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Indien wirbt um DFB und deutsche Klubs

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Fußballverband wirbt mit dem Potenzial des 1,33-Milliarden-Einwohner-Landes. Die Bundesligisten sind noch zurückhaltend.

Vor ein paar Jahren sorgte ein lustig gemeinter Artikel eines Dortmunder Reporters für einigen Wirbel. Der Mann vom „Reviersport“ hatte im Sommer 2013 auf dem Höhepunkt des Hypes um den Armenier Henrik Mkhitaryan in dessen Heimatland gewitzelt, was wohl in Indien los wäre, würde Borussia Dortmund den Stürmer Sunil Chhetri verpflichten. Der Nationalspieler kickte seinerzeit in der zweiten Mannschaft von Benfica Lissabon. Damals wurde die Witzelei des deutschen Journalisten in der Übersetzung sehr ernst genommen. In Indien kam an, dass der BVB ein Auge auf Chhetri geworden hat. Die Aufregung war groß. Es dauerte ein bisschen, bis sich das Missverständnis aufgeklärt hatte und wieder Ruhe einkehrte. 

Chhetri ist auf seine alten Tage längst wieder in sein Heimatland zurückgekehrt. Die indische Fußballmarkt aber könnte für deutsche Klubs noch hochinteressant werden, ähnlich, wie es der chinesische bereits ist. Denn das große Wachstum, das wissen die für die großen Strategien Verantwortlichen in den Klubs, winkt nicht im weitgehend ausgereizten eigenen Land, sondern in der Ferne. Allein in China nennen – laut einer jüngsten Studie des Düsseldorfer Centers für Sports and Management – 237 Millionen Menschen Fußball als ihren „Lieblingssport“. 

Der Forschungsbericht unter Leitung von Institutschef Professor Sascha Schmidt unter der Überschrift „Dancing with the Dragon“ („Tanz mit dem Drachen“) zeigt die ungeheuren Dimensionen auf und erklärt, weshalb einige Bundesligisten aus gutem Grund gesteigerten Wert darauf legen, es Klubs wie Real Madrid und Manchester United nachzutun, die sich bereits seit einem Jahrzehnt in China engagieren. 

In Indien sind Vereine wie Atlético Madrid, Inter Mailand, der FC Chelsea, FC Barcelona und FC Arsenal schon unterwegs und veranstalteten dort unter anderem Fußballcamps. Weniger ausgeprägt sind bislang die deutschen Kontakte in das Land mit seinen 1,33 Milliarden Einwohnern. Ein gewaltiges Potenzial. Bundesliga International, die neue Tochterfirma der Deutschen Fußballliga zur Auslandsvermarktung, hat eine Dependance in Singapur und plant zwei neue Büros in den USA und China. Im Riesenreich Indien ist man noch nicht so weit. Wiewohl der Deutsche Fußball-Bund bereits seit 2015 eine Partnerschaft mit dem indischen Verband geschlossen hat und ausgewählte Bundesligaspiele bei „Star India“ ausgestrahlt werden.

Die Inder würden die Beziehung zum deutschen Fußball nur allzu gerne vertiefen.  Subrata Dutta, der Vizepräsident des indischen Fußballverbandes, hat sich dafür vor einigen Wochen eigens aufgemacht nach Düsseldorf, um beim Branchentreff Spobis persönliche Kontakte zu vertiefen. Er suchte Gespräche mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff, Generalsekretär Friedrich Curtius und dem Dortmunder Marketingchef Carsten Cramer. Duttas Credo: „Europäische Klubs haben die Expertise, wir bieten einen großen Markt.“

Bislang haben deutsche Klubs auch den indischen Spielermarkt nicht sonderlich interessant gefunden. Kein einziger Inder spielt in einer Lizenzmannschaft der Ersten oder Zweiten Bundesliga, auch in den deutschen Nachwuchsleistungszentren sind indische Talente Fehlanzeige, wie Verbandsmann Dutta betrübt anmerkt. Andersherum kickte der Ex-Mainzer Manuel Friedrich immerhin mal ein halbes Jahr in der 2013 gegründeten Indian Super League, in der nur zehn Teams spielen, auch einstige Starspieler wie Marco Materazzi, Fredrik Ljungberg, David Trezeguet, Nicolas Anelka und Alessandro Del Piero besserten auf ihre alten Tage das Konto im vor allem cricketverrückten Indien noch ein wenig auf.

Laut der Zeitung „Times of India“ werden die Kontakte des indischen Verbandes mit dem BVB, der über ein eigenes Büro in Singapur verfügt, derzeit intensiviert. Konkret sind diese Pläne nach Angaben des BVB allerdings noch nicht. Es handelt sich wohl eher um ein vorsichtiges Herantasten. Die Dortmunder werden im kommenden Sommer vor allem ihre US-Engagements vertiefen. Sie reisen nach Saisonschluss zweimal nach Amerika, nachdem sie in den vergangenen Jahren dreimal in Fernost unterwegs waren.

Indiens Verbands-Vize Dutta ist dennoch optimistisch, dass sein Deutschland-Trip nicht nutzlos bleibt. In Düsseldorf berichtete er den deutschen Kollegen von den Fortschritten im eigenen Land. So sei dem indischen Fußballverband von der Regierung ein großes Areal in der Nähe von Kalkutta zur Verfügung gestellt worden sei, um dort ein nationales Trainingszentrum zu errichten. Zudem habe die U17-WM 2017 mit insgesamt 1,3 Millionen Zuschauern in oft ausverkauften Stadien gezeigt, wie groß das Fußballinteresse in Indien ist. Er lade deutsche Klubs zum Besuch in Indien und zur Zusammenarbeit, so Dutta, dem Pathos nicht fremd ist: „The sky is the limit.“ Es dürfte nicht lange dauern, ehe deutsche Klubs sich Richtung indischem Himmel aufmachen und den Satz auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüfen. 

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