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Josef Ferstl beim Super-G in Kitzbühel.

Super-G Kitzbühel

Der Husarenritt des Josef Ferstl

40 Jahre nach seinem Vater Josef „Sepp“ Ferstl gewinnt Josef „Pepi“ Ferstl den Super-G auf der Streif in Kitzbühel.

Kurz nach drei Uhr am Nachmittag konnte sich Josef „Pepi“ Ferstl nicht mehr zurückhalten. Eineinhalb Stunden lang hatte sein Name ganz oben auf der gewaltigen Ergebnistafel am Fuße der legendären Streif in Kitzbühel gestanden, und jetzt war er davon überzeugt, dass sich daran auch nichts mehr ändern würde. „Heilige Scheiße“, entfuhr es ihm, „war ich aufgeregt“ – doch sein Puls ging jetzt erst recht nach oben: Super-G-Sieg im Mekka des alpinen Skisports, ein Jahr nach Thomas Dreßen in der Abfahrt und 40 Jahre nach Vater Josef „Sepp“ Ferstl. Ein Paukenschlag. „Ein Traum“, sagte Josef Ferstl.

Sepp Ferstl, Abfahrtssieger in „Kitz“ 1978 und 1979, ein Mann, den so leicht nichts umhaut, war erkennbar fassungslos ob der Glanztat des Sohnes. „Träume ich? Das ist echt ein Wahnsinn“, sagte er. Die Familie Ferstl ist nun im Besitz einer dritten Goldenen Gams (wie übrigens auch die Familie Neureuther), und zum dritten Mal wird zudem der Name Ferstl auf einer der roten Gondeln der Hahnenkammbahn stehen: Wer in Kitzbühel siegt, der siegt für die Ewigkeit. „Ich freue mich brutal für den Pepi“, sagte Dreßen, „ein Sieg in Kitzbühel ist etwas Geiles.“

Sepp Ferstl:  „Unfassbar, was soll ich da sagen?!“

Im Dezember 2017 hatte Ferstl schon in Gröden gewonnen, seit diesem Erfolg ging es bisweilen etwas zäh bei ihm, doch schon nach Rang acht in der Abfahrt am Freitag hatte er vorsichtig angedeutet, dass mit ihm nun wieder zu rechnen sei. Aber so? Ferstl gelang mit Startnummer 1 keine fehlerfreie, aber eben ein schnelle Fahrt, keiner erwischte die Ideallinie so gut wie der 30 Jahre alte Familienvater. Am nächsten kamen ihm Johan Clarey (Frankreich/+0,08 Sekunden) und Abfahrtsieger Dominik Paris (Italien/0,10). Dominik Schwaiger fuhr mit Startnummer 53 noch auf Rang 12 – eine herausragende Leistung.

Für Ferstl war das Warten auf den großen Sieg nervenaufreibend, und als es vorüber war, fehlten ihm fast die Worte. „Unfassbar, was soll ich da sagen?!“ Über den Hausberg, wo er seinen winzigen Vorsprung auf die Konkurrenz herausfuhr, war Ferstl ja „schon als kleiner Stopsel“ gefahren, wie der Vater gerührt berichtete. „Unglaublich, wirklich ein Hammer“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier, „ausgerechnet der Ferstl, der ja immer ein bisschen unter der Bürde seines Vaters gelitten hat. Das muss für ihn unglaublich emotional sein.“ War es!

Einen Tag, nachdem Felix Neureuther mit Rang elf im Slalom angedeutet hatte, dass bei der WM in Are/Schweden (5. bis 17. Februar) wieder mit ihm zu rechnen sein könnte, fiel dem deutschen Verband plötzlich ein Medaillenkandidat in den Schoß: Nach den zahlreichen Rückschlägen unter anderem durch die Verletzungen von Dreßen, Andreas Sander, Neureuther und Stefan Luitz „ist das für uns ein brutaler Befreiungsschlag“, sagte Maier.

Hinzu kam, dass Neureuther beim erneuten Sieg des Franzosen Clement Noel Hoffnung machte für die WM. „Das war absolut ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin happy, wie es gelaufen ist“, sagte er vor allem angesichts der Fortschritte bei der Suche nach dem richtigen Setup seines Materials. Bis zum WM-Slalom am 17. Februar werde es zwar knapp, ergänzte Neureuther, „aber es geht sich, glaube ich, genau aus“. (sid)

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