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Kathrin Baumann  arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheitsförderung und -forschung in Dillenburg.
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Kathrin Baumann arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheitsförderung und -forschung in Dillenburg.

Rückenschmerzen

Jugendliche leiden genauso wie Ältere

Kathrin Baumann zu den vielfältigen Ursachen einer Volkskrankheit.

Frau Baumann, Sie haben sich mit Rückenschmerzen bei jungen Leuten beschäftigt. Ist das nicht eher ein Leiden älterer Semester?

Nein. Jugendliche und junge Erwachsene leiden ähnlich häufig unter Rückenschmerzen wie Ältere. Ich habe speziell 16- bis 25-jährige Auszubildende untersucht. Die Ergebnisse männlicher und weiblicher Auszubildender sind vergleichbar. Allerdings suchten weibliche Auszubildende mehr als doppelt so häufig einen Arzt auf.

Verschleiß kann bei Jugendlichen nicht die Ursache sein. Was ist es dann?

Die Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig. So befinden sich Auszubildende in einer schwierigen Lebensphase. Sie müssen zum Beispiel den Übergang von der Schule zur Ausbildung, das Abnabeln vom Elternhaus bewältigen und Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen. Diese starken Stressbelastungen können eine besondere Gefährdung für die Entstehung von Rückenschmerzen darstellen.

Das heißt körperliche Belastungen sind nicht die Hauptursache, sondern psychische?

Es ist immer eine Vielzahl von Faktoren an der Entstehung von Rückenschmerzen beteiligt. Darunter zählen auch körperliche Belastungen, wie das häufige Heben und Tragen von schweren Lasten, langes Sitzen und Stehen, einseitige Haltung. Doch stärkeren Einfluss haben psychosoziale Faktoren - wie Stressempfinden, Zeitdruck oder das Gefühl, dass man am Arbeitsplatz nicht ausreichend unterstützt wird. Auch die Zufriedenheit mit der Arbeits-, Schul- und privaten Situation spielt eine Rolle.

Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern allein Rückenschule anbietet, ist den Betroffenen also nicht geholfen?

Nein. Das übliche Hebe- und Tragetraining allein reicht nicht aus als Angebot.

Was sollten Unternehmen darüber hinaus machen, um ihre Mitarbeiterrücken fit zu halten?

Zunächst einmal sollten mithilfe eines Rückenscreenings die Personen mit einem erhöhten Risiko ermittelt werden. Diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann man dann gezielte Angebote machen. Es bedarf hierbei ganzheitlicher Ansätze, das heißt, dass neben rückengerechtem Arbeiten Übergreifendes wie Entspannung, Ernährung und besonders Bewegung behandelt werden. Themen wie der Umgang mit belastenden Situationen, Ernährung und Suchtmitteln gehören ebenfalls dazu.

Was haben Suchtmittel mit Rückenschmerzen zu tun?

In meiner Untersuchung habe ich einen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und Rauchen festgestellt. Auszubildende, die rauchen, haben häufigere und stärkere Rückenschmerzen.

Sie haben alle möglichen Berufsgruppen untersucht - von Automechanikern über Briefträger bis zu Erziehern und Friseuren. Gab es große Unterschiede?

Nein. Auch Briefträger leiden unter Rückenschmerzen. Sie haben zwar viel Bewegung, sind aber auch einseitigen körperlichen sowie psychosozialen Belastungen ausgesetzt.

Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit. Woran liegt das?

Es gibt immer noch falsche Vorstellungen hinsichtlich der Ursachen. In den meisten Fällen sind Rückenschmerzen relativ harmlos und verschwinden nach wenigen Wochen von selbst. Schonen führt nicht zur Besserung. Wichtig ist es, die Alltagsbewegung beizubehalten oder möglichst schnell wieder aufzunehmen.

Interview: Jutta Rippegather

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