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Laufen, wo andere Urlaub machen: Patrick Lange in Nizza. 

Ironman Hawaii

Ironman Hawaii: Getrübte Aussicht für Patrick Lange

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Patrick Lange aus Darmstadt gefällt sich vor dem Ironman Hawaii in der Rolle des Außenseiters.

Der Schnappschuss auf der Klippe am offenen Meer spricht Bände. Die Wellen des Pazifiks kräuseln sich im Sonnenlicht, Patrick Lange steht auf dem Felsen und wirft einen Blick aufs Wasser. Der Ironman-Weltmeister trägt den schwarzen Neoprenanzug seines Freundes, Sponsors und Managers Jan Sibbersen. Das Besondere: Auf dem Hinterteil prangt sein Autogramm. Triathleten sind ein bisschen Selbstdarsteller, wobei der Titelverteidiger und Rekordhalter – mit 7:52:39 Stunden pulverisierte der gebürtige Hesse als erster Mensch beim Ironman Hawaii die Acht-Stunden-Marke – im Grunde ein bodenständiger Typ ist.

Dass er sich für seine sozialen Plattformen professionelle Hilfe nimmt, war lange geplant. „Wir werden da mehr Energie reinstecken, weil ich meinen Follower mehr Qualität bieten möchte“, kündigte Lange bereits im Frühjahr an. Gesagt, getan: Deutschlands Sportler des Jahres will eine wachsende Fangemeinde angemessen bedienen. Folgten ihm vor seinem ersten Hawaii-Start bei Instagram erst 15.000, sind es jetzt knapp 200.000. 

Patrick Lange: Höhen und Tiefen sind Teil seiner Vita

In seinem aktuellsten Eintrag teilt der Hawaii-Sieger von 2017 und 2018 mit, er sei die letzten Tage in Kona immer wieder gefragt worden, was es bedeute, Teil der Ironman-Familie zu sein. „Das ist eine Frage, bei der ich immer wieder über das Auf und Ab in der Saison nachgedacht habe und zu dem Grund kam, warum ich diesen Sport mache.“ Nur wer auch die Schattenseite des Leistungssports kennt, wer Rückschläge einsteckt, an Grenzen stößt und eigentlich gar nicht weiß, ob eine professionelle Ausübung überhaupt Sinn macht, kann es ganz nach oben schaffen.

Höhen und Tiefen sind Teil seiner Vita. Lange hatte ja eigentlich wieder als Physiotherapeut arbeiten sollen, als die Tür noch einmal aufging. Im Mai 2016 tauchte er in Texas wie Phönix aus der Asche in die Ironman-Szene ein und gewann sofort seine erste Langdistanz.

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Der 33-Jährige hatte auf Hawaii noch kein schlechtes Rennen. Und davor hat vor allem der Topfavorit Jan Frodeno größten Respekt: „Wenn ich Patrick Lange sehe, sehe ich zwei Typen, einen von November bis September und einen Patrick Lange im Oktober“, stellt der 38-Jährige fest.

Dem Veganer Lange scheint der Donnerschlag der Kanone zum Start zu genügen, um Widrigkeiten im Vorlauf abzuschütteln wie lästige Fliegen. Wie ein Entfesselungskünstler kann er über die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen den extremen Bedingungen trotzen.

Patrick Lange: Federleicht im Energy Lab

Im legendären Energy Lab, wo die Triathleten 3,5 Kilometer Richtung Meer und dann wieder zurücklaufen müssen, schienen seine Beine nicht bleischwer, sondern federleicht zu werden. „Das ist das Rennen, an das ich das ganze Jahr denke, das ist das Rennen, das ich gewinnen will“, sagt Lange. Aber er sagt auch: „Ich trete die Favoritenrolle gerne an Jan ab.“

Seine Renntaktik auf Big Island ist simpel: Lange setzt im Grunde allein auf den Marathon. Wenn ihm Frodeno als der komplettere Athlet beim Schwimmen und vor allem auf dem Rad weit distanziert, könnte der Traum vom Hawaii-Hattrick schneller platzen als gedacht. Und was alles passieren kann, hat Lange beim Ironman Frankfurt erfahren. Erst kollabierte ein Reifen, dann rebellierte der Magen. Weit abgeschlagen hinter Strahlemann Frodeno kam der Lokalmatador ins Ziel. „Aus solchen Niederlagen kann man auch viel lernen“, glaubt er.

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Doch es war nicht zu erwarten, dass es auch im persönlichen Umfeld so viel Reibungsverluste geben würde, die gar nicht unbedingt mit dem Umzug nach Salzburg zu tun haben. Seine Frau Julia, die ebenfalls Triathlon betreibt, stürzte bei einer Radausfahrt vor seinen Augen. Der Krankenwagen kam, die Platzwunde im Gesicht musste mit zehn Stichen genäht werden. 

Die Zusammenarbeit mit Faris Al-Sultan wegen dessen Verpflichtungen als Triathlon-Bundestrainer lief nicht optimal und nun konnte sein Coach wegen eines fehlenden Visums gar nicht in die USA einreisen. Was sich Lange jetzt sagt: „Speziell in diesen Bedingungen funktioniert mein Körper so gut wie kein anderer im Startfeld.“ Doch Skepsis bleibt. Auch das vermittelt das Foto an der Klippe.

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