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Stellte 2016 die Fabelzeit von 7:35:39 Stunden in Roth auf: Jan Frodeno.

Ironman

Jan Frodeno: Roth statt Frankfurt

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Ironman-Weltmeister Jan Frodeno startet beim Challenge-Höhepunkt in Roth und verzichtet auf eine Teilnahme in Frankfurt. Ob Lokalmatador Patrick Lange zur Ironman-EM kommt ist noch offen.

Die Instagram-Sequenz dauert gerade einmal eine halbe Minute. Jan Frodeno hat das Filmchen am Rande des Schwimmbeckens in seiner Heimat Girona selbst erstellt, in dem der tropfnasse Hawaii-Sieger am Donnerstag erklärt, er wolle für 2020 seinen Start in der Triathlon-Hochburg Roth verkünden. „Wir werden dort ein tolles Feld am Start haben. Ich finde es einfach spannend, mich mit den Besten der Welt zu messen.“ Der 38-Jährige lobt ein „einzigartiges Rennen.“ Für die Veranstalter der Challenge-Serie ist das ein Glücksfall, den mit Abstand bekanntesten deutschen Triathleten am 5. Juli in die fränkische Triathlon-Traumfabrik gelockt zu haben.

Roth-Veranstalter Felix Walchshöfer spricht vom „schönsten Weihnachtsgeschenk“ – und davon, noch „einige Überraschungen“ für sein alljährlich von Hunderttausenden in der Region zelebriertes Event in petto zu haben, das gerade erst bei der Triathlon-Night im hessischen Langen in Frodenos Beisein mal wieder zur beliebtesten Langdistanz-Veranstaltung gekürt wurde.

Dort schaffte es Frodeno 2016, die Bestmarke für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen auf 7:35:39 Stunden zu drücken. Diese Fabelzeit zu unterbieten, obwohl offizielle Rekorde wegen der schweren Vergleichbarkeit im Triathlon gar nicht geführt werden, reizt den versessenen Perfektionisten.

Ein stattliches Antrittsgeld dürfte ihm die „Herausforderung“ (Frodeno) schmackhaft gemacht haben. Damit ist aber auch klar: Der Ironman-Weltmeister verzichtet auf den zweitwichtigsten Ironman der Welt: Der Ironman Frankfurt, der unter dem Dach der globalen Ironman-Serie immerhin noch als Europameisterschaft firmiert, wird es am 28. Juni nicht schaffen, wie im Vorjahr mit Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange alle noch aktiven deutschen Hawaii-Heroen zu verpflichten – 2019 wurde mit dem Slogan „Stand up for the champions“ geworben.

„Der Ironman hat nichts falsch gemacht“, sagt Frodeno-Manager Felix Rüdiger im FR-Gespräch, der von einer individuellen Entscheidung seines Athleten spricht. Gleichwohl hat der charismatische Frodeno, just bei der Wahl zum Sportler des Jahres nur knapp dem Zehnkämpfer Niklas Kaul unterlegen, aufgrund der Ironman-Regularien die Verpflichtung, vor seinem nächsten Hawaii-Start einen kompletten Ironman zu absolvieren. Welcher im Frühjahr das sein werde, sei noch nicht entschieden, sagt Rüdiger.

Hinter den Kulissen tobt seit Wochen das Tauziehen um die Topstars. Nach FR-Informationen stehen die Chancen gut, Anne Haug, die erste deutsche Hawaii-Siegerin nach Frankfurt zu holen. Bereits im Vorjahr war die Verpflichtung der 36-Jährigen perfekt, doch dann kam eine Verletzung dazwischen. „Es kann sein, dass wir den Fokus mehr auf die Frauen legen“, erklärte Oliver Schiek, der für Europa zuständige Ironman-Manager am Donnerstag der FR. Frodenos Entschluss sei ein „normaler Vorgang, wir haben natürlich nach der Starbesetzung im Vorjahr gewusst, dass uns das 2020 auf die Füße fallen kann“.

Gleichwohl verspricht er: „Frankfurt wird keine Zweitbesetzung erleben.“ Der für Europa zuständige Ironman-Macher verweist auf das Prozedere: die Zusammenstellung der weltweiten Profifelder gestaltet Paula Newby-Frazier aus den USA, wo auch die Budgetentscheidungen fallen. Klarheit fürs Frankfurter Starterfeld gibt es im Januar. Für die Reputation des größten deutschen Ironman-Rennens wäre es wichtig, dass entweder der Hawaii-Dritte Kienle oder aber der nach seinem Infekt auf dem Rad zum Aufgeben gezwungene Lange sich nächsten Sommer zum Startschuss an den Langener Waldsee begeben.

Der 33 Jahre alte Hesse hat allerdings in Frankfurt so oft Pech gehabt, dass Rüdiger persönlich glaubt, dass der für DSW Darmstadt startende Lange gar keine Lust verspürt, „sich als Lokalmatador wieder diesem Druck auszusetzen“. Langes Manager Jan Sibbersen teilte auf FR-Anfrage mit: „Bei uns ist noch nichts entschieden, aber Roth wird’s nicht werden, das steht fest.“

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