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Durch einen Schlaganfall geschädigte Gehirnregion. Frühe Erkennung und Behandlung kann diese Folgeschäden minimieren.
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Durch einen Schlaganfall geschädigte Gehirnregion. Frühe Erkennung und Behandlung kann diese Folgeschäden minimieren.

Jede Minute zählt

Telemedizin ermöglicht optimale Schlaganfall-Behandlung auch in ländlichen RegionenNach einem Schlaganfall zählt jede Minute: Je schneller der Patient in ein Krankenhaus eingeliefert wird, desto besser sind seine Aussichten. Die beste Behandlung bietet meist eine Klinik mit so genannter "stroke unit".

München (ap.) Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute: Je schneller der Patient in ein Krankenhaus eingeliefert wird, desto besser sind seine Aussichten. Die beste Behandlung bietet meist eine Klinik mit so genannter "stroke unit". Auf dem Land gibt es aber nur wenige solcher Schlaganfallzentren. In Bayern beschreiten zwölf Regionalkliniken im Rahmen des Projekts "TEMPiS" neue Wege: Sie arbeiten mittels Telemedizin eng mit größeren Schlaganfallzentren zusammen. So können auch Patienten in der Provinz optimal behandelt werden.

Das "Telemedizinische Pilotprojekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern" wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen. Getragen wird es von bayerischen Krankenkassen, dem bayerischen Sozialministerium, der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und den beteiligten Kliniken. Sie finanzieren TEMPiS mit rund drei Millionen Euro jährlich. Nach Angaben des Koordinators Heinrich Audebert ist das Projekt in seiner Größenordnung weltweit einzigartig. "Es wird auch international als Modellprojekt angesehen", sagt er.

Dabei kooperieren regionale Krankenhäuser in Süd-Ost-Bayern mit den "stroke units" am Klinikum München-Harlaching und der Universitätsklinik Regensburg. Unter Anleitung der Münchner Experten haben die Einrichtungen in der Region eigene Schlaganfalleinheiten gebildet, wie der Neurologe Audebert erklärt.

Wird in einer der Kooperationskliniken ein Schlaganfall-Patient eingeliefert, schalten sich die Ärzte vor Ort mit den Kollegen von der "stroke unit" kurz: Diese können per Datenleitung alle Untersuchungsergebnisse abrufen und den Patienten selbst im Rahmen einer Videokonferenz befragen.

Unter Umständen geben die Experten in den Zentren dann den Startschuss für eine Thrombolyse, wie Audebert berichtet. Dabei wird der Verschluss einer Hirnarterie, der oft Ursache eines Schlaganfalls ist, mit Medikamenten aufgelöst. Bei manchen Patienten hat diese Behandlung erstaunliche Erfolge: So kommt es vor, dass z.B. halbseitige Lähmungen komplett verschwinden. "Etwa 20 Prozent der Patienten kommen für die Lyse in Frage", sagt Audebert. So dürfen die Betroffenen weder eine Hirnblutung erlitten haben, noch eine erhöhte Blutungsneigung zeigen. Außerdem darf der Schlaganfall nicht länger als drei Stunden zurückliegen.

Die Thrombolyse hat nämlich auch Risiken: In manchen Fällen kommt es zu einer Blutung im Gehirn. "In Krankenhäusern, die weniger Lysen durchführen, treten solche Blutungen häufiger auf", erklärt Audebert. Zum einen würden die Patienten dort gelegentlich falsch ausgesucht. Zum anderen sei die Nachbehandlung manchmal nicht optimal.

Doch die an das TEMPiS-Projekt angeschlossenen Regionalkliniken führen inzwischen routiniert Lysen durch, wie der Neurologe berichtet. Die Behandlung dort habe sich seit Projektbeginn vor rund drei Jahren erheblich verbessert. Dies habe nun auch eine Studie bestätigt, bei der fünf TEMPiS-Kliniken mit fünf gewöhnlichen Krankenhäusern verglichen wurden. Dazu wurden die Daten von über 3.000 Patienten untersucht, die drei Monate zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten. In den TEMPiS-Kliniken hatten "signifikant weniger Patienten ein schlechtes Behandlungsergebnis", wie Audebert erklärt. Das Projekt sei daher "ein Meilenstein" in der Behandlung von Schlaganfall-Patienten.

Das bestätigt Stephan Clarmann, Oberarzt am angeschlossenen Kreiskrankenhaus Mühldorf. Denn die Zentren geben nicht nur die Erlaubnis für die Lyse, sondern überwachen die gesamte Versorgung rund um die Schlaganfall-Therapie. Dazu gehören vor allem auch Rehabilitationsmaßnahmen.

In Mühldorf werde schon vom ersten Tag an Sprechen und Schlucken geübt sowie Ergotherapie und Krankengymnastik gemacht, sagt Clarmann. "Das ist für die Patienten ein Segen." Denn vom frühen Üben profitierten sie enorm. "Was man in den ersten zwei Wochen versäumt, kann man nachher in der Reha nicht mehr aufholen." Außerdem ist es für Patienten in der Region oft eine große Erleichterung, dass sie dank des Projektes nicht in eine andere Klinik verlegt werden müssen, wie Clarmann erklärt. "Gerade bei Schlaganfällen ist die Familie extrem wichtig", sagt er.

Zwtl: Aufklärung der Bevölkerung Audebert sagt, es sei offen, ob andere Bundesländer das Projekt in ähnlicher Form übernähmen. In Bayern zumindest gebe es jetzt nur noch im Allgäu und in Teilen Frankens größere "schwarze Flecken" bei der Versorgung von Schlaganfall-Patienten. Die Verbesserung der Therapie vor Ort sieht Audebert aber nur als eine von mehreren Aufgaben der Zukunft an. Wichtig sei vor allem die Aufklärung der Bevölkerung: Viele erkennen einen Schlaganfall nicht und reagieren daher zu langsam. Auch die Rettungskräfte seien manchmal nicht genug auf diesen Notfall geeicht, meint der Neurologe.

Bei einem Schlaganfall, wie ihn in Deutschland etwa 250.000 Menschen pro Jahr erleiden, treten oft Lähmungen an Arm, Bein oder Gesicht auf. Häufig leiden die Betroffenen auch an Sehstörungen: Sie klagen über Doppelsichtigkeit oder das Fehlen eines Gesichtsfelds. Außerdem kann es zu Schwindelgefühlen, Sprachstörungen, Kopfschmerzen, Taubheit oder Übelkeit kommen. Bei Verdacht sollte man sofort einen Notarzt rufen. Wichtigster Risikofaktor für einen Schlaganfall ist hoher Blutdruck.

An TEMPiS beteiligt sind Krankenhäuser in Bad Tölz, Burglengenfeld, Cham, Dachau, Ebersberg, Eggenfelden, Freising, Kelheim, Mühldorf, München-Pasing, Rosenheim und Straubing.

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