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Alessandro Zanardi.

Paralympics

Mit Humor und Handbike

Der ehemalige Formel-1-Pilot Alex Zanardi zählt in Rio zu den Stars und gibt gerne den Mutmacher.

Michael Schumacher sprach von einer „sehr schönen Geschichte“, Niki Lauda hatte es sogar „die Tränen in die Augen gehauen“. Als Alex Zanardi nach seiner zweiten Goldfahrt 2012 in London auf den Beinstümpfen stehend sein Rennrad in die Luft reckte, waren Fans und Weggefährten über alle Maßen gerührt.
Am 14. und 15. September wird Zanardi bei den Paralympics in Rio mit dem Handbike an den Start gehen. Ausgerechnet am 15. September. Denn dann ist es auf den Tag genau 15 Jahre her, dass der Italiener in einem Rennen der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring schwer verunglückte. „Mir riss es beide Beine aus, eins oberhalb des Knies, eins unterhalb“, berichtet er. Sein Motto danach: „Ich habe zwar meine Beine verloren, aber nicht meinen Humor“.

Mit launigen Sprüchen stellte der heute 49-Jährige immer wieder klar, dass es keinen Grund gibt, den Lebensmut zu verlieren. Er stehe mit beiden Beinen im Leben, scherzte er. Fühle sich mit so viel deutschem Blut durch die damaligen Konserven fast schon wie ein Deutscher. Immerhin könne er sich beim Barfußlaufen nun nicht mehr erkälten. Und: „Wenn ich mir jetzt noch mal die Beine breche, brauche ich nur noch einen Inbusschlüssel.“

Mindestens genauso bemerkenswert sind aber der Wille und Kampfgeist, mit denen Zanardi einfach weiter Sportler blieb. 2006 fuhr er in Valencia als erster beinamputierter Testfahrer für BMW 30 Runden auf dem Kurs in Valencia. Dabei war er fast zeitgleich mit dem damals zweiten Testfahrer, einem gewissen Sebastian Vettel.

Und eine neue Berufung fand er mit dem Handbike. Er trainierte wie ein Besessener das Fahren der mit den Armen betriebenen Räder. Gewann in London zweimal Gold und erklärte seine Paralympics-Karriere für beendet. Doch schnell packte ihn wieder der Ehrgeiz. Bis zu drei Stunden trainierte er wieder, an sechs Tagen pro Woche. Und fühlt sich nun fit für Rio.

„Mit inzwischen fast 50 Jahren fällt es mir ein bisschen schwerer, mich zu erholen“, sagt er: „Aber ich bin auch erfahrener als 2012.“ Und widmet sich so nicht mehr nur der reinen Fitness. Er achtet sehr auf die Ernährung, saugt Wissen über die technische Weiterentwicklung der Bikes auf und setzt sie gerne selbst um. Seine Frau sieht dem ganzen Treiben kritisch zu. „Sie zweifelt, ob ich das Richtige tue“, sagt Zanardi: „Aber ich weiß: Das Richtige existiert nicht. Ich habe in meinem Leben gelernt, mein Gehirn auf die Wünsche meines Herzen auszurichten. Und nicht umgekehrt.“

Dass er für viele Menschen ein Vorbild ist, ist ihm bewusst. Die Rolle als Mutmacher übernimmt er gerne. Als etwas Besonderes fühlt er sich nicht: „Ich habe weder das Recht, noch einen Grund dafür, mich besonders zu fühlen.“

Das sehen freilich viele anders. Am besten hat es vielleicht die „Gazzetta dello Sport“ zusammengefasst. „Zanardi ist ein Ass des Steuers und der Pedale“ schrieb sie: „Vor allem aber ein Ass des Lebens.“ sid

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