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Ikone in Erklärungsnot

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Von: Frank Hellmann

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© ddp

Lothar Leder, Aushängeschild des Triathlons, fällt zu seinen auffälligen Blutwerten bemerkenswert wenig ein.

Es war vor einigen Wochen während einer Trainingsfahrt im Odenwald, als Lothar Leder mal wieder als vermeintlicher Betrüger beschimpft wurde "Die Leute rufen ,Epo, Epo' oder ,Doper, Doper', ich bin es leid", klagte der 36-Jährige damals. Doch nun sind die Vorwürfe an einen der prominentesten deutschen Triathleten ganz konkret: Kurt Denk, Veranstalter des Ironman European Championship in Frankfurt, verdächtigt Leder anhand auffälliger Blutwerte der Manipulation.

Leder ein Doper? Fakt ist: Bei den im Zuge der Antidoping-Kampagne "Eiserne Transparenz" erstmals vorgenommenen Blutkontrollen am 29. Juni - zwei Tage vor dem Ironman-Wettkampf in Frankfurt - ergaben sich bei der Überprüfung von Hämatokrit, Hämoglobin- und Retikulozytenwert bei Leder Auffälligkeiten, die im Skilanglauf oder in der Leichtathletik zu einer Schutzsperre geführt hätten. Das Regelwerk im Triathlon sieht das nicht vor.

Eindeutige Rückschlüsse

Nach FR-Informationen wurde der Triathlet nicht wegen eines erhöhten Hämatokritwertes, sondern wegen des so genannten Off-score-Wertes (Stimulationsindex) auffällig, der das Verhältnis zwischen Hämoglobin und Retikulozyten (jungen roten Blutkörperchen) beschreibt. Der Wert lässt eindeutige Rückschlüsse zu, ob ein Athlet Epo benutzt oder Bluttransfusionen durchgeführt hat. Die Obergrenze liegt beim Radsportweltverband UCI bei 133. Der Wert von Leder lag offenbar deutlich darüber. "Sein Wert ist grausam", sagt Denk.

Damit steht ein Sympathieträger und Botschafter der Branche am Pranger. "Ich wollte den Befund zuerst nicht glauben. Wir hätten es leichter, würden wir wie andere Veranstalter wegschauen. Aber das wollen wir nicht", erklärt Denk sein Vorpreschen, das sowohl bei der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) als auch bei der Deutschen Triathlon-Union (DTU) nicht auf Zustimmung trifft. Beide Institutionen weigern sich, von einem Dopingfall zu sprechen. Das aber hat auch der Ironman-Veranstalter nicht getan.

Noch am Freitag habe er mit Lothar Leder und dessen Ehefrau Nicole in seinem Haus in Maintal-Hochstadt ein persönliches Gespräch geführt, berichtet Denk. "Schließlich sind wir auch geschäftlich eng verbunden." Doch Leder habe die Verdachtsmomente in keiner Weise ausräumen können. Wie Klaus Pöttgen, medizinischer Direktor des Frankfurter Ironman, erklärt, habe man den Rat mehrerer Dopingexperten eingeholt. Nicht zuletzt Rasmus Damsgaard, Koryphäe von der Universität Kopenhagen, habe aus dem Befund zweifelsfrei auf Leistungsmanipulation geschlossen.

Leder hat den Heidelberger Anwalt Michael Lehner eingeschaltet, der zuvorderst das juristische Prozedere kritisiert. Auf seiner Homepage lässt Leder, neunmaliger Ironman-Sieger, der 2002 bei der Auftaktveranstaltung in Frankfurt gewann, in diesem Jahr aber nur Zehnter wurde, unter "Richtigstellung von schweren Vorwürfen gegen meine Person" mitteilen, dass er für sauberen Triathlonsport stehe. Die Blutwerte bewiesen kein Dopingvergehen und könnten, "falls überhaupt zutreffend, in anderen - körperlichen - Sachverhalten ihre Erklärung finden". Diese Möglichkeit schließt Pöttgen freilich aus. Das sei "völliger Unsinn". Gegenüber Denk und seinem Heimatklub DSW 12 Darmstadt brachte Leder die Variante ins Spiel, er habe in seinem Keller in einem Höhenzelt geschlafen und mit Sauerstoffmaske auf der Rolle trainiert. Für Pöttgen sind das Ausflüchte: "Das ist ausgeschlossen." Bei allen Grenzwerten seien die Auswirkungen von Höhentraining berücksichtigt.

Es geht um die Existenz

Der Fall spaltet die Szene: Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan schimpfte, er würde am liebsten nach Darmstadt fahren, "um Lothar eine Ohrfeige zu geben". Denk hat die geschäftliche Zusammenarbeit beendet. Die Causa ist existenzbedrohend für die Sportlerfamilie Leder, die einen Laufshop in Darmstadt betreibt und seit Jahren mit der Faszination Triathlon wirbt (und dabei gut verdient). Ob als Showgast oder Kommentator beim Fernsehen, ob mit dem Engagement für die Kinderkrebshilfe oder bei Vorträgen über Jugendarbeit, ob Laufprojekte oder Motivationsseminare - Lothar und Nicole Leder sind omnipräsent.

Gerade hat Nahrungsmittelproduzent Schneekoppe einen opulent dotierten Werbevertrag mit beiden abgeschlossen. All das steht nun auf dem Prüfstand. Die Skepsis wächst nun auch hinsichtlich der Fabelzeit von 7:57:02 Stunden beim Ironman 1996 in Roth. Leder war damals als erster Triathlet der Welt unter der Acht-Stunden-Schallmauer geblieben.

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