Olympische Spiele

IOC will politische Debatten nicht mehr generell verbieten

Eine Athletenkommission mit Sportlern aus aller Welt soll über Neuerungen diskutieren. Plitischer Protest könnte bei den Olympischen Spielen möglich werden.

Politischer Protest könnte bei den Olympischen Spielen möglich werden, wenn es denn um die Ideale der Olympischen Charta geht. IOC-Präsident Thomas Bach hat auf den zunehmenden Druck der Athleten vor allem aus den USA reagiert und will politische Botschaften nicht mehr generell verbieten.

Wie Bach erklärte, soll die Athletenkommission mit Sportlern aus aller Welt über Neuerungen diskutieren. „Die IOC-Exekutive unterstützt die Bemühungen der Athleten, herauszufinden, wie olympische Sportler ihre Unterstützung für die Prinzipien der Olympischen Charta auf würdige Weise ausdrücken können“, sagte Bach in Lausanne, betonte aber auch, dass sich der Protest nur auf Inhalte und Werte beziehen dürfe, die bereits in der Olympischen Charta verankert seien. Das könnte zum Beispiel die Ablehnung jeglicher Form von Diskriminierung oder Rassismus sein. Bach bezeichnete diese Haltung „als DNA des IOC“.

„Inakzeptabler Schmerz“

So oder so, Bachs Wandlung kommt überraschend. Bislang wurden bei Olympischen Spielen jegliche Formen einer politischen Botschaft scharf sanktioniert. In der Regel 50 der Charta ist festgelegt, dass „politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda“ bei den Spielen nicht gestattet sind.

Als berühmtes Beispiel harter Sanktionen gilt der Auftritt der 200-Meter-Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei Olympia 1968 in Mexiko. Aus Solidarität mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hoben die Athleten bei der Siegerehrung die Faust und wurden im Anschluss auf Geheiß des IOC aus dem US-Team ausgeschlossen.

Bachs Kurswechsel ist dadurch zu erklären, dass der Druck vor allem aus den USA zu groß wurde. Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und den folgenden Protestaktionen gegen Rassismus und Polizeigewalt hatten die US-Athleten gefordert, ihre Haltung auch bei Olympia dokumentieren zu dürfen. Das Nationale Olympische Komitee USOPC reagierte und kündigte an, die herrschenden Regeln zu hinterfragen. „Heute gründe ich eine von Athleten geleitete Gruppe, um die Regeln und Systeme unserer eigenen Organisation infrage zu stellen, einschließlich ihres Rechts auf Protest“, schrieb USOPC-Generaldirektorin Sarah Hirshland in einem Brief an die Athleten. „Der Schmerz“, den die schwarze Gemeinschaft in den letzten Wochen empfinden musste, sei „inakzeptabel“, sagte Hirshland. (sid)

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