+
Wurfgewaltig: Julius Kühn.  

Handball-EM

„Jeder schwächelt mal“

  • schließen

Der deutsche Handballer Julius Kühn von der MT Melsungen über seinen starken Auftritt gegen Lettland und die Aussichten bei der EM.

Julius Kühn (26) steht seit 2017 beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen unter Vertrag. 2016 war er am EM-Triumph in Polen beteiligt. Die Heim-WM 2019 verpasste der Rückraumschütze wegen eines Kreuzbandrisses. Kühn studiert nebenbei an der Fern-Uni Hagen. 

Vor Beginn der Handball-EM gehörte er bereits zu den Hoffnungsträgern in der deutschen Nationalmannschaft. Nach seiner starken Leistung im letzten Vorrundenspiel gegen Lettland könnte sich der wurfgewaltige Rückraumschütze sogar zu einem Heilsbringer für die DHB-Auswahl entwickeln. Mit 14 Treffern rangiert der 26-Jährige bereits im Vorderfeld der EM-Torschützenliste. Beachtlich ist vor allem seine Wurfquote: 88 Prozent – ein Weltklassewert.

Herr Kühn, Frankfurt, Wien, Trondheim und nun wieder Wien – welche Signale sendet der Körper nach den vielen Reisekilometern?

Noch geht’s mir gut. Da wir auch von Trondheim nach Wien mit einer Chartermaschine geflogen sind, war das Reisen recht komfortabel. Ich hatte auf dem Flug am Dienstag auch noch das Glück, dass ich in der Nähe eines Notausgangs saß. So hatte ich eine ganze Reihe für mich allein – und viel Beinfreiheit.

Mit wie viel Selbstvertrauen sind Sie ins Flugzeug Richtung Österreich gestiegen?

Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir das Spiel gegen Lettland sehr gut getan hat.

Acht Tore geworfen, vier vorbereitet – und das bei nur 25 Minuten Spielzeit. Wie waren die Reaktionen im Team?

Die Jungs haben das natürlich honoriert. Aber es war auch nur ein Spiel. Die Leistung muss ich erst wieder bestätigen. Bei uns steht allerdings das Team eindeutig im Vordergrund. Diesmal lief es bei mir gut, beim nächsten Mal kann es auch jeder andere in unserer Mannschaft sein.

Dennoch muss man ja mal ganz klar feststellen: Sie machen einen sehr konzentrierten Eindruck. Inwieweit hat Ihnen die lange Verletzungspause im vergangenen Jahr geholfen, jetzt immer den Blick für das Wesentliche zu behalten?

Ich achte seit dem Kreuzbandriss sehr auf meinen Körper. Dadurch beschäftige ich mich weniger mit anderen Dingen. Es fällt mir somit leichter, mal abzuschalten und den Kopf freizubekommen.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Spiele in der Hauptrunde?

Damit tue ich mich etwas schwer, weil wir gesehen haben, wie hoch die Leistungsdichte bei dieser EM ist. Auch andere ambitionierte Mannschaften schwächeln mal. Deswegen legen wir den Fokus immer nur auf das nächste Spiel. Gegen die Weißrussen wollen wir zeigen, was wir können. Ich denke, dass uns dieser Gegner mit seiner physischen Präsenz etwas besser liegt als andere Teams.

Erinnern Sie sich noch an Ihr bisher einziges Spiel gegen Weißrussland?

War das bei der Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich?

Ganz genau. Damals gab es einen klaren deutschen 31:25-Sieg, und Sie waren mit fünf Treffern beteiligt.

Wenn mir jetzt jemand diesen Spielausgang anbieten würde, würde ich sofort unterschreiben. Die Weißrussen haben sich aber seitdem verändert. In dieser Mannschaft steckt jetzt viel mehr internationale Erfahrung, einige Spieler sind in der Champions League unterwegs. Das Team besitzt hohe Qualität. Letztlich liegt es aber allein an uns, wie wir aus diesem Spiel herausgehen werden.

Kommen wir zur abschließenden Frage: Waren Sie eigentlich schon mal in der schwedischen Hauptstadt Stockholm?

Nein, dort war ich noch nicht. Wir haben zwar im Hinterkopf, wo das Europameisterschafts-Finale stattfinden wird. Aber wir haben erst einmal genügend Aufgaben in Wien zu erledigen. Und wir freuen uns, dass wir nun in einer anderen Umgebung sein dürfen. Es werden uns in Wien viel mehr deutsche Fans anfeuern. Dazu kommen unsere Familien und Freunde. Meine Eltern, meine Schwester, meine Freundin – alle werden jetzt auf der Tribüne dabei sein. Das kann uns weiter pushen.

Interview: Björn Mahr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion