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Erster Marathon-Start missglückt: Homiyu Tesfaye.

Homiyu Tesfaye

Homiyu Tesfaye beim Frankfurt-Marathon: Eine Lehre fürs Leben

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Von Krämpfen geschüttelt muss Homiyu Tesfaye seinen Olympia-Traum für den Marathon vorerst verschieben.

Es war der Moment, den jeder Marathonläufer fürchtet. Erst verkrampft die Muskulatur, dann wird jeder Schritt wird zur Qual. Homiyu Tesfaye blieb diese schmerzhafte Grenzerfahrung bei seinem Marathon-Debüt auf den letzten sieben Kilometern in seiner Wahlheimat nicht erspart. Auf dem allerletzten Straßenstück, der Friedrich-Ebert-Anlage, blieb der gebürtige Äthiopier sogar kurz stehen, fasste sich mehrfach ans Bein, ehe sein Betreuer Michael Schneider vom Begleitrad noch schnell Zuspruch erteilte. „Ich wollte nicht aufgeben“, sagte Tesfaye, der sich im Beisein seiner Familie – die frühere 1500-Meter-Weltmeisterin Maryam Jamal und die Töchter Lidiya und Selam hatten ihn an die Strecke begleitet – durchkämpfte.

Auf der langen Passage der Mainzer Landstraße war der Frankfurter von Kilometer zu Kilometer langsamer geworden. Den Sehnsuchtsort der Festhalle erreichte der im Nationaltrikot angetretene Athlet der LG Eintracht Frankfurt letztlich nach 2:18:30 Stunden. Abgeschlagen auf Platz 29. Immerhin: Nur das Ankommen habe sich wie „ein Sieg angefühlt“. Motto: „Man kann nicht immer nur lächeln, wenn man gewinnt.“ Hörte sich nach einer Lehre fürs Leben an.

Sein Training in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba in einer ambitionierten Gruppe von Haji Adilo hätte ihm seiner Meinung mehr genutzt, wenn nicht die Tempomacher schon kurz vor der Hälfte des Rennens weggebrochen wären. „Das Problem war, dass ich ab Kilometer 21 allein laufen musste“, sagte Tesfaye mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton. Die fehlende Unterstützung habe ihn geärgert. Am Ende schob sich sogar der Spitzen-Geher Karl Junghannß mit einer klugen Renneinteilung nach 2:17:54 Stunden als bester Deutscher noch vor den Lokalmatador, der ambitioniert eine Zeit von 2:11 Stunden angepeilt hatte.

Die Olympia-Norm (2:11:30) legt die Messlatte für deutsche Männer vergleichsweise hoch. Der 2010 als Flüchtling aus Äthiopien nach Frankfurt gekommene Freigeist Tesfaye besitzt eigentlich das Leistungsvermögen von seinen physischen Voraussetzungen für solch eine Vorgabe. Der Sportliche Leiter Christoph Kopp gab einen Rat: „Homiyu muss den nächsten Marathon anders planen.“ Deutlich defensiver.

Renndirektor Jo Schindler erzählte, dass Kopp sich intensiv mit Tesfaye unterhalten hatte, nicht sofort die Bremse zu lösen. „Man sollte im Marathon nicht zu schnell loslaufen, sondern verhalten anfangen.“ Doch Tesfaye widersprach der These, sich gegen die guten Ratschläge der sportlichen Leitung gestellt zu haben: „Hätte ich am Anfang langsamer gemacht, wäre ich erst nach 2:25 Stunden angekommen.“ Bei seiner Marathon-Premiere habe er halt probieren wollen „und schauen, was passiert.“

Für die Zukunft muss der derzeit ohne festen Trainer agierende 1500-Meter-Spezialist auf das richtige Timing achten, denn 2020 soll ein Drei-Stufen-Plan greifen: sich über einen Frühjahrsmarathon doch die Olympia-Qualifikation holen, bei der Leichtathletik-EM in Paris im Halbmarathon starten und dann beim Saisonhöhepunkt der Olympischen Sommerspiele entweder auf der Bahn oder Straße mitlaufen. „Olympia bin ich auf jeden Fall dabei“, lautete Tesfayes Ansage.

„Ich bin sicher, er wird gestärkt in sein nächstes Marathonrennen gehen. Es war ein guter erster Schritt, der ihn nicht entmutigen sollte“, erklärte Schindler, der mit seinen afrikanischen Spitzenläufern wegen der Siegerzeit übrigens gar nicht zufrieden war. „Da hat einer den anderen angeschaut und keiner die Verantwortung übernommen.“ Letztlich setzte sich der Äthiopier Fikre Tefera in 2:07:08 Stunden vor seinem Landsmann Dawit Wolde (2:07:10) und Aweke Yimer (Bahrain/ 2:07:12) durch. Auch Kopp kritisierte deutlich: „Es war ein schöner Spurt für die Galerie, aber die Endzeit hat uns enttäuscht. Das entsprach nicht unseren Vorstellungen.“

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