Schwimmen

I-Tüpfelchen auf das Chaos

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Ohne Bundestrainer wird jeder im DSV sein eigenes Süppchen kochen. Und je länger der Posten vakant ist, desto schwieriger wird es, alles wieder zusammenzuführen. Ein Kommentar.

Der Deutsche Schwimmverband (DSV) hat seinen ohnehin schon ramponierten Ruf vor knapp zwei Wochen beim Verbandstag noch einmal massiv beschädigt. Mit dem Rücktritt der umtriebigen Gabi Dörries als Präsidentin ist der DSV bis zu seiner nächsten Sitzung im Mai ohne Führung. Das i-Tüpfelchen auf das Chaos ist der Rücktritt von Chef-Bundestrainer Henning Lambertz. Er führt zwar auch persönliche Gründe für sein Aus an, aber eben auch die Demission von Dörries. Wegen gerade einmal 60 Cent Beitragserhöhung im Jahr haben sich einige Landesvorstände aus dem Westen quergestellt. Und das nach 30 Jahren ohne Erhöhung. Absurd.

Anderthalb Jahre vor den Olympischen Spielen in Tokio wird Lambertz Posten nicht neu besetzt, sondern die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt. Das bedeutet vor allem viel Arbeit für Thomas Kurschilgen, Direktor Leistungssport, der selbst erst seit September im Amt ist. 
Henning Lambertz war nicht immer ein einfacher Zeitgenosse. Er musste einerseits die Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) im Zuge der Spitzensportreform umsetzen und zahlreiche unbequeme Entscheidungen vornehmen. Dabei war es unmöglich, immer alle glücklich zu machen. Andererseits hat der Wuppertaler sich auch mit fragwürdigen Maßnahmen, wie das Krafttrainingkonzept oder das nächtliche Training vor den Spielen in Rio de Janeiro bei vielen Athleten unbeliebt gemacht. Und erfolgreich waren diese Methoden eben auch nicht.

Ohne Bundestrainer wird jetzt wieder jeder sein eigenes Süppchen kochen. Und je länger der Posten vakant ist, desto schwieriger wird es, alles wieder zusammenzuführen.

Die wichtigste Aufgabe des DSV wird es sein, die Bremser innerhalb des Verbandes zu entmachten und sich Expertise von außen oder von ehemaligen Top-Schwimmern zu holen. Denn sonst wird der deutsche Schwimmsport noch weiter von der internationalen Konkurrenz abgehängt, als er es sowieso schon ist. 

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