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Hrubesch lobt Fairplay-Vorbild Niko Kovac

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Stand im Wort für eine Hochzeitsfeier: Eintracht-Trainer Niko Kovac
Stand im Wort für eine Hochzeitsfeier: Eintracht-Trainer Niko Kovac © dpa

Vom Sohn eine DFB-kritischen Journalisten bis zum Eintracht-Trainer: Bei der Verleihung der Fairplay-Medaillen des DFB kommt es zu bemerkenswerten Konstellationen.

Von Jan Christian Müller

Niko Kovac erschien im Hamburger Curiohaus an der Rothenbaumchausee überlebensgroß mit einer Aufzeichnung aus einer Loge der Frankfurter Arena auf der Leinwand. Erst entschuldigte sich der Frankfurter Fußballtrainer, dass er bei der Ehrungsveranstaltung nicht vor Ort in Hamburg sein konnte, dann bedankte er sich für die Verleihung der Fairplay-Medaille durch den Deutschen Fußball-Bund. Die DFB-Jury hatte sich für den 44-Jährigen entschieden, weil dieser nach dem Relegationsspiel in Nürnberg die unterlegenen Spieler der Gastgeber getröstet hatte, ehe er den eigenen Siegern gratulierte. Er sei „sehr überrascht über die Auszeichnung“ gewesen, berichtete er lächelnd, „sie macht mich stolz, aber auch nachdenklich. Denn ich habe ja nur etwas getan, was selbstverständlich sein sollte.“

Der Kroate war bei der Veranstaltung mit 150 Gästen vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien nicht in der Hansestadt zugegen gewesen, weil er zuvor bereits seine Zusage für eine Hochzeitsfeier in Zagreb abgegeben hatte. Alle Bemühungen, eine akzeptable Flugverbindung zwischen Zagreb und Hamburg zu buchen, waren gescheitert.

Kovac versprach, die kleine Trophäe werde „einen schönen Platz in meiner Wohnung finden“. Er sei grundsätzlich bestrebt, seinen Spielern „vorzuleben, dass Respekt und Empathie gegenüber dem Gegner“ an erster Stelle stehen sollten. Der frühere U21-Trainer Horst Hrubesch lobte als Mitglied der Jury, Kovac sei schon als Spieler ein Typ gewesen, „der für Ehrlichkeit steht“. Er fände es „immer gut, wenn einer so bleibt, wie er ist“. Dies sei bei Kovac der Fall.

Ins Boot gesetzt

Den Fairnesspreis für Amateure bekam der zwölfjährige Janne Weinreich vom FV Preußen Eberswalde, Sohn des DFB-kritischen Sportjournalisten Jens Weinreich. Ausgerechnet Zögling jenes Mannes also, der sich einst mit dem ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger fast bis aufs Blut eine juristische Auseinandersetzung lieferte, nachdem er Zwanziger zu dessen großer Verärgerung als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet hatte. Vater Weinreich gehörte außerdem zum Rechercheteam des Nachrichtenmagazins „Spiegel“, das im vergangenen Herbst den WM-Skandal aufgedeckt hat. Eine interessante Konstellation, dass nun ausgerechnet dessen Sohn mit dem höchsten Fairplaypreis des Deutschen Fußball-Bundes ausgezeichnet wurde.

Janne Weinreich hatte nach einem Jugendturnier seinen Pokal als bester Spieler an den in 2014 als unbegleitetes Kind aus Syrien gekommenen Mohammed Mary Hassen weitergegeben. „Mohammeds Mannschaft hat die meisten Spiele bei dem Turnier verloren, aber er war mir sehr positiv aufgefallen“, berichtete Janne. Er sei bereits in der Umkleidekabine gewesen. „Da habe ich aus dem Fenster geschaut und gesehen, dass Mohammed zum Auto geht. Also bin ich einfach rausgerannt.“

Am Samstag bekam Janne Weinreich die Fairplay-Trophäe von Mohammed überreicht – eine schöne Geste des DFB. Mohammeds Vater war von IS-Terroristen entführt worden, seine Mutter hatte ihn daraufhin zur Flucht zum Meer gebracht und in ein Boot gesetzt. Mohammeds Vater gilt als tot, an ihn erinnert nur ein Portemonnaie mit Fotos, welches Mohammed immer mit sich trägt. Seine Mutter lebt mit drei Geschwistern in Syrien, mitten im Krieg. Janne hat Mohammed geholfen, das Schicksal ein wenig besser zu ertragen.

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