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Sportartikelhersteller Nike in der Kritik.

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Immer diese Zweifel

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Die Schließung des Nike Oregon Projects ist die logische Konsequenz. Der Imageschaden für den Sportartikelhersteller ist gewaltig und auch auf Konstanze Klosterhalfens Karriere liegt früh ein Schatten.

Die Geschichte von Konstanze Klosterhalfen kommt vielen zu schön vor, um wahr zu sein. Eine zierliche, schüchterne, aber extrem talentierte Blondine aus dem Rheinland läuft dem Rest der Welt davon. Mit 22 Jahren. Bei der Leichtathletik-WM in Doha sind über die anspruchsvollen 5000 Meter nur noch zwei Läuferinnen schneller als die Deutsche. Nun ist klar, dass es unter der Obhut ihres Teams, das Nike Oregon Project im schönen Portland, Westküste USA, nicht mehr weitergeht. Der Dopingskandal um Starcoach Alberto Salazar macht es unmöglich, einfach so weiterzulaufen, ohne dass der US-Ausrüster Glaubwürdigkeit und damit irgendwann viel Geld verliert.

Wie heutzutage bei allen wundersam anmutenden Ausdauerleistungen, ganz gleich ob im Radsport, Langlauf, Triathlon oder eben der Leichtathletik, beschleicht den Betrachter ein merkwürdiges Gefühl: Sind vielleicht doch irgendwelche Flottmacher im Spiel, die bei der Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff die entscheidenden Prozente herauskitzeln? Die Versuchung in diesen Sportarten ist groß, weil beispielsweise das Blutdopingmittel Epo so viel bringt. Selbst Hobbysportler setzen sich in erschreckender Zahl diesen Experimenten aus und stellen dann fest: Das hilft ja wirklich. Zuletzt wurde Epo reihenweise bei kenianischen Spitzenläufern entdeckt.

Salazar wollte natürliche Grenzen verschieben und die Vormachtstellung der afrikanischen Wunderläufer brechen. Ziemlich früh muss der 61-Jährige zur Erkenntnis gekommen sein, dass ein bisschen Testosteron mehr bringt als der beste Trainingsplan. Er hat dann die Athleten wie früher in der DDR als Versuchstiere gehalten und mit hochgradig gefährlichen Medikamenten versorgt. So hat es Usada-Chef Travis Tygart festgehalten, der schon das Lügenkonstrukt eines Lance Armstrong zum Einsturz brachte.

Der strampelte in den 90er und 2000er Jahren dem Rest der Welt davon, als sich auch Deutschland am Radsport berauschte. Jan Ullrich und sein Team Telekom galten jahrelang als Erfolgsmodell, bis sich auch hier nicht mehr leugnen ließ, was den Protagonisten schnelle Beine machte. Der Telekommunikationsriese musste sich zurückziehen. Den US-Sportartikelgiganten könnte es noch härter treffen, wenn sich herausstellt, dass ,Geschäftsführer Mark Parker von den Dopingversuchen gewusst hat. Der Imageschaden ist bereits gewaltig. Auch für Konstanze Klosterhalfen, auf deren Karriere früh ein Schatten liegt.

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