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Kaiser verzichtet auf König

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Von: Tobias Schächter

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Klasse im Mittelfeld: Yildiray Bastürk (links).
Klasse im Mittelfeld: Yildiray Bastürk (links). © rtr

Die Türkei leitet bei der EM einen Generationswechsel ein und mustert Altstar Sükür aus.

Noch Ende April empfing Hakan Sükür ausländische Reporter im Hinblick auf die Fußball-EM wie es sich für einen Mann geziemt, den sie in der Türkei "Kral" (König) nennen. Selbstbewusst und erwartungsfroh redete die Stürmerlegende bei einem Tee im Trainingszentrum von Galatasaray Istanbul über die Chancen der Türken in der Gruppe A mit Portugal, der Schweiz und Tschechien. Seit Anfang Mai aber redet Hakan Sükür, 36, mit keinem Journalisten mehr. Der Rekordtorschütze fehlt im EM-Kader.

Trainer Fatih Terim, den die Türken den "Imparator" (Kaiser) rufen, verzichtete auf seinen König und entledigte sich damit einer polarisierenden Figur. Seit Jahren belasteten die Debatten über Sükür das Klima. Seine Kritiker warfen ihm zu Recht Kräfteverschleiß und nicht mehr zu kompensierende Schnelligkeitsdefizite vor. Terim, der Sükür reaktivierte, nachdem Vorgänger Ersun Yanal ihn ausgemustert hatte, berief den alten Weggefährten schon vor den entscheidenden Qualifikationsspielen gegen Norwegen und Bosnien-Herzegowina nicht mehr in den Kader. Das endgültige Aus traf Sükür aber offenbar völlig unvorbereitet. Wie Terim schweigt er zu diesem Thema.

"Wir kommen als Freunde"

Der Aufschrei in den Medien war groß, allerdings nur kurz, besteht doch mittlerweile Konsens darüber, dass Sükür es auf höchstem Niveau nicht mehr packt. Frei von dem Ballast Sükür, bereiteten sich die Türken im ostwestfälischen Marienfeld auf ihre dritte EM-Teilnahme nach 1996 und 2000 vor. In einem ehemaligen Kloster öffnete Terim auch die Pforten für Mitarbeiter des amerikanischen Fitnesstrainers Mark Verstegen, der schon die deutsche Elf für die WM 2006 gequält hatte. "Schließlich sind die Erwartungen des türkischen Volkes himmelhoch", bemerkte Terim.

Nach dem Aus in der WM-Qualifikation 2006 gegen die Schweiz sind die Türken auch um eine Aufbesserung ihres internationalen Ansehens bemüht. "Wir kommen als Freunde", sagtTerim, der damals die Stimmung mit nationalistischen Parolen aufgeheizt hatte. Doch wie in der Qualifikation blieb auch in der Vorbereitung das Verletzungspech ein treuer Begleiter. Zwei Tage vor Ende der Meldefrist musste Hoffnungsträger Gökhan Gönül nach Hause reisen. Eine komplizierte Fußverletzung macht den Einsatz des Verteidigers von Fenerbahce unmöglich.

Auch das gesetzte Innenverteidiger-Raubein Servet von Galatasaray war wegen einer Leistenverletzung die gesamte Vorbereitung ebenso nicht voll belastbar wie Torwart Volkan. Volkan meldete sich aber zum zweiten Freundschaftsspiel gegen Uruguay in Bochum (2:3) wieder fit. Auch Hamit Altintop von Bayern München gab erst im letzten Moment grünes Licht für einen EM-Einsatz nach dreimonatiger Verletzungspause.

Im Mittelfeld besitzt die türkische Mannschaft mit dem spielstarken Emre, dem umsichtigen Mehmet Aurelio, dem trickreichen Arda und Yildiray Bastürk viel Klasse. Im Angriff vertraut Terim nun Semih, dem gesetzten Nihat und Halil Altintop, Hamits Zwillingsbruder.

Terim, 54, bereitet nach 1996 zum zweiten Mal einen türkischen Kader auf eine EM vor. Damals schied man in der Vorrunde aus. Ein Weiterkommen diesmal wäre eine Überraschung. "Vielleicht", sagt aber der optimistische Terim mit Blick auf die ebenfalls mit Problemen kämpfenden Tschechen und Schweizer, "reichen ja auch nur vier Punkte zum Einzug ins Viertelfinale."

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