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Kämpfen und Spaß haben

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Die Spieler der Offenbacher Kickers bejubeln das 1:0 im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC.
Die Spieler der Offenbacher Kickers bejubeln das 1:0 im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC. © imago/Jan Huebner

Die Offenbacher Kickers wissen, dass sie im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach eigentlich keine Chance haben. Aber die gilt es bekanntlich zu nutzen.

Von Manuel Schubert

Markus Müller hat am vergangenen Donnerstagabend auf dem heimischen Sofa gesessen und besser aufgepasst als üblich. Der Stürmer der Offenbacher Kickers verfolgte das Europa-League-Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen Sevilla äußerst aufmerksam. Auch am Sonntag, als die Borussia den SC Paderborn empfing, zappte Müller nicht nur oberflächlich wieder rein, sondern passte genau auf. Es gehört zu professionellen Vorbereitung, sich mit auf jenes Team vorzubereiten, die der OFC heute (20.30 Uhr) zum Achtelfinalspiel des DFB-Pokals empfängt. Trainer Rico Schmitt fordert von seinen Spielern keine verbindlichen Zusatzstunden vor dem heimischen TV-Gerät, doch für Müller sind sie selbstverständlich. „Das gehört doch zu meinem Beruf“, sagt der 26-Jährige.

Nun kann der Stürmer ein ziemlich genaues Bild von den Gladbacher Stärken zeichnen. Ein gepflegtes Kurzpassspiel, zwei Sechser, die sich abwechselnd zwischen die Innenverteidiger fallen lassen, ein starkes Umkehrspiel, eine abgeklärte Defensive, zählt Müller auf. Und Schwächen? Der Stürmer überlegt kurz. „Da habe ich leider keine gefunden“, sagt er und lacht.

„90 Minuten Vollgas“

Auch wenn ganz Offenbach seit Wochen über kein anderes Thema spricht, auch wenn die Mannschaft schuftet, auch wenn viel Geld auf dem Spiel steht – beim OFC haben Spaß und Vorfreude immer noch Vorrang. Schließlich kann der Regionalligist im Duell gegen den Tabellendritten der Bundesliga eigentlich nur gewinnen. „Wir haben uns kein Ziel gesetzt“, erzählt Müller. Nur eines habe man sich fest vorgenommen: „90 Minuten Vollgas.“

Auf dem Bieberer Berg herrscht trotz der allgemeinen Zurückhaltung bereits seit Tagen Ausnahmezustand. Der DFB hat fleißig alle Werbebanden überklebt und das Stadion in sein typisches Pokalgrün gehüllt. Auf der Geschäftsstelle stapeln sich die Kisten und Kabel der Fernsehteams, die ARD hat ihr Livestudio eingerichtet. Auf den Parkplätzen rangeln die Übertragungswagen der TV-Sender um die besten Plätze. Auch für OFC-Coach Rico Schmitt bedeutet der Pokalkracher viel Arbeit – nicht nur auf dem Trainingsplatz. Am Montagabend saß der 46-Jährige im feinen Zwirn neben Eintracht-Stürmer Nelson Valdez in der „Heimspiel“-Sendung des HR und legte einen durchaus sympathischen Auftritt hin. „Ich bin stolz auf alle Beteiligten“, verkündete er mit viel Pathos in der Stimme.

Am Dienstagmittag trat Schmitt im blauen Polohemd vor die Presse. Mehrere Minuten dauerte es, bis der Trainer, der es sich auch diesmal nicht nehmen ließ, jedem Journalisten persönlich die Hand zu schütteln, auf dem Podium Platz nehmen konnte. „Die Jungs sind wirklich geil auf das Spiel“, berichtete ein tiefenentspannter Chefcoach. Die Situation ist schon verrückt. Erst am 4. März hat der OFC sein erstes Pflichtspiel des Jahres. Nachdem die erste Rückrundenpartie der Regionalliga Südwest am Freitag in Homburg wegen schlechten Platzbedingungen abgesagt wurde, geht es für die Mannschaft also mit einem echten Kracher los. „Vielleicht ist das auch ein Vorteil für uns“, sinnierte Schmitt.

Den Gegner mag der Sachse nicht kleinreden. „Von 100 Faktoren sprechen vielleicht 97 gegen uns.“ Man wolle sich aber nicht nur hinten reinstellen, sondern mitspielen, gab er sich kämpferisch. Und bei aller Konzentration dürfe man auch nicht vergessen, die Atmosphäre zu genießen. Wer weiß, vielleicht gelingt der jungen Offenbacher Truppe ja die nächste Pokalsensation. Lukrativ wäre ein Weiterkommen für den finanziell gebeutelten Traditionsklub: Bei Erreichen des Viertelfinals winken rund eine Million Euro Preisgeld.

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