Hertha BSC

Intelligente Lösungen

Auch die Unruhe um den Schlagzeilenproduzenten Pantelic hindert Hertha BSC bisher nicht am Höhenflug.

Von RONNY BLASCHKE

Auch das ist typisch Hertha BSC, typisch Berlin, typisch Hauptstadt. Die Mannschaft des Schweizer Trainers Lucien Favre könnte am heutigen Freitag mit einem Heimsieg gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr) auf den zweiten Platz vordringen. Welches Thema bestimmt also die Schlagzeilen der Berliner Presse? Die Effizienz der Hertha? Ihre Leitfiguren Cicero oder Kacar? Die Weitsicht des Tüftlers Favre? Mitnichten, geschrieben wird vor allem über Marko Pantelic, den Schlagzeilenproduzenten aus Serbien.

Den vorerst letzten Beitrag zu dieser Seifenoper steuerte Wolfgang Müllenbrock bei, der Anwalt des Stürmers. Er sprach von Mobbing seitens Favre, unter anderem deshalb, weil Pantelic beim 3:2-Sieg in Bochum 81 Minuten auf der Bank sitzen musste: "Es ist wenig wahrscheinlich, dass er weiter unter einem Trainer spielt, der wenig Sympathien für ihn hegt." Wie viele Spieler wies Herthas Manager Dieter Hoeneß diese Anschuldigung gestern zurück und schlussfolgerte: "Mit der Ruhe ist es jetzt vorbei."

Liebhaber von Disziplin

Während Hertha BSC auf dem Spielfeld den besten Eindruck seit Monaten hinterlässt, bündelt ein einziger Spieler den Großteil der Aufmerksamkeit. Lucien Favre sagte dazu, was zu sagen ist: nichts. Seit Monaten verweigert er jeden ausführlichen Kommentar über die Zukunft von Pantelic. Am Sonntag ließ er in der Sendung Sportplatz des RBB zumindest Raum für Interpretationen: "Jeder Spieler kann sich verbessern, auch wenn er 30 Jahre alt ist. Dazu braucht es nur etwas Intelligenz."Dieser Satz verdeutlicht die Philosophie und den Erfolg des Trainers. Favre, 51, der besonnene Liebhaber von Disziplin, Teamgeist und Offensivspiel, verkörpert den Aufschwung der Berliner. Sein Auftreten ist ein wohltuender Kontrast zu dem verfestigten Ruf des Klubs, der auf Überheblichkeit und Schreckhaftigkeit fußte. Favre baute die Mannschaft um, 29 Profis gingen, 20 kamen, dazu vier Talente aus dem Nachwuchs. Inzwischen prägen Spieler wie Cicero (fünf Tore), Kacar (vier), Woronin (drei), Raffael (zwei) oder Nicu (eins) die Darbietungen. Pantelic traf dreimal.

Eskapaden ist man von ihnen nicht gewöhnt. Zudem haben langjährige Stammspieler wie Arne Friedrich oder Josip Simunic ein stabiles Niveau erreicht. Die Folge: acht Saisonsiege, zuletzt drei hintereinander. Hoeneß erkennt bei Favre "eine klare Handschrift. Er macht Spieler stärker und hat den Charakter der Mannschaft positiv verändert".

Favre fühlt sich geehrt, aber von Champions League würde er nie sprechen, die Lobeshymnen, die keine Grautöne kennen, sind ihm zuwider. Er bekräftigt sein Ziel, das er 2007 bei seinem Antritt verkündet hatte: Frühestens 2010 solle Hertha BSC wieder das Spitzenfeld der Liga angreifen können.

Es scheint, als könne der Verein, auf der Suche nach einem glaubwürdigen und bundesweit interessanten Profil, fündig werden - dank eines schmächtigen Schweizers. In dieses Konzept scheint die Diva Pantelic nicht hineinzupassen, trotz seiner 41 Tore in 100 Bundesligaspielen. Der Serbe wird sich spätestens zum Saisonende einen neuen Verein suchen müssen. Unter Favre wird das Kapitel der Egozentriker bei Hertha, das auch von Marcelinho oder Alex Alves geprägt worden war, dann vermutlich beendet sein.

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