+
Gibt bei den Frankfurt Skyliners die Richtung vor: Akeem Vargas. 

Frankfurt Skyliners

Irgendwann Klubboss

  • schließen

Basketballprofi Akeem Vargas spielt die größte Rolle seiner Karriere und hat auch schon die Zeit danach im Kopf.

An Selbstvertrauen hat es Akeem Vargas noch nie gemangelt. Menschen, die ihn nicht kennen, würden ihn deshalb als arrogant bezeichnen. Auch für seine aufreizende Art und Weise zu spielen. Aber damit kann der Profi der Frankfurt Skyliners leben. Bestätigung von anderen hat er nie gesucht und kleine Nickligkeiten, wie dem Gegenspieler zu erzählen, dass er gerade drei Mal in Folge nicht getroffen hat, gehören einfach zum Spiel des 29-Jährigen.

Die Bestätigung für das, was er seiner Meinung nach „sehr, sehr gut“ kann, nämlich Basketballspielen, bekommt der Shooting Guard derzeit durch sehr viele Minuten auf dem Parkett – so viele, wie noch nie in seiner Karriere. 31:21 Minuten sind es durchschnittlich pro Partie, kein deutscher Spieler in der Basketball-Bundesliga spielt mehr. „Ich habe ein großes Ausrufzeichen hinter meinem Namen gesetzt“, bilanziert Vargas nach den ersten fünf Bundesligaspielen. Er habe in seiner Karriere immer die Rollen angenommen, die für ihn vorgesehen war. Ob das als junger Spieler in Tübingen und Göttingen war, als Rollenspieler in Berlin oder jetzt als Leistungsträger bei den Skyliners.

Durch den Ausfall vom etatmäßigen Spielmacher Anthony Hickey hatten sich die Rollen im Team neu verteilt. Vargas habe seine „Chance gut genutzt“, sagt Cheftrainer Sebastian Gleim, der am Samstag gegen Bayreuth (18 Uhr) in der Ballsporthalle wieder auf Hickey zurückgreifen kann. „Er hat am Donnerstag das erste Mal mit dem Team trainiert und einen ordentlichen Eindruck gemacht“, betonte Gleim. Wie viele Minuten Hickey spielen kann und wie viele Vargas dann eventuell weniger spielt, „entscheiden die Jungs auf dem Feld selber“, sagt Gleim. Durch Leistung.

Dass Vargas Verantwortung übernommen und die Lücke in der Offensive kompensiert habe, rechne er ihm hoch an. Der 1,92-Meter-Mann kommt im Schnitt auf 9,2 Punkte, 4,0 Rebounds, 1,6 Assists und 1,4 Steals. Die Art und Weise, wie Vargas spiele, gefalle ihm und passe sehr gut zu der, die er von seinem Team sehen wolle: defensivstarken, schnellen und teamorientierten Basketball. „Er ist jemand, der mit seiner Verteidigung das Team vorantreibt, sehr gut trainiert, lautstark, aber sehr sachlich ist“, beschreibt Gleim.

Genau dafür hatten die Skyliners den 43-fachen Nationalspieler im Sommer vor einem Jahr aus Berlin geholt, wo er in fünf Jahren zweimal Pokalsieger mit Alba wurde. Die Saison 2018/2019 lief aber nicht nur für die Hessen schlecht, sondern auch für Vargas nicht besonders gut. Gleich vier Muskelfaserrisse zwangen ihn zu wochenlangen Pausen, die ersten Verletzungen überhaupt in seiner Karriere. Im Blutbild wurde später ein Vitamin-D-Mangel festgestellt. Seitdem ist der Sohn eines US-Amerikaners mit puerto-ricanischen Wurzeln und einer deutschen Mutter muskulär beschwerdefrei. Aktuell laboriert er nur an einer Blockade im Sprunggelenk, die aber mit Physiotherapie in den Griff zu kriegen ist.

Er fühlt sich in der diesjährigen Skyliners-Mannschaft jedenfalls pudelwohl. „Es ist deutlich intensiver als letztes Jahr. Jeder tritt auf das Gaspedal“, sagt Vargas. Er hatte schon vor dem ersten Saisonspiel gesagt, dass die Gegner es wieder hassen müssen, gegen Frankfurt zu spielen. Auch wenn die ersten vier Pflichtspiele verloren gegangen sind, „haben wir vieles richtig gemacht, uns gegen Hamburg und Ulm belohnt“, sagt Vargas. Am heutigen Samstag in der Ballsporthalle gegen Bayreuth und kommende Woche am Freitag gegen den Mitteldeutschen BC „kommen Gegner, gegen die wir unsere Siegesserie ausbauen können“.

Klare Worte vom Mann, der selbst „am liebsten“ irgendwann mal einen Klub leiten möchte. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hat Vargas seinen Bachelor in Sport- und Eventmanagement abgeschlossen. Seit einigen Monaten nimmt er privat Spanischstunden. Demnächst will er bei Trikotsponsor Wisag ein Praktikum in der Unternehmensberatung machen und auch etwas über Unternehmensführung lernen. Ein gesundes Selbstvertrauen ist in einer solchen Position genauso hilfreich wie auf dem Basketballparkett.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion