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In der Kritik: Joseph Blatter.
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In der Kritik: Joseph Blatter.

Fifa versinkt im Bestechungsskandal

Immer wieder Blatter

Der Korruptionsskandal setzt den Fifa-Boss unter Druck. Doch trotz Kritik steht Alleinherrscher Joseph Blatter vor der Wiederwahl. Er hat wohl seine Macht gerettet und schlingert weiter schwer verwirrt durch die Untiefen seines mafiosen Systems.

Von Jens Weinreich

Joseph Blatter steht am Mittwoch vor seiner Wiederwahl als Präsident des Fußball-Weltverbandes. Trotz der jüngsten Korruptionsvorwürfe und der größten Krise in der 107-jährigen Fifa-Geschichte scheint Blatter die Mehrheit der 208 stimmberechtigten Mitgliedsverbände sicher. Denn eine Verschiebung der Wahl müsste von einem Verband beantragt und von einer Dreiviertelmehrheit der Delegierten beschlossen werden.

Bei der Eröffnung des 61. Fifa-Kongresses im Züricher Hallenstadion feierte die Fußballfamilie, sang und klatschte. Wie hatte der Clan-Chef Joseph Blatter noch tags zuvor erklärt: „Krise? Wir haben keine Krise, nur einige Schwierigkeiten. Und die lösen wir in der Familie!“ Kaum jemand störte die Feierlichkeiten zum Kongress, der am Mittwoch tagt und die Wiederwahl von Skandal-Blatter bringen soll, auch wenn sich einige halbwegs Aufrechte, wie die Verbände von England und Schottland, dagegen aussprechen.

Auch IOC-Präsident Jacques Rogge benutzte das K-Wort nicht, die böse Vokabel Korruption. Der Ober-Olympier Rogge sprach zwar die Bestechungskrise seiner Organisation an, den Salt-Lake-City-Skandal von 1998/99. Doch dazu sagte er sanft: „Ich werde nicht mit dem Finger auf sie zeigen und sie belehren. Ich denke, dass auch die Fifa aus ihrer Krise gestärkt hervorgehen kann.“ Hat er überhaupt Krise gesagt? Welche Krise?

Was war das für ein irrer Tag in Zürich

Es liegt wohl daran, dass Rogge sich als Fußball-Fan outete und als solcher zu den Delegierten sprach. Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey bekannte dagegen einige Minuten später, mit Sport nicht viel am Hut zu haben, und redete Klartext – als einzige an diesem Abend. Sie forderte „eine mutige Offensive auf dem Spielfeld der Transparenz“, es sollten „alle Maßnahmen ergriffen werden, um das Vertrauen wiederherzustellen“. Und, ja, Calmy-Rey sprach von Korruption. Kurz darauf ging es zum Gala-Dinner unter Kameraden. Journalisten waren ausgeschlossen. Was war das für ein irrer Tag in Zürich.

Die bizarren Wendungen aufzuzählen, würde ganze Bücher füllen. Der suspendierte Fifa-Vize Jack Warner zum Beispiel, Chef der nordamerikanischen Konföderation, der am Tag zuvor noch gefordert hatte, Blatter müsse gestoppt werden, der einen Tsunami ankündigte, der die Fifa hinwegspülen werde, rief seine Verbände ernsthaft dazu auf, am Mittwoch Blatter zu wählen. Wen sonst? Einige asiatische Verbände offerierten flink noch einen Gegenkandidaten: Den Chinesen Zhang Jilong, der nach der Suspendierung von Mohammed Bin Hammam (Katar) die Geschäfte der asiatischen Konföderation AFC führt. Indes mussten mögliche Herausforderer bereits Ende März benannt werden. Da hatte sich allein Bin Hammam gemeldet, der schließlich am Sonntag aufgeben musste.

Die Spezialdemokratie

Es hat keinen Sinn, jede Äußerung, jede Schlagzeile und jede Wendung dieser aufgeregten Fifa-Spezialdemokratie zu interpretieren. Fakt ist: So lange nicht Beweise vorgelegt werden, die weitere Korruptionsvergehen etwa bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 (an Russland) und 2022 (an Katar) belegen, wird diese Fifa der Opportunisten, Geschäftemacher, Feiglinge und Duckmäuser nicht auseinanderfallen.

Eine Ankündigung, Bestechungszahlungen in Höhe von 20 Millionen Euro zu belegen, hatte es am Montagabend gegeben. Nun, es handelte sich um eine vorschnelle Meldung einer deutschen Nachrichtenagentur. Der mutmaßliche Informant, „Walter Petersen“ genannt, garnierte seine angekündigte Präsentation mit Lügen und anderen Unstimmigkeiten: Zum Beispiel bastelte er eine E-Mail zusammen, in der behauptet wurde, das Schweizer Bundesamt für Justiz habe seine groß angekündigte Pressekonferenz im Grand Hotel Dolder verboten.

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