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John Degenkolb.

Radklassiker 1. Mai

John Degenkolb drückt der Eintracht die Daumen

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John Degenkolb führt die deutschen Radprofis an, die Seriensieger Kristoff am 1. Mai die Tour vermasseln wollen.

Eine gewisse Nervosität kann John Degenkolb nicht verhehlen. „Kurz bevor es losgeht“, sagt der Klassikerspezialist aus Oberursel, „kann ich es noch genießen.“ Er freue sich einfach, dabei sein zu dürfen. Ein Teil des großen Ganzen sein zu können. „Wenn es dann aber losgeht, ist das extrem aufregend.“

Der Radprofi aus dem Team Trek-Segafredo spricht nicht etwa von seinem Start am vorigen Sonntag beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix. Der 30 Jahre alte Radprofi ist seiner Zeit bereits voraus. Sein Herz gehört der Eintracht. „Ich habe mir Karten für Donnerstag besorgt“, sagt Degenkolb. Wenn der Frankfurter Fußball-Bundesligist im Europa-League-Rückspiel gegen Benfica Lissabon den 2:4-Rückstand aus dem Hinspiel wettzumachen versucht, hockt auch Degenkolb auf der Tribüne und drückt seinem Lieblingsverein die Daumen: „Ich hoffe auf einen 2:0-Sieg.“

Es ist dies aber längst nicht die einzige Hoffnung, die den Berufsradfahrer dieser Tage umtreibt. Auch wenn er in dieser Woche die Beine hängenlässt, eine kurze Pause einlegt, „ab Ostern steige ich wieder voll ins Training ein“. Zielgerichtet auf das World-Tour-Rennen Eschborn-Frankfurt am 1. Mai (12 bis 17 Uhr/HR und 14.45 bis 17 Uhr/ARD). Degenkolbs Heimrennen, das er 2011 zum ersten und bislang auch letzten Mal gewinnen konnte. „Es wird Zeit, das zu ändern“, sagt er am Dienstag bei der Teampräsentation im Plenarsaal des Frankfurter Römers.

Auch wenn er zuletzt in der Hölle des Nordens, wie der Pflastersteinklassiker von Paris nach Roubaix genannt wird, zu den Geschlagenen zählte und er diese Niederlage noch nicht verkraftet habe, fühlt er sich gut in Schuss für die Hatz durch den Taunus am Tag der Arbeit. „Mein Team weiß um den Stellenwert, den dieses Rennen für mich hat“, sagt Degenkolb: „Wir kommen nicht, um Handkäs’ zu essen.“

Eine Kampfansage an Alexander Kristoff. Der ein Jahr ältere Norweger stand in den zurückliegenden vier Jahren stets ganz oben auf dem Siegertreppchen. Der Seriensieger aus dem UEA Team Emirates reist mit guten Ergebnissen im Gepäck nach Hessen - er gewann unter anderem den Klassiker Gent-Wevelgem und stand bei der Flandern-Rundfahrt auf dem Podium. Ein fünfter Sieg beim Frankfurter Radsportklassiker würde Kristoff einen Eintrag in die Geschichtsbücher sichern. Denn fünf Triumphe in Serie bei einem Eintagesrennen dieser Größenordnung hat noch kein Berufsradfahrer geschafft. „Das wäre cool“, sagt Kristoff, „auch weil es ein Rennen mit so viel Tradition ist“.

Insgesamt 22 Teams stehen in Eschborn am Start der 187,5 Kilometer langen Schleife durch das angrenzende Mittelgebirge. Darunter allein zwölf Teams aus der höchsten Kategorie. „Wir hatten 35 Bewerbungen“, berichtet Claude Rach vom Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO), der auch die Tour de France verantwortet. „Das spricht für die Wertigkeit dieses Rennens.“

Ein deutsches Dreigestirn

Es ist aber nicht alleine Degenkolb, der die deutschen Farben hochhält. Nils Politt (Team Katusha-Alpecin) unterstrich seine Ambitionen mit Platz zwei bei Paris-Roubaix, Pascal Ackermann führt das deutsche Team Bora-Hansgrohe an, zu dem auch Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann zählen. „Degenkolb, Politt und Ackermann - das ist das deutsche Dreigestirn, das Kristoff Feuer machen wird“, sagt der Luxemburger Rach.

Der selektive Kurs „ist ein echtes Brett“, sagt Degenkolb. Gut möglich, dass es auf der Zielgeraden auf Höhe der Alten Oper diesmal nicht zu einem Sprint kommt. Ausreißer hätten auf der verkürzten Strecke durchaus die Chance, durchzukommen, sagt Rach. Deshalb spricht Degenkolb auch von einem „sehr ausgeglichenen und fairen Rennen – es kann alles passieren.“ Genau wie am Donnerstag im Frankfurter Stadtwald, Degenkolb ist sich allerdings sicher: „Die Eintracht packt das.“

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