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Kommentar

Der Irrtum

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Die Weisheit wird für Schiedsrichter immer gelten: Irren ist menschlich. Und jeder muss glauben, dass Robert Kempter nicht absichtlich falsch entschieden hat, als der im baden-württembergischen Krumbach aufgewachsene und in Saulgau beheimatete Schiedsrichter den Skandal des vierten Spieltags produzierte. Ein Kommentar.

Die Weisheit wird für Schiedsrichter immer gelten: Irren ist menschlich. Und jeder muss glauben, dass Robert Kempter nicht absichtlich falsch entschieden hat, als der im baden-württembergischen Krumbach aufgewachsene und in Saulgau beheimatete Schiedsrichter den Skandal des vierten Spieltags produzierte.

Dass der gelernte Werkzeugmacher als Schiedsrichterassistent des bayerischen Derbys zwischen dem FC Bayern und dem FC Augsburg schnurstracks mit der Fahne zur Linie deutete und damit seinem Chef Knut Kircher einen verhängnisvollen Elfmeterpfiff anzeigte, war fatal. Weil doch im Grunde jeder sehen konnte, dass der Münchner Neuzugang Douglas Costa kurz vor Schluss gegen den Ex-Münchner Markus Feulner nur ein Ziel verfolgte: in den Mann laufen, abheben und auf einen Strafstoß hoffen. Eigentlich ein plumper, weil fast schon verzweifelter Täuschungsversuch. Dass der erst 26-Jährige darauf hereinfiel und auch der 16 Jahre ältere Kircher die Meinung des Helfers zu seiner eigenen machte, ist schlimm. Die Schimpfkanonaden des FCA sind nur allzu verständlich: Ein Punktgewinn wäre für die fehlgestarteten Augsburger wichtig für die Moral gewesen, jetzt, da die Zusatzschichten in der Europa League erst beginnen.

Er wisse nicht, was der Linienrichter da im Kopf gehabt habe, wetterte Augsburgs Kapitän Paul Verhaegh. Gut, dass der erfahrene, bis 2012 als Fifa-Referee fungierende Kircher – im Gegensatz zu anderen Kollegen (Deniz Aytekin!) in jüngerer Vergangenheit – den Mumm hatte, den falschen Pfiff nach Sicht der Fernsehbilder einzugestehen. Normales Auflaufen sei das gewesen, sorry, sagte Kircher noch, es tue ihm leid. Und Kempter nahm er natürlich auch in Schutz, der ihm angeblich in hundert anderen Situationen den Hintern gerettet habe.

Kirchers Selbstkritik hilft dem FC Augsburg erst einmal herzlich wenig, ist aber ein gutes Signal. Gleichwohl darf es dabei nicht bleiben: Wer als Profi in der Bundesliga hanebüchene Fehler wie diese begeht, muss immer damit rechnen, von seinem Trainer auf die Bank verbannt zu werden. Das Leistungsprinzip sollte bedingungslos auch für die unter dem DFB-Dach zunehmend professionalisierte Schiedsrichtergilde gelten, die mittlerweile für ihren Einsatz im deutschen Profifußball so entlohnt wird, dass mehr als ein netter Nebenverdienst abfällt.

Robert Kempter, jüngerer Bruder des über die Affäre mit dem einstigen Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell gestürzten Michael Kempter, sollte mindestens einmal aussetzen und nicht aus Trotz von Schiedsrichterboss Herbert Fandel gleich in den nächsten Einsatz geschickt werden. Strafe muss sein. Gerade auch für Schiedsrichter.

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