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„Grandioser Tag“: John Degenkolb siegt 2011 in Frankfurt.
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„Grandioser Tag“: John Degenkolb siegt 2011 in Frankfurt.

Radsport

"Ich muss erst mal über den Feldberg kommen"

Radprofi John Degenkolb im Gespräch. Über seine geplante Titelverteidigung am 1. Mai, die Schlüsselstellen im Taunus und einen guten Rat seiner Mutter.

John Degenkolb, 23, ist vor einem Jahr als Neoprofi mit seinem Sieg beim deutschen Radklassiker Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt in die Weltspitze gesprintet. Am 1. Mai schickt er sich nun an, seinen Vorjahreserfolg zu wiederholen. „Das wird allerdings sehr schwer““, sagt der junge Mann aus Thüringen: „Es muss alles stimmen, um wieder in Frankfurt gewinnen zu können.“

Das Gesicht des Rennens

Herr Degenkolb, Sie sind nicht nur der Titelverteidiger, Sie sind auch das neue Gesicht des Frankfurter Radklassikers. Sie lächeln als Coverboy von allen Plakatwänden der Stadt. Werden Sie schon erkannt?

Nein, nein ? das dauert sicherlich noch ein paar Jährchen. Selbst wenn ich das Rennen jetzt noch mal gewinnen sollte, würde das nicht passieren. Das dauert seine Zeit.

Welches Rennen müssten Sie denn abschießen, damit Sie auch die breite Öffentlichkeit wahr nimmt?

Ein Etappensieg bei der Tour de France beispielsweise, besitzt einen sehr hohen Stellenwert in Deutschland. Oder eben einen der großen Klassiker...

...denn den deutschen Klassiker haben Sie ja schon gewonnen. Wie war das damals? Welche Erinnerungen haben Sie an den 1. Mai 2011?

Das war ein grandioser Tag, an dem einfach alles stimmte. Die Mannschaft machte einen wirklich tollen Job. Ich habe deren Arbeit mit dem Zielsprint nur noch veredelt und das Rennen gewonnen. Darauf bin ich immer noch stolz.

Nur noch veredelt? Das klingt sehr bescheiden.

Radsport ist ein Mannschaftssport. Das Team hat das Rennen im letzten Flachstück total kontrolliert, hat keine Gruppen weggelassen. Das war der entscheidende Baustein. Natürlich muss man am Ende die Beine haben, um zu gewinnen. Das war vor einem Jahr der Fall. Jetzt hoffe ich, dass ich das am Dienstag wiederholen kann.

Starkes Fahrerfeld

Im vergangenen Jahr fuhren Sie noch für HTC Highroad. Aus der Konkursmasse des US-amerikanischen Teams wechselten Sie in der neuen Saison zu Argos-Shimano, einer kleineren niederländischen Equipe mit großen Ambitionen. Worin unterscheiden sich die beiden Teams?

Da gibt es keine so großen Unterschiede. Uns fehlt als Mannschaft aber noch die Erfahrung. Wir sind eine junge Truppe. Aber das ist nicht so entscheidend, denn alle Fahrer, die in Frankfurt am Start sein werden, haben großes Potenzial und befinden sich in einer guten Verfassung. Deswegen mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

In diesem Jahr hat es mit einem Platz ganz oben auf dem Podest zwar noch nicht geklappt, aber der fünfte Platz beim schweren Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo war schon eine echte Hausmarke. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Frühjahr?

Ich bin zufrieden, aber natürlich nicht sehr zufrieden. Dazu gehört ein Sieg. Diesen Spielraum will ich mir für die nächsten Jahre bewahren. Aber im Großen und Ganzen war der Einstieg in meine zweite Profisaison, über die viele behaupten, es wäre die schwierigste in der Karriere, schon gut. Ich bin viele große Rennen in der ProTour gefahren und ich denke, der fünfte Platz bei Mailand-San Remo kann sich durchaus sehen lassen.

In Frankfurt soll nun der erste Saisonsieg her...

...das wird aber sehr schwer. Das Fahrerfeld ist noch stärker als im vergangenen Jahr. Dazu ist der Kurs noch anspruchsvoller geworden. Deshalb arbeite ich momentan sehr hart an mir, um am 1. Mai in Topform am Start stehen zu können.

Die Konkurrenz wird Sie nicht aus den Augen lassen.

Viele Leute werfen jetzt ein Auge auf mich. Das wird auch in Frankfurt nicht anders sein, wenn ich mit der Startnummer 1 auf dem Rücken fahre. Natürlich habe ich jetzt eine größere Bürde zu tragen, als im vergangenen Jahr als Newcomer. Aber das ist auch gut so, das ist es, was ich will. Damit muss ich umgehen können.

Im Fahrerfeld kennt niemand den Taunus so gut wie Sie. Wo sehen Sie die Schlüsselstellen?

Für mich ist es erst mal wichtig, über den Feldberg zu kommen. Der Mammolshainer Berg ist ein Wahnsinnsberg. Alle sprechen immer vom Steilstück im Wohngebiet, für meinen Fahrertyp sind es eher die letzten 500 Meter, die richtig wehtun. Das steile Stück komme ich noch mit Kraft rüber, ganz oben im Wald sind aber Kletterkünste gefragt.

Highlight London

Sie verzichten auf eine Teilnahme an der Tour de France und konzentrieren sich ganz auf die Olympischen Spiele. Geht nicht beides?

Die Olympischen Spiele sind für mich ein Highlight. Wenn ich dort am Start stehen möchte, muss ich in einer sehr guten Verfassung sein. Natürlich wäre es möglich, sich davor der Tour de France zu stellen, sich drei Wochen zu schinden. Ich gebe aber zu, dass es für einen 23-Jährigen noch zu schwer ist, um nach nur fünf, sechs Tagen Pause gut erholt in London an den Start zu gehen. Das ist nicht vorstellbar.

Mit welchem Ziel fahren Sie nach London? Als Helfer für André Greipel? Oder dürfen Sie auf eigene Rechnung fahren?

Ich werde in erster Linie Helfer sein. Man weiß nie, wie sich so ein Rennen entwickelt. Aber klar ist, ich stehe wie schon bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Kopenhagen hundertprozentig hinter André.

Anschließend steht im September im niederländischen Valkenburg die nächste Straßen-Weltmeisterschaft an. Kennen Sie schon den Parcours?

Ich habe mir am vergangenen Wochenende die Strecke für das Mannschafts-Zeitfahren und die Schlussrunde für das Straßenrennen angesehen. Wir fahren elfmal den Cauberg ? das ist schon eine Hausnummer. Ich denke, das wird ein Tick zu schwer für mich sein, aber ich denke, wieder ein guter Helfer sein zu können.

Welches Rennen wollen Sie in Ihrer Karriere mal gewinnen?

Langfristig möchte ich mich in der Klassikerschiene etablieren. Aber natürlich ist auch ein Etappengewinn bei der Tour de France ein großes Ziel.

Haben Sie sich auch ein zeitliches Ziel gesetzt, wann Sie den ersten großen Klassiker gewonnen haben wollen?

Meine Mutter hat mir schon als Kind einen guten Ratschlag gegeben: „Alles kommt zu dem, der warten kann.“ Wer konzentriert arbeitet und Geduld mitbringt, der wird am Ende auch belohnt.

Das Gespräch führte Jörg Hanau.

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