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Hort der guten Laune

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Von: Frank Hellmann

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Im Nationalteam umjubelt: die Neu-Frankfurterin Celia Okoyino da Mbabi. Rechts ihre künftige Klubkollegin Fatmire Bajramaj.
Im Nationalteam umjubelt: die Neu-Frankfurterin Celia Okoyino da Mbabi. Rechts ihre künftige Klubkollegin Fatmire Bajramaj. © dpa

Der deutsche Talentschuppen im Frauen-Nationalteam scheint gut gerüstet fürs schwedische Turnier. Bei der Generalprobe gegen Japan beeindruckt das Team selbst Silvia Neid. Die Bundestrainerin traut ihrer Mannschaft nun den EM-Titel zu.

Der deutsche Talentschuppen im Frauen-Nationalteam scheint gut gerüstet fürs schwedische Turnier. Bei der Generalprobe gegen Japan beeindruckt das Team selbst Silvia Neid. Die Bundestrainerin traut ihrer Mannschaft nun den EM-Titel zu.

Eine Respektsperson kann einer Rasselbande nicht schaden. Ein bisschen überrascht waren die Protagonisten beim deutschen Frauen-Nationalteam schon, wer ihnen am Sonntagmorgen plötzlich in ihrer Unterkunft im Englischen Garten die Leviten las. Herbert Fandel, der Boss der deutschen Referees, führte die obligatorische Regelkunde im Uefa-Auftrag durch. Und dazu hatte der Schiedsrichterchef gleich noch ein Lehrvideo mitgebracht: Das gegnerische Trikot festhalten oder das eigene Jersey ausziehen wird bei der bevorstehenden Frauen-EM in Schweden (10. bis 28. Juli) mit Gelb bestraft.

Niemand muss sich sorgen, dass derlei Warnhinweise nicht ankommen. Zuhören, aufnehmen, umsetzen gilt nämlich als große Stärke der nachrückenden deutschen Generation.

Lust und Leidenschaft

Nach dem überaus unterhaltsamen 4:2 (1:1) gegen Japan bei der Generalprobe in München zeigte sich Silvia Neid schwer beeindruckt von Lust und Leidenschaft, Leichtigkeit und Lerntempo ihres Talentschuppens, der bereits eine Respekt einflößende Frühform offenbarte. „Das waren schon 100 Prozent“, stellte die Bundestrainerin verblüfft fest, „damit haben wir uns Respekt verschafft. Ich weiß nur nicht, ob wir die Leistung immer abrufen können.“

Dass im Land des siebenfachen Frauen-Europameisters zugleich die Erwartungshaltung wieder sprunghaft steigt, ficht die 49-Jährige nicht an. „Wir können das ohnehin nicht aufhalten.“ Und warum sollen junge Wilde wie Leonie Maier gebremst werden, die wie Philipp Lahm zwischen Rechts- und Linksverteidigerin wechseln kann und mal eben mit einem Linksschuss von der rechten Seite den fröhlichen Torreigen in Fröttmaning eröffnete (17.). Die mit Unterstützung des DFB-Sponsors und des Bayrischen Fußball-Verbands angelockte Rekordkulisse von 46.104 Augenzeugen geriet genauso in Verzückung wie die Trainerin: „Leonie ist echt der Wahnsinn. Sie ist die Zukunft des Frauenfußballs.“ Beidfüßig und ballgewandt, dazu frech und forsch.

Auffällig, dass das bald beim FC Bayern spielende Toptalent lange in Jungenmannschaften mitgemischt und sich eine Robustheit angeeignet hat, die das fast unveränderte Weltmeisterteam sichtlich überrumpelten.

Geschenk für Simone Laudehr

In der deutschen Elf wirkten als Relikte aus 2011 anfangs allein noch Kapitänin Nadine Angerer („Diese Mannschaft ist für jede Trainerin ein Geschenk“), Saskia Bartusiak und Celia Okoyino da Mbabi mit. Die emsige Torjägerin trug mit einem Doppelpack (47./Foulelfmeter und 87.) entscheidend dazu bei, das japanische Trauma zu vertreiben.

Die 25-Jährige hatte am Tag zuvor ihren Wechsel zum 1. FFC Frankfurtverkündet und räumte nun ein: „Der Kopf ist frei.“ Deshalb konnte sie den finalen Elfmeter generös ihrer künftigen Klubkollegin Simone Laudehr (90.+2) überlassen, die nach überstandenem Knorpelschaden übrigens auch glaubt, dass dieser Hort der guten Laune schon in Südschweden „Riesenbäume versetzen kann“.

Noch bis Mittwoch dauert in München der letzte Lehrgang. Anschließend gibt es drei Tage Heimaturlaub, ehe am nächsten Sonntag in Frankfurt die Chartermaschine startet, um das erste Quartier in der Kleinstadt Växjö zu beziehen, wo die ersten Gruppenspiele gegen die Niederlande (11. Juli) und Island (14. Juli) stattfinden. Da von zwölf EM-Teilnehmern in drei Vierer-Gruppen acht Teams das Viertelfinale erreichen, könnte bereits vor dem Duell gegen Norwegen (17. Juli in Kalmar) das Weiterkommen geklärt sein.

Silvia Neid ist davon überzeugt, dass ihrem totalrenovierten Aufgebot alles zuzutrauen ist. Auch der achte EM-Titel. Und wer behauptet, die Jugendwelle sei zuvorderst den Rücktritten und dem Verletzungspech geschuldet verkennt, wen im Kader gerade der Bannstrahl getroffen hat.

Randfigur Melanie Behringer

Melanie Behringer, immerhin 88-fache Nationalspielerin, mischte in allen drei Testspielen nicht eine Minute mehr mit. Während die erst 18-jährige Sara Däbritz aus der Freiburger Talentschmiede nun als nächstes debütieren durfte, brauchte sich die 27-jährige Frankfurterin nicht mal mehr warmzulaufen. Bei der WM 2011 gab das rothaarige Kraftpaket noch eine Stammspielerin ab – das Turnier 2013 wird sie nur als eine Randfigur bestreiten. Und das hat viel mit dem Leistungsbild und wenig mit Respektlosigkeit zu tun.

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