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Das neue Superduo der Los Angeles Lakers: LeBron James (l.) und Anthony Davis.

NBA

Das Jahr eins nach Nowitzki

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Zum ersten Mal nach 21 Spielzeiten startet die NBA ohne Dirk Nowitzki. Der Titelkampf verspricht nach einem nie da gewesenen Personalkarussell sehr viel Spannung.

Für Dirk Nowitzki wird es ein „bizarres Gefühl“ sein, wenn heute Nacht die NBA wieder losgeht und er auf der Couch daheim Platz nehmen wird. 21 Jahre lang war er Teil der besten Basketballliga der Welt, 21 Jahre lang hat er die Dallas Mavericks geprägt, ist 2011 Meister geworden, ist sechstbester Punktesammler der Geschichte, ehe er im April seine großartige Karriere beendete. „Ich hoffe, dass ich mir nicht alle Spiele anschauen werde“, sagte der 41-Jährige kürzlich in Frankfurt. „Aber wahrscheinlich werde ich mehr sehen, als ich plane.“

Schließlich hat sein Klub, die Dallas Mavericks, eine junge, spannende und talentierte Mannschaft, die es unter die ersten acht Teams der Western Conference schaffen will. Wie kein anderes NBA-Team setzen die Mavericks auf Europäer. Der Slowene Luka Doncic (20), der Lette Kristaps Porzingnis (24) und der Würzburger Maximilian Kleber (27) sind als Leistungsträger eingeplant. Allerdings sind die Texaner Außenseiter auf einen Playoff-Platz – genauso wie Meister Toronto Raptors, der am Mittwoch (2.30 Uhr/MESZ) gegen die New Orleans Pelicans die 74. Spielzeit eröffnet, Außenseiter auf den Titelgewinn ist.

Nach dem wilden Personalkarussell im Sommer haben sich die Kräfteverhältnisse in der Liga gewaltig verschoben. Die sonst als klarer Titelfavorit gehandelten Golden State Warriors um Superstar Stephen Curry (31) müssen nicht nur die Rückkehr von Allstar Klay Thompson (29/ Achillessehnenriss) abwarten, sondern auch den Abgang von Kevin Durant (31) verkraften, der sich, wie Kyrie Irving (27/ von den Boston Celtics), den Brooklyn Nets anschloss. Damit ist das Team aus dem Bundesstaat New York neben dem letztjährigen Conference-Finalisten aus dem Osten, den Milwaukee Bucks, ein Titelkandidat. Die Toronto Raptors sind ohne den wertvollsten Spieler der Finalserie, Kawhi Leonard (28), der zu den Los Angeles Clippers gewechselt ist, im Osten hinter Milwaukee, Brooklyn und Philadelphia nur noch die Nummer vier.

In der Western Conference wird es noch enger zur Sache gehen. Vor allem die Klubs aus Los Angeles haben aufgerüstet. „LeBron James und Anthony Davis bei den Lakers sind stark, auch die Clippers sind super besetzt. Sonst ist alles weit offen“, glaubt Nowitzki. Beim Wechsel von Davis (26) von den New Orleans Pelicans, waren drei Teams und 18 Spieler beteiligt. Darunter auch die beiden Deutschen Moritz Wagner (22) und Isaac Bonga (19), die an die Washington Wizards abgegeben wurden, um Raum unterhalb der Gehaltsobergrenze der Lakers zu schaffen. Der 16-fache NBA-Champion hofft an glorreiche Zeiten aus der Ära Kobe Bryant und Shaquille O’Neal anzuknüpfen. Die Clippers hoffen mit Paul George (29/Oklahoma City Thunder) genau den richtigen Mann neben Leonard geholt zu haben. Auf ein ähnliches, wenn nicht noch besseres Duo Infernale hoffen die Houston Rockets, die Russell Westbrook (30) von den Thunder loseisen und Superstar James Harden (30) zur Seite stellen konnten.

Statt über die sportlichen Chancen der Klubs zu sprechen, überschattet jedoch der Streit mit China den NBA-Saisonstart. Ausgelöst von einem Tweet des Houston-Rockets-Manager Daryl Morey, der sich mit den Demonstranten in Hongkong solidarisierte, setzte der chinesische Staatssender die Übertragung der Vorbereitungsspiele aus. NBA-Commissioner Adam Silver versucht seitdem, die Wogen im größten Markt außerhalb der USA zu glätten. Bislang noch ohne Erfolg. Die Chinesen forderten sogar die Entlassung von Morey. Auch wenn sich die NBA auf peinliche Art und Weise für die Meinungsäußerung vom Rockets-Manager entschuldigt hat, soweit ging die Liga dann doch nicht. Laut dem Magazin Forbes geht es um 500 Millionen US-Dollar.

Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet auch LeBron James. „Es gibt negative Folgen, die passieren können, wenn man nicht an andere denkt, wenn man nur an sich denkt. Deswegen muss man vorsichtig sein mit dem, was wir twittern, sagen und tun“, schrieb der 34-Jährige auf Twitter. Daraufhin verbrannten Demonstranten in Hongkong Trikots von James. Gerade vom besten Basketballspieler der Welt, der sich offen gegen US-Präsident Donald Trump und Rassismus engagiert, war man in Hongkong enttäuscht. Der Australier Andrew Bogut von den Golden State Warriors twitterte vielsagend: „Jeder ist für eine Sache, bis ihn diese Sache $$$$$ kostet......“

Um solche Themen müssen sich die deutschen NBA-Spieler nicht kümmern. Sie haben längst nicht den Status, um zu solchen Themen überhaupt gefragt zu werden. Dennis Schröder, als mit Abstand bester deutscher Spieler, wird bei den Oklahoma City Thunder neben Neuzugang Chris Paul (Houston Rockets) sicher wieder eine größere Rolle einnehmen als vergangene Saison. Sein Kumpel aus Braunschweiger Zeiten, Daniel Theis, wird wie in den vergangenen Jahren, um eine gute Rolle bei den Boston Celtics kämpfen müssen. Das gleiche gilt für Isaiah Hartenstein bei den Houston Rockets, der auf die WM verzichtete, um sich auf die NBA-Vorbereitung zu konzentrieren.

Besonders spannend wird die Saison für Wagner und Bonga in Washington. Der Berliner Wagner deutete in der Vorbereitung sein Potenzial an. Für den gebürtigen Koblenzer und ehemaligen Profi der Frankfurt Skyliners Bonga wird es darum gehen, so viele Minuten wie möglich in seinem zweiten NBA-Jahr zu spielen, nachdem er in der vergangenen Saison nur selten zum Einsatz gekommen war. Gegen die Philadelphia 76ers stand er im letzten Vorbereitungsspiel beim 112:93 sogar in der Starting Five und spielte 17 Minuten.

Dirk Nowitzki wird es mit Spannung beobachten. Mal auf der Couch und ab zu sicher auch in seinem zweiten Wohnzimmer, der Arena in Dallas.

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