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Colin Kaepernick (r.) und sein Mannschaftskollege Eric Ried knien während der Hymne.

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Kaepernicks Erben

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Der Protest von Football-Profi Colin Kaepernick findet immer mehr Nachahmer. In Philadelphia plant eine ganze Mannschaft den Aufstand. Auch an High Schools folgen Schüler seinem Vorbild.

Sportlich schreibt Colin Kaepernick derzeit keine Schlagzeilen. Der Quarterback der San Francisco 49ers ist zu Beginn der Saison in der National Football League (NFL) nur Ersatz. Weil man den Quarterback beim American Football nur in Notsituationen wechselt, kam der 28-Jährige noch zu keiner Minute Einsatzzeit.

Dennoch bleibt der Name Kaepernick weiterhin in aller Munde. Im Vorfeld der Saison hatte er sich zunächst geweigert, bei der Nationalhymne zu stehen und schließlich bekanntgegeben, er werde beim Abspielen des „Stars Bangled Banner“ von jetzt an knien. Kaepernicks Weigerung hat einen politischen Kern. Er wolle damit auf den ausufernden Rassismus der Polizei vor allem gegenüber der schwarzen Bevölkerung aufmerksam machen, der sich zuletzt in etlichen Fällen von Polizeigewalt geäußert habe. Seine Aktion schlug hohe Wellen, bis zu Präsident Barack Obama, der sich – wenn auch verklausuliert – mit Kaepernick solidarisierte.

Neben Obama fanden sich weitere Unterstützer. Nach Kapernicks erster Aktion taten es ihm viele Sportstars gleich und knieten während dem Abspielen der Nationalhymne, statt wie üblich aufrecht zu stehen und die rechte Hand aufs Herz zu legen.

Eagles planen Mannschaftsprotest

Nun wird vielleicht eine ganze NFL-Mannschaft Kaepernicks Vorbild auf der ganz großen Bühne der NFL folgen. Beim „Monday Night Football“, für alle NFL-Fans ein Highlight am Montagabend, wollen die Philadelphia Eagles einen teamweiten Protest starten, der sich an Kaepernicks Weigerung orierntiert und in dessen Geiste passiert. Initiator soll Safety Malcolm Jenkins sein, der 2014 von den New Orleans Saints zu den Eagles gewechselt war. Jenkins sagte, man werde sich im Spiel gegen die Chicago Bears nicht hinknien, sondern einen eigene Form des Protests suchen, der aber „dieselbe Botschaft“ wie Kaepernicks Kniefall zum Ausdruck bringen soll.

Wie viele seiner Mannschaftskollegen sich wirklich beteiligen werden weiß Jenkins offenbar nicht. Sollte es aber ein mannschaftsweiter Protest werden, hat auch Eagles-Trainer Doug Pederson seine Untersützung angekündigt. Sollte sich wirklich ein Cheftrainer an einem wie auch immer gearteten Protest beteiligen, es würde sich um ein Novum handeln.

Außerhalb der höchsten Liga NFL hat sich bereits eine ganze Mannschaft entschlossen, den Protest zu ihrem eigenen zu machen. An der Garfield High School in Seattle folgte ein Footballteam plus Betreuerstab Kaepernicks Beispiel und kniete während der Hymne. Auch aus dem gegnerischem Team beteiligten sich Spieler und spontan sollen sogar auf den Tribünen einige Menschen auf die Knie gegangen sein. Ähnliches wird von High School Spielen in San Francisco berichtet, bei dem nur ein Spieler aufrecht stehen blieb und die rechte Faust in den Himmel streckte. Die Geste erinnert an die Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt. Dort hatten beide Athleten während der Siegerehrung ihre Fäuste in den Himmel gestreckt, um auf die Diskriminierung von Afroamerikanern in ihrer Heimat aufmerksam zu machen.

Amerikas Konservative bemühen sich dagegen weiterhin, Kaepernicks Protest als Respektlosigkeit gegenüber den USA im Allgemeinen und seinen gefallenen Soldaten im Speziellen darzustellen. Sänger Kid Rock, ein offener Unterstützer von Präsidentschaftskandidat Donald Trump, beschimpfte Kapernick auf einem Konzert in Washington von der Bühne aus.

Doch der Stein, den Kapernicks Kniefall losgelöst hat, ist im Rollen und es sieht nicht so aus, als ob er so einfach wieder zum Stillstand kommen wird.

 

 

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