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Urgewalt im Wurfring: Lokalmatador Robert Harting
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Urgewalt im Wurfring: Lokalmatador Robert Harting

Leichtathletik-Meeting Istaf

Internationales Stadionfest Berlin: Der tönerne Riese

Das Berliner Internationale Stadionfest (Istaf) steht immer mit einem Bein im Grab. 2002 hatten die damaligen Istaf-Veranstalter Insolvenz anmelden müssen, 2009 stand es nach dem Absprung des Hauptsponsors vor dem Aus. Erst im Mai wurde verkündet, dass die diesjährige Leichtathletik-Veranstaltung wie geplant am 2. September stattfinden werde.

Von Wolfgang Hettfleisch

Die vorläufige Rettung des Internationalen Stadionfests Berlin (Istaf) war Anfang Mai in einem schummrigen Saal mit Bühne verkündet worden. Der Teppichboden hatte jedes Wort gedämpft, aber nicht die Laune von Martin Seeber. Der Istaf-Geschäftsführer hatte verkünden dürfen, dass das wichtigste Leichtathletik-Meeting der Republik nach dem Rückzug des vormaligen Hauptsponsors Vattenfall auch 2012 gesichert wäre und wie geplant am 2. September stattfinden werde. Die Spielbank Berlin, Schauplatz der Pressekonferenz, war für den Stromversorger eingesprungen. Der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic, der 92 Prozent der Anteile der Spielbank hält, sichert das Meeting im Berliner Olympiastadion. Ob die Kooperation fortgesetzt wird, ist offen. Istaf-Organisationschef Seeber mag keine Prognose abgeben. „Im Anschluss an das 71. Istaf wird geguckt, wie’s gelaufen ist. Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich.“

Das Meeting steht immer mit einem Bein im Grab. „Es ist jedes Jahr schwierig, ein eintägiges Event mit einem Etat von zwei Millionen Euro zu stemmen“, sagt Seeber. 2002 hatten die damaligen Istaf-Veranstalter Insolvenz anmelden müssen, 2009 stand das Stadionfest nach dem Absprung des Hauptsponsors vor dem Aus. Und dass sich Diskus-Olympiasieger Robert Harting am Sonntag im Olympiastadion feiern lassen darf, war während der Verhandlungen im Winter alles andere als sicher gewesen.

Knifflige Vermarktung

Martin Seeber sähe die Finanzierung des Istaf gern auf vielen Schultern ruhen, denn: „Mit einem großen Partner hat man auch das Risiko, wieder bei null anfangen zu müssen.“ Oder man muss aufgeben – wie in Stuttgart. Dort bedeutete der Rückzug des Geld- und Namensgebers Sparkasse 2011 das Ende des Hallenmeetings. Eintägige Leichtathletik-Sportfeste sind nicht das, wovon Sponsoren träumen. Die Vermarktung ist knifflig. „Eine große Herausforderung besteht darin, regelmäßig über einen längeren Zeitraum zu kommunizieren, damit nicht alles auf einmal kommt. Das ist schwierig, wenn das Budget kaum Öffentlichkeitsarbeit erlaubt“, erläutert Alain Blondel.

Der ehemalige Zehnkämpfer war Direktor des Stuttgarter Spektakels, organisiert ein Indoor-Meeting in Karlsruhe und ist Technischer Direktor der Leichtathletik-EM 2014 in Zürich. Es sei nicht leicht, die Bedeutung eines Meetings zu vermitteln, sagt der Franzose. Denn es geht nicht um Titel. „Das führt uns zu den Wurzeln der Leichtathletik“, sagt Blondel, „zum direkten Kampf mit dem Gegner. Aber wir sind auch ein Sport, in dem Leistungen erst gemessen und dann verglichen werden. Das ist schon ein bisschen paradox.“

Es fehlt aber nicht an Zuspruch. „Wir haben ein Fachpublikum“, sagt Blondel. Das suche bei Hallenmeetings vor allem Nähe – zu den Athleten und zum Wettkampf. Im Berliner Olympiastadion sind intime Erlebnisse nicht zu haben. Dennoch glaubt Clemens Prokop an die Attraktivität des Stadionsports ohne Ball. „Die Leichtathletik ist in der öffentlichen Wahrnehmung sehr stark und sehr positiv besetzt“, sagt der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV). „Natürlich braucht es auch Helden wie einen Robert Harting. Das sind Faktoren, die dem Istaf guttun werden.“ Anfang des Jahres wurde mit der ARD/ZDF-Agentur SportA ein TV-Vertrag bis 2015 unterzeichnet. Zwischen 15 und 20 Prozent des Etats werden durch den Verkauf der nationalen und internationalen Übertragungsrechte gedeckt.

Für die Sponsoren ist der Umfang der Berichterstattung am Wichtigsten. Und da fühlt sich Seeber diesmal „extrem gut bedient“. Die ARD wird am Sonntag von 14.45 bis 16.50 Uhr aus dem Olympiastadion senden. Die Leichtathletik kann mit der Fernsehpräsenz in diesem Jahr zufrieden sein, sagt DLV-Präsident Prokop. „Es gab neben Olympia eine umfassende Live-Berichterstattung von der Deutschen Meisterschaft und der EM in Helsinki. Die Einschaltquote zur EM war sehr beachtlich.“ Vielleicht sind die Läufer, Springer und Werfer beliebter, als mancher Programmmacher wahrhaben will.

Teurer Usain Bolt

Istaf-Macher Seeber konstatiert aber zugleich ehrlich: „Echte Leichtathletik-Weltstars gibt es nicht wirklich. Da ist nur Bolt.“ Der Ausnahmesprinter aus Jamaika ist sogar für Schlagzeilen gut, wenn er nicht kommt. „Es stand ja in einer Zeitung, wir hätten mit Usain Bolt verhandelt. Dabei hat das bei unserem finanziellen Rahmen keinen Sinn“, sagt Seeber. Der schnellste Mann der Welt soll für seinen 200-Meter-Start in Zürich am Donnerstag rund 250.000 Euro kassiert haben.

Die Athleten, die beim Istaf antreten, dürfen sich auf mehr als 50.000 Zuschauer freuen. Das traditionsreiche Sportfest zieht also auch ohne Gold-Bolt. Clemens Prokop dürfte das gefallen. Er hält es für fatal, „wird als entscheidender Faktor zur Beurteilung nur noch die Anzahl der Goldmedaillen anerkannt“. Wenn Kugelstoßer und Istaf-Teilnehmer David Storl „mit seinen 22 Jahren in London eine Bestleistung erzielt und wenige Zentimeter hinter dem Olympiasieger die Silbermedaille gewinnt, ist das doch fantastisch“. Dass solche Leistungen weniger wert sein sollen, wenn nicht Gold herausspringt, sei ein Witz. „Nehmen Sie Gesa Felicitas Krause, die in London über die Hindernisstrecke zweimal ihre Bestleistung gesteigert hat und im Endlauf Achte wurde. Oder die vor ihr platzierte Antje Möldner-Schmidt, die eine Krebserkrankung überwand – eine unglaubliche Geschichte. Da ärgere ich mich dann schon, dass das nicht der Bedeutung entsprechend wahrgenommen wird.“

Martin Seeber wird hoffen, dass dem Istaf auch weiterhin eine angemessene Wahrnehmung beschieden ist, was zunächst heißt: eine Zukunft. Und wenn es nötig ist, auf die Ressourcen eines Glücksspielanbieters aus Gumpoldskirchen zurückzugreifen, gegen den in Österreich im großen Stil, aber ergebnislos wegen anrüchiger Geschäftspraktiken ermittelt wurde, dann ist das eben so. „Die Spielbank ist ein langjähriger Partner mit Bezug zur Sportart. Ein passender Partner“, erklärt Seeber tapfer. Leichtathletik-Lobbyisten können bei der Wahl ihrer Weggefährten nicht wählerisch sein.

Istaf-Programm am Sonntag: Speerwerfen Frauen (Beginn 12.30 Uhr), Kugelstoßen Männer (12.40), Hammerwerfen Frauen (14.15), Stabhochsprung Männer (14.40), Weitsprung Männer (15.00), 400 m Hürden Männer (15.05), 4x100 m Mixedstaffel (15.15), 100 m Hürden Männer (15.30), Diskuswerfen Männer (15.40), 800 m Frauen (15.40), 1?500 m Männer (15.50), 100 m Hürden Frauen (16.05), 100 m Frauen (16.15), 100 m Männer (16.25), 3000 m Hindernis Frauen (16.35), 800 m Männer (16.50).

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