+
Als "Legende des Sports" in einer Reihe mit Franz Beckenbauer, Michael Schumacher und Boris Becker: der 34-jährige Philipp Lahm.

Deutscher Sportpresseball

Kaiserchen mit 34 Jahren

  • schließen

Philipp Lahm wird in Frankfurt als "Legende des Sports" ausgezeichnet.

Philipp Lahm, und das ist gar nicht despektierlich gemeint, ist ja immer ein bisschen als Fußballstreber durchgegangen. Einer, der fleißig war, der seine Aufgaben fast durchweg zur Zufriedenheit aller verrichtete, der sich bestmöglich auf seinen Job vorbereitete. Und auch nach der Karriere auf dem Rasen kann der ehemalige Weltklasseverteidiger nicht so ganz aus seiner Haut. Beim 37. Sportpresseball in der Alten Oper in Frankfurt nahm Lahm am Samstagabend die Ehrung als „Legende des Sports“ entgegen - äußerst ungewöhnlich mit gerade einmal 34 Jahren.

„Ich hoffe, dass ich noch nicht einmal die Hälfte meines Lebens hinter mir habe. Deshalb ist es ein komisches Gefühl“, sagte der Weltmeisterkapitän von 2014 und langjährige Bayern-Profi bei der seit 1981 ausgerichteten Veranstaltung. Es war ihm anzumerken, so richtig konnte er sich mit dem Status einer Legende noch nicht anfreunden. Schüchtern sei er ja immer ein bisschen gewesen, wollte Moderator Michael Steinbrecher auf der Bühne gerade loslegen, da fuhr Lahm dazwischen und ergänzte: „Bin ich heute noch.“ Also hatte der gebürtige Münchner sich wie schon damals auf dem grünen Rasen auch diesmal auf dem dunkelbraunen Parkett perfekt vorbereitet - die Rede fein säuberlich aufgeschrieben, kein Wort zu viel, keines zu wenig. Jeder Satz passte zum nächsten. Der rote Faden vor den Gästen aus Sport, Politik und Showbusiness war offensichtlich.

Kaiserchen sei er nun ja schon genannt worden, „das sehe ich als großes Lob“, begann Lahm seine Laudatio auf sich selbst, die am Ende natürlich keine Laudatio auf ihn selbst war. Vielmehr rückte der kleine Kaiser den großen in den Fokus. „Wenn mich jemand fragt, wer eine Legende ist, dann ist es Franz Beckenbauer“, sagte Lahm. „Er verströmte immer etwas Positives, eine Art Aufbruchstimmung. Und wenn er etwas angepackt hat, wurde auch etwas daraus.“ Über seine eigenen Erfolge verlor Lahm kein Wort. 

Angelique Kerber mit glänzenden Augen

Selbst die Sommermärchenaffäre, das ungelöste Rätsel der falsch deklarierten 6,7-Millionen-Euro-Zahlung im Zuge der Bewerbung um die WM 2006, kann Lahms Bild von Beckenbauer nicht trüben. „Ich blende die Misstöne nicht aus, sie harren ihrer Klärung“, sagte er: „Aber ich möchte an das schöne Ereignis erinnern, das das Bild Deutschlands auf Jahre hinaus positiv geprägt hat.“

Die perfekte Überleitung zu den kommenden Aufgabe, zur EM 2024, bei der Lahm selbst in exponierter Stellung mithelfen soll, die Heim-EM zu einem Erfolg zu machen. Das genaue Stellenprofil ist noch offen, DFB-Präsident Reinhard Grindel, der nicht nach Frankfurt gekommen war, warb zuletzt gar um eine aktive Rolle Lahms im Präsidium. „Die Auszeichnung gibt Rückenwind für die großen Aufgaben“, bedankte sich Lahm am Ende pflichtbewusst, nickte kurz in den Saal und schritt unter Applaus von dannen.

Weitaus emotionaler ging es da schon bei Angelique Kerber zu. Die beste deutsche Tennisspielerin, der zweite Stargast des Abends, wurde als „Sportlerin mit Herz“ ausgezeichnet. Zum einen, weil sie sich sozial mehr als andere engagiert, vor allem aber, weil sie überaus erfolgreich ist. Als Bilder von Kerbers Wimbledonsieg im Juli an die Wand geworfen wurden, glänzten die Augen der 30-Jährigen. „Es ist immer noch Gänsehaut pur, wenn ich die Bilder sehe. Dann fühle ich die Emotionen, die ich dort zwei Wochen erlebt habe“, sagte Kerber und kündigte mit einem breiten Lächeln an: „Ich habe nichts dagegen, im nächsten Jahr wieder nach Wimbledon zu fahren und noch einmal zu gewinnen.“ 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion