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Maria Riesch.
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Maria Riesch.

Deutscher Skiverband von sich angetan

Huldigungen für Riesch & Co.

Die Bilanz der deutschen Alpinen um Maria Riesch ist, wie Riesch zurecht feststellt, ein "Hammer". Zumal sich selbst der diesmal erfolglosere Erzrivale, der 2006 noch 14 Medaillen abräumte, verbeugt. Von Reinhard Sogl

Von Reinhard Sogl

Am Wochenende hat Alfons Hörmann eine Einladung ins Studio des Österreichischen Fernsehens (ORF) erhalten. Der Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV) sollte den Zuschauern zwischen Wien und St. Anton das Erfolgsgeheimnis der Alpinen aus dem Nachbarland erklären. Das ist so, als würde Leo Windtner, Verbandschef der österreichischen Balltreter, bei Delling/Netzer Deutschland Nachhilfe im Fußball geben.

Ein größeres Eingeständnis des Versagens der Rennläufer aus der selbst erklärten Skination Nummer eins, die erstmals überhaupt bei den Männern keine Medaille gewann und nur deren vier bei den Frauen, kann es nicht geben - und auch keine größere Verbeugung vor dem Erzrivalen. Drei Goldmedaillen, zwei durch Maria Riesch, eine durch Viktoria Rebensburg, hat keine andere Nation mit nach Hause genommen. Das Mannschaftsergebnis kann man da schon wie die erfolgreichste Rennläuferin dieser Winterspiele als "Hammer" bewerten.

Statt sich in Analysen zu ergehen, ordnete der selige DSV-Präsident die beste Ausbeute seit 1998 bedeutungsschwanger ein: "Das ist eine Steilvorlage für die Ski-WM 2011 in Garmisch, und die WM soll eine Steilvorlage für die Münchener Bewerbung um die Spiele 2018 werden."

Alpinchef Wolfgang Maier hatte nicht das große Ganze im Auge, sondern nur ein Funkeln, als er seine Abteilung im Prestigekampf mit den Biathleten gestärkt sah. Er ließ sich seine gute Laune auch nur ein bisschen durch den frühen Ausfall von Felix Neureuther, neben Abfahrer Stephan Keppler einziger Olympiastarter bei den Männern, im abschließenden Slalom verderben. "Das kann die positive Bilanz nicht trüben. Die Erfolge der Damen verschaffen uns Luft, auch am wirklich schwierigen Thema Herren weiterzuarbeiten. Ich bin sicher, dass wir 2014 mehr Männer am Start haben werden", prophezeite Maier.

Sein Vorgänger Walter Vogel hatte nach der Nullnummer von 2006, wo Österreich die Berge in Sestriere in Besitz nahm und 14 Medaillen einsackte, sein Amt zur Verfügung stellen müssen. Vor seiner Ablösung formulierte er noch die klare Vorgabe für Vancouver: "Medaillen holen." Dass vier Jahre später die Ausbeute überreich ausfiel, lag aber nicht nur an der Neustrukturierung, sondern auch und vor allem am Olympiadebüt von Maria Riesch, die in Turin wegen ihres zweiten Kreuzbandrisses nicht teilnehmen konnte. Mit 25 Jahren holte die Garmisch-Partenkirchenerin nun Versäumtes glanzvoll nach. Mit zweimal Gold hielt sie triumphalen Einzug in den Olymp wie vorher nur Rosi Mittermaier und Katja Seizinger. "Zu so einem elitären Kreis zu gehören, ist eine große Ehre, darauf bin ich sehr stolz", sagte Maria Riesch, nachdem sie den Feinunzen-Zwilling erhalten hatte. Die zweite Goldmedaille bedeute ihr noch mehr als die erste, bekannte die Torlauf-Weltmeisterin: "Der Slalom ist ja meine Disziplin."

Neureuther will neuen Anlauf nehmen

Der Slalom ist auch die Spezialität von Felix Neureuther, aber das ist eben auch sein Problem. "Ich habe mir die Disziplin ausgesucht, die nicht den kleinsten Fehler verzeiht", sagte der 25-Jährige. Der Sieger von Kitzbühel und Medaillenkandidat hatte schon nach 27 Sekunden zu viel Rücklage bekommen, danach sein Lachen aber ebenso schnell wiedergefunden. Alles probiert, alles riskiert, wie es der harte Konkurrenzkampf eben erfordere, "ich kann mir keinen Vorwurf machen." Machte auch Maier dem WM-Vierten nur ein bisschen: "Wenn er sich wenigstens im offenen Fight hätte geschlagen geben müssen, er hatte das Potenzial." Welches, das hatte Neureuther mit seinem Achtungserfolg als Achter des Riesenslaloms angedeutet. Irgendwie logisch, dass sich Maier da wie auf der "Achterbahn" vorkam.

Neureuther nahm das jähe Ende der Medaillenträume so gelassen wie weiland in Turin sein vorzeitiges Aus. Er müsse jetzt halt "noch vier Jahre warten, aber ich bin erst 25." Vor Weihnachten hatte er sich noch wie ein Auslaufmodell gefühlt und wegen des persönlichen Stimmungstiefs seine Karriere fast beendet. Jetzt, da er den Sport nicht mehr seine Person determinieren lasse, sagte er entspannt: "Das Leben geht weiter." Aus Whistler nehme er ohnehin schöne Erinnerungen mit, "ich habe mit den Mädels im selben Haus die Momente genossen." Felix, du Glücklicher.

Lange genießen konnten weder Viktoria Rebensburg noch Maria Riesch ihre Erfolge, am nächsten Tag wartete schon der Flieger. Im Weltcupkalender sind zwischen November und März keine Phasen der Muse vorgesehen. Die Karawane zieht weiter. Schon ab Dienstag hat die Rennläuferinnen der Alltag wieder, Crans Montana heißt die nächste Weltcup-Station. Danach steht noch das Saisonfinale in Garmisch-Partenkirchen an, die Generalprobe für die Ski-WM in einem Jahr. Dass es Maria Riesch schleifen lassen könnte, verhindert ihre professionelle Einstellung, aber der große Druck ist weg. "Natürlich wäre es schön, den Slalomweltcup zu gewinnen, aber es wäre nur Zugabe. Ich habe zweimal Gold, da geht nichts drüber." Noch nicht einmal die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup, die darf Freundin Lindsey Vonn gerne gewinnen.

Bevor Maria Riesch am Samstag mit doppelt so schwerem Zusatzgepäck als erhofft ("das Ziel ware eine Medaille") die Heimreise antrat, hatte sie den für eine zweifache Olympiasiegerin ganz normalen Interviewmarathon hinter sich zu bringen. Die Frau mit dem Potenzial zum Superstar, die nicht nur auf der Piste ein Allroundtalent besitzt, absolvierte den medialen Torlauf so charmant wie professionell. Auch als Studiogast beim ORF.

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