+
An Massenradeln, wie vergangenes Jahr beim Ironman Frankfurt auf der Alten Brücke, ist aktuell nicht zu denken.

Triathlon 

Trotz Corona-Pandemie: Eiertanz um Ironman Frankfurt

  • schließen

Der Triathlon in der Mainmetropole am 28. Juni wird vorerst nicht abgesagt. Die Organisatoren wollen sich mit einer Entscheidung noch bis Ende April Zeit lassen. Es geht im Hintergrund um die fast zwei Millionen Euro an Startgeldern.

  • Weltweit wütet das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2
  • Der Ironman Frankfurt wird dennoch vorerst nicht abgesagt
  • Im Hintergrund geht es um fast zwei Millionen Euro an Startgeldern

Frankfurt - Es sind merkwürdige Zeiten in der Welt des Sports. Großereignis und Großevents sind bereits bis weit in den Sommer abgesagt, von der Fußball-Europameisterschaft bis hin zu den Olympischen Spielen. Eine besondere Ausdauer, alle Realitäten der sich zur globalen Gefahr ausweitenden Pandemie auszublenden, haben am Donnerstag die Ironman-Organisatoren bewiesen. 

Der für die Rennen in Europa, Nahen Osten und Afrika zuständige Direktor Stefan Petschnig drückt sich nämlich weiterhin um eine Absage des Ironman Frankfurt am 28. Juni.

Trotz Corona-Krise: Ironman Frankfurt noch nicht abgesagt

Der Österreicher stellte sich in einer 33-minütigen Schalte schriftlich gestellten Fragen - die erste kam dabei von der „FR“. Gebietet es nicht die Fürsorge, das Event am Main abzusagen? Petschnig: „Wir arbeiten die Rennen der Reihe nach ab. Es sind keine einsamen Entscheidungen, die wir treffen, sondern wir müssen mit der Stadt Frankfurt und dem Hauptsponsor Mainova sprechen.“ 

Warum ist das nicht längst erfolgt? Petschnig vertrat den Standpunkt, für die 3.000 Teilnehmer würde es allemal reichen, wenn sie zwei Monate vorher Bescheid wüssten – damit räumt sich die Ironman-Europameisterschaft ein Zeitfenster bis Ende April ein, was auch wegen der aus ganz Europa anreisenden Teilnehmer bei geschlossenen Grenzen ziemlich absurd anmutet. Die Stadt Frankfurt bezuschusst den Ironman übrigens mit immerhin 320.000 Euro. 

Corona-Pandemie: Triathlon Ironman Frankfurt ein „reiner Durchlauferhitzer für Viren“

Petschig versicherte zwar, durch die Athletenbrille zu schauen, aber eingedenk der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten – Schwimmen kann gerade niemand – wirkten seine Einlassungen fast weltfremd. Dabei sollte der in Mallorca in einem großzügigen Anwesen lebende Macher doch mit den Corona-Gefahren vertraut sein.

Ironman-Begründer Kurt Denk hatte im „FR“-Interview gesagt, das von ihm erschaffene Blut-Schweiß-Tränen-Event mit Schwimmen im Langener Waldsee, Radfahren bis Bad Nauheim und Laufen am Mainufer gehöre als „reiner Durchlauferhitzer für Viren“ abgesagt. Doch mit solchen Entscheidungen tut sich die gerade für geschätzt 500 Millionen Dollar an einen neuen Besitzer in den USA verkaufte Triathlon-Eventmarke schwer, die für dieses Jahr ursprünglich 235 Veranstaltungen geplant hatte. 

Ironman Frankfurt trotz Corona-Krise: „Schlimme Ignoranz“

Petschnig, früher im Presseamt beim österreichischen Bundesheer tätig, verwies darauf, dass für die Sommer-Rennen in Frankfurt, Klagenfurt oder Hamburg neue Termine im September oder Oktober gefunden werden könnten. Im Hintergrund geht es um die hohen Startgelder, die allein in Frankfurt nach „FR“-Informationen die üppige Summe von 1,9 Millionen Euro einbringen.

Anders als bei der Challenge-Konkurrenz, die das Kultrennen in Roth längst abgesagt hat, sind beim Ironman offenbar keine Rückzahlungen vorgesehen. Die angemeldeten Eisenmänner sollen zum neuen Termin, im nächsten Jahr oder bei drei angebotenen Ersatzveranstaltungen antreten. Andere Ansprüche müssten „individuell geregelt werden“ (Petschig). Denk wertete am Donnerstag die neuen Äußerungen als Zeichen von „schlimmer Ignoranz“: Für ihn seien das unter dem Strich „beschämende Aussagen“. 

Mitten in der Corona-Krise will Jan Frodeno den Ironman daheim absolvieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare