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Kennen die Festhalle aus den vergangenen Jahren gut: Hubertus Schmidt auf Escolar. Imago Images

Festhallen-Reitturnier

Hubertus Schmidt: Der Genießer

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Der 60-Jährige Hubertus Schmidt tritt im Alter nur ein bisschen kürzer und geht beim Festhallen-Reitturnier in Frankfurt mit zwei Pferden an den Start.

Nach Rio hätte Schluss sein können. Hubertus Schmidt hatte sich das ernsthaft überlegt. Doch als Reservist wollte sich der Team-Olympiasieger von 2004 nicht aus dem Turniersport verabschieden, und den Einsatz in der deutschen Equipe hatte er bei den Spielen 2016 knapp verfehlt. Also macht der Dressurspezialist aus Borchen erst mal weiter, solange er Lust und „den Zenit nicht überschritten“ hat. Doris, die Frau und „kritische Trainerin“ des mittlerweile 60-Jährigen, sorgt dafür, dass er das rechtzeitig bemerkt.

Beim seit Donnerstag laufenden Festhallen-Reitturnier in Frankfurt ist davon allerdings noch nichts zu spüren. In der Einlaufprüfung des Burg-Pokals landete der Routinier mit seinem Nachwuchstalent Denoix zwar mit 73,39 Prozent nur auf dem sechsten Rang. Doch der Hengst gehört auch dem jüngsten Jahrgang dieser inoffiziellen deutschen Meisterschaft der sieben- bis neunjährigen Pferde an und zeigte sich in ungewohnter Umgebung schon beim Abreiten „ein bisschen nervig und spannig“.

Ganz anders war das damals bei Escolar, dem Pferd, mit dem Schmidt seit diesem Jahr seine Serie als Mitglied im A-Kader fortsetzt. Der jetzt zehn Jahre alte Hengst hatte sich 2017 mit der höchsten Punktzahl der vorangehenden 20 Jahre für das Finale am Main qualifiziert und dort nur knapp den Kürzeren gezogen. Nicht für jeden nachvollziehbar. So oder so bleibt der Vierbeiner mit den „überragend großen Bewegungen“ ein ganz besonderer für seinen Reiter und könnte ihn sogar im nächsten Sommer nach Tokio tragen. Doch Schmidt macht sich keinen Druck mehr, genießt einfach nur, wie er gut gelaunt sagt, „die vielen tollen Pferde“ unter seinem Sattel.

Mit sieben bis maximal acht übt er noch jeden Tag. „Früher waren es mehr“, erinnert sich der Reitmeister, der mit 78 Bewegungstalenten auf Grand-Prix-Ebene, also in der höchsten Leistungsklasse der tierischen Tänzer, platziert war. „Öfter als Isabell Werth“, betont er stolz. Allerdings hat die sechsfache Olympiasiegerin, die als die Erfolgsreichste ihrer Zunft gilt, noch zehn Jahre Zeit, um gleichzuziehen. Schmidt hat Weiteres vorzuweisen, darunter einen fast dauerhaften, nur von kleinen Lücken unterbrochenen Aufenthalt im Championatskader. Auch wenn der letzte Start für das Nationalteam, 2006 in Aachen, schon 13 Jahre zurückliegt und es neben mehreren Mannschaftsgoldmedaillen nur einmal Einzeledelmetall, Europameisterschaftssilber 2005, gab.

An der Art seiner Ausbildung hält er, einer traditionsreichen Lehre entsprechend, bis heute fest. Was die eigene Person betrifft, arbeitet der Reiter jedoch seit zwölf Jahren intensiv an der Fitness. Damals habe er Probleme mit einer Art Osteoporose gehabt. Seitdem klingelt der Wecker eher, geht der Gymnastizierung der Pferde, die sowieso schon in den frühesten Morgenstunden liegt, das Training des eigenen Körpers voran. Das macht sich bezahlt: Rückenschmerzen, die viele der Kollegen regelmäßig verspüren, kennt Schmidt „trotz weniger Elastizität als früher“ nicht.

Escolar hat mehr Kraft

In Frankfurt kann ihn das Publikum mit zwei Pferden sehen. Das Finale des Louisdor-Preises lässt er aus. Bonamour, mit dem er dafür qualifiziert war, wurde vor wenigen Tagen an den Dänen Andreas Helgstrand verkauft. Auf eine letzte mögliche Vorstellung verzichtet Schmidt. Lieber richtet er seinen Fokus auf die Schüler, mit denen er selbst noch Ambitionen hat.

Escolar, der sich in der Großen Tour präsentiert, steht da an erster Stelle. Nachdem der Hengst in diesem Jahr erstmals nicht zum Deckeinsatz kam und so ein paar Turniere mehr gehen konnte, hat an Kraft deutlich zugelegt. Das ermöglicht ihm Qualitäten, die zuvor fehlten. Schmidt wählt zum Verständnis einen Vergleich mit einem Kunstturner. Der wisse auch schon, wie ein Kreuzhang an den Ringen geht, kann ihn aber erst absolvieren, wenn die Muskeln dafür ausreichend ausgebildet sind. So sei es bei Escolar und den kleinen Pirouetten, die auf Spitzenniveau zu drehen sind.

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