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Schnellste deutsche Triathletin: Anne Haug.

Triathlon

„Ich kann überleben“

Anne Haug zählt zu den weltbesten Triathletinnen, reich ist sie damit bisher aber nicht geworden – ein Hawaii-Sieg könnte das ändern.

Deutsche Rekordhalterin über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Silber (2012) und Bronze (2013) auf der Kurzstrecke und damit noch immer die einzige deutsche Triathletin, die im Einzel eine WM-Medaille über die Olympische Distanz gewann. Dritte auf Hawaii vor einem Jahr bei ihrer ersten Teilnahme bei der Ironman-WM. Reichlich Erfolge, reich haben sie Anne Haug bisher aber nicht gemacht. „Ich kann überleben, aber nichts weglegen“, sagt die professionelle Triathletin.

Ihr Preisgeld von ihrem ersten Ironman-Sieg Mitte August in Kopenhagen, als sie trotz langer vorheriger Verletzungspause in deutscher Rekordzeit von 8:31:32 Stunden ins Ziel gestürmt war, ging für die Reise nach Hawaii drauf. Ein bisschen Zuzahlen inklusive. Haug reiste knapp zwei Wochen vor dem Rennen der Rennen für jeden Triathleten auf die Trauminsel im Pazifik. Vom Trainingslager auf Lanzarote flog sie via Deutschland, um noch ein Rad abzuholen, nach Hawaii. Der Trip zum erhofften erneuten Edelmetall kostet die gebürtige Oberfränkin nach eigenen Angaben insgesamt rund 10 000 Euro. „Das ist schon happig. Meine Ausgaben sind nicht vergleichbar mit vielen anderen Sportlern“, erzählt Haug. Nicht klagend, sie stellt es lediglich fest.

109.000 Euro für Siegerin

Haug, die an der TU München Sportwissenschaften mit Diplomabschluss studiert hat, liebt, was sie jetzt macht. Dass sie nicht so im Fokus steht wie die deutschen Triathleten oder ihre Schweizer Konkurrentin Daniela Ryf, die in Kailua-Kona in den vergangenen vier Jahren gewann, stört Haug nicht. „Ich strebe nicht danach, groß wahrgenommen zu werden. Ich lebe gern zurückgezogen. Wenn ich in die verrückte Triathlon-Blase springe, mache ich das für eine Woche und bin froh, wenn ich meine Ruhe habe“, sagt sie.

Ein Sieg auf Hawaii würde diese Ruhe erheblich durcheinanderbringen. Patrick Lange kennt das. Er stand Anfang 2016 vor dem Ende einer bis dahin eher durchschnittlichen Karriere. Lange hatte keine Sponsoren. Er entschied sich, es dennoch weiter zu versuchen. Mittlerweile ist er einer der Superstars der Szene und gefragter Werbepartner.

Eine deutsche Siegerin gibt es noch nicht. 2004 kam Nina Kraft zwar als Erste ins Ziel, wegen Dopings wurde sie anschließend aber disqualifiziert und gesperrt. Sechs deutsche Profi-Triathletinnen haben sich diesmal für Hawaii qualifiziert. Neben Haug zählt vor allen auch Laura Philipp trotz ebenfalls längerer Verletzungspause zu den größten deutschen Hoffnungen. Zudem dabei: Daniela Bleymehl, Mareen Hufe, Kristin Liepold und Svenja Thoes.

Wissens- und Bemerkenswertes zur Ironman-WM auf Hawaii:  Auf Kailua-Kona beginnt für die weltbesten Triathleten über die Langdistanz ein höchst strapaziöser Arbeitstag. „Und dann zwei Deutsche, die diese Show bieten“: Dramaturgischer Traum beim Ironman Hawaii - Faris Al-Sultan, Bundestrainer der Deutschen Triathlon-Union, über das verweigerte Visum zum Ironman Hawaii, den packenden Zweikampf zwischen Titelverteidiger Patrick Lange und Konkurrent Jan Frodeno und den düsteren Aussichten für die Olympischen Spiele 2020.

Anne Haug setzt auf ihre Laufstärke

„Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt, sich zu sehr mit Zielzeiten unter Druck zu setzen“, sagt Haug. Im Medaillenkampf setzt sie vor allem auf ihre Laufstärke beim abschließenden Marathon. Ein Sieg würde sich auf jeden Fall auszahlen. Der Siegerin winken wie dem Sieger umgerechnet rund 109 000 Euro (120 000 US-Dollar). Rund 55 000 Euro gibt es für Rang zwei, rund 36 500 für den Bronzeplatz. Verteilt werden die insgesamt rund 593 000 Euro auf die Top Ten bei den Frauen und den Männern.

Generell sind die Gesamtpreisgelder bei den Ironman-Rennen aber deutlich geringer – sprich im knappen sechsstelligen oder sogar nur fünfstelligen Bereich. Geld verdienen die Stars der Szene vor allem mit Sponsoren und Antrittsprämien. „Ich glaube, dass es viele Athleten gibt, die extrem viel investieren, aber immer gerade so an der Grenze leben“, sagte die seit Jahren dominierende Ryf zur Zeitung „Die Welt“: „Das ist schon hart.“ (dpa)

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