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Irritationen vor dem Saisonfinale

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Von: Andreas Morbach

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Arbeit, Arbeit, Arbeit: Auf Schalke geben alle Gas, um endlich, endlich Meister zu werden.
Arbeit, Arbeit, Arbeit: Auf Schalke geben alle Gas, um endlich, endlich Meister zu werden. © Getty

Felix Magath, der Trainer-Manager-Vorstand, hat dieser Tage viel zu tun: Christoph Metzelder und Erik Jendrisek müssen integriert werden. Und für den absprungbereiten Kevin Kuranyi wird Ersatz gesichtet.

Es geht dem Ende entgegen, und das merkt man. Es ist vormittags um elf, vor der Schalker Geschäftsstelle wird trainiert - mit jeder Menge Unter-Übungsleitern, aber ohne Chef. Denn hinter dem Rücken der Trainings-Kiebitze eilt Felix Magath gerade davon - im braunen Anzug.

Schon einige Male in dieser Saison musste der Trainer-Manager-Vorstand der Gelsenkirchener den Hauptjob auf dem Rasen seinem Assistenten-Stab überlassen, weil es irgendwo wieder etwas zu regeln gab. Und jetzt, da Schalke seit fünf Tagen als Fix-Starter in der Champions League feststeht, gibt es für Multitasker Magath bei der Planung der nächsten Runde besonders viel zu tun.

Christoph Metzelder als Spezialist fürs Abwehrzentrum sowie den slowakischen WM-Stürmer Erik Jendrisek von Aufsteiger Kaiserslautern hat er bereits an Land gezogen. Nun rast Magath schon wieder weiter, dem vernehmen nach sucht er in Mainz Ersatz für Kevin Kuranyi, der mit Dynamo Moskau verhandelt.

Bancé für Kuranyi?

Dafür ist 05-Stürmer Aristide Bancé zum Verdruss der Mainzer Verantwortlichen (Manager Christian Heidel: "Wir fragen uns, ob die ein bisschen Unruhe wollen. Uns passt das nicht") in Magaths Visier geraten.

Genau gegenüber, auf der anderen Seite des Trainingsplatzes, wird die ohnehin kaum spürbare Euphorie auch von offizieller Seite eingebremst - und das Bremspedal betätigt: Marcelo Bordon. Der Brasilianer, jahrelang das kickende Kernstück des FC Schalke, ist mit der Verpflichtung von Metzelder sehr nachdenklich geworden. Bordon fragt sich, welche Rolle der Trainer ihm, dem 34-Jährigen mit Vertrag bis 2011, für die kommende Spielzeit zugedacht hat.

Den Edel-Ersatzmann für die Innenverteidigung, neben Metzelder und dem jungen Benedikt Höwedes, wird er kaum geben wollen. "Gott hat mir in dieser Saison noch einmal richtig viel Kraft gegeben", sagt Bordon - und findet, das sei doch ein schöner Moment, um nach sechs Jahren Adieu zu sagen.

Vizemeister sind sie auf jeden Fall schon, Meister können sie wieder mal werden. Aber auch Bordon weiß: "Durch so ein Spiel wie in Lyon kriegst du noch mehr Selbstvertrauen, das wird schwer für Bochum in München." Was jedoch nichts macht: Das anspruchsvolle Duell mit Bremen am Samstag warten die emotional so oft gebeutelten Gelsenkirchener jetzt erst einmal in aller Ruhe ab.

Erster Meistertitel seit 52 Jahren möglich

Aber sollte ihnen danach noch immer nur ein Remis - oder notfalls auch eine Niederlage - der Bayern in Berlin zum ersten Meistertitel seit 52 Jahren reichen, werden sie sich auf dem Berger Feld doch wieder nicht einkriegen vor Aufregung.

Die 1800 Karten, die den Schalkern für das letzte Spiel in der kleinen Arena in Mainz zugeteilt wurden, waren in Nullkommanix vergeben. Noch ticketlosen Freunden des Live-Spektakels bleibt nur die Suche über Seitenkanäle. Schalke-Fans sind in diesem Punkt traditionell sehr kreativ, ansonsten ist für das Saisonfinale Public Viewing in der Gelsenkirchener Arena vorgesehen.

Doch egal wie und wo: "Ich will keine heulenden Schalker mehr sehen", bittet Rolf Rojek, Chef des Schalker Fanclub-Verbandes, flehentlich. Und zumindest bis Sonnabend kann der sanft lächelnde Marcelo Bordon den Mann beruhigen. "Es ist alles drin, wir wollen noch mehr. Warum sollen wir uns also mit der Champions League zufriedengeben?", fragt der Christ aus Südamerika vorsichtig, betont aber zugleich:

"Unser Trainer hat ganz richtig gesagt, dass wir uns nicht so viele Gedanken machen sollen. Das haben wir befolgt, und deshalb haben wir jetzt auch keinen Druck."

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