisung auf ein Unterstützerkonto verteilten. Wenn sich ein Verein zu solchen Maßnahmen entschließt – und dabei die Fußballer des Nachbarklubs und den eigenen Nachwuchs einspannt –, dann muss die Not groß sein. Das ist sie in der Sportstadt Leipzig auch. Wie die Sachsen Mitte Februar auf einer Pressekonferenz mitteilten, betragen die Schulden 900 000 Euro. Die Bundesligalizenz für einen der erfolgreichsten Vereine des gesamtdeutschen Frauenhandballs ist in erster Gefahr. Bis zum 31. März muss der HCL die Unterlagen für die neue Lizenz einreichen, unter anderem mit einer Bankbürgschaft in Höhe von 50 000 Euro.

Aktuell steht der HC Leipzig zwar auf Platz vier der Tabelle, muss sich aber mit dem Überleben beschäftigen, weil aus dem einstigen Krösus des deutschen Frauenhandballs ein Sanierungsfall geworden ist. Trotz ernster Lage sei der HC noch zahlungsfähig, versicherte Manager Kay-Sven Hähner. Trotzdem verlassen zahlreiche Stammkräfte fluchtartig den Verein. Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk hat bereits ihren Vertrag aufgelöst und steht nun beim Bayer Leverkusen zwischen den Pfosten. Zum Saisonende werden Shenia Minevskaja und Anne Hubinger, zwei weitere deutsche Nationalspielerinnen, nicht mehr für den HCL auflaufen. Auch andere Leistungsträgerinnen stehen vor dem Absprung.

„Die Lage ist ernst, wir müssen dicke Bretter bohren, aber die Lage ist nicht aussichtslos“, sagte Hähner. Nachdem am ersten Tag nach der Eröffnung des Unterstützerkontos bereits 15 000 Euro zusammengekommen sind, erhofft man sich Hilfe auch von der Stadt Leipzig. Es habe bereits Gespräche mit Vertretern der Stadt gegeben. Zudem soll Sportbürgermeister Heiko Rosenthal ein Gespräch mit zwei möglichen Sponsoren vermitteln. Zunächst müsse der Verein jedoch ein Konzept zur finanziellen Sanierung vorlegen, bevor der Stadtrat über mögliche Unterstützungen abstimmen kann.

Die Zeit drängt für den HCL, denn bis zum 30. März muss der Verein die nötigen Unterlagen zur Lizenzierung für die kommende Bundesligasaison einreichen. Eine halbe Million Euro Schulden müssen bis zum Saisonende getilgt werden.

Die Ursachen für die Misere seien vielschichtig, sagt der Manager. Zum einen sei der Verein schon mit Altlasten in die Saison gegangen, zum anderen seien zugesagte Zahlungen einiger Sponsoren ausgeblieben, das Geld jedoch schon auf dem Transfermarkt ausgeben worden. Weiteres Problem: Der Frauenhandball lockt im Schnitt nur rund 1000 Zuschauer in die Arena nahe am Sportforum – Fußballfans kommen auf dem Fußmarsch ins Stadion daran vorbei. Der sechsfache deutsche Meister und viermalige Europapokalsieger hatte aber im Vorfeld mit 2200 Besuchern kalkuliert.

Hähner gesteht Fehler bei der Einschätzung der Lage und der Kaderplanung ein. Trotzdem käme ein Rücktritt für ihn nicht in Frage. „Ich bin bereit zu kämpfen“, sagte Hähner. Doch viel wichtiger könnte werden, dass nun auch Personen wie Rangnick mitkämpfen, deren Strahlkraft in einer der wenigen prosperierenden Ost-Städte ungleich größer ist. Die Bundesligafußballer versteigern auch unterschriebene Trikots.

Was jedoch nicht passieren soll: Dass es einen dicken Scheck aus dem Hause des Red-Bull-Begründers Dietrich Mateschitz gibt.

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