1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Holzdeppe legt die Latte hoch

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Nachwuchsmann empfiehlt sich mit neuem Junioren-Weltrekord von 5,80 Meter für Olympiastart

Von REINHARD SOGL

Tim Lobinger schrieb fleißig Autogramme im schmucken Stadion von Biberach. Auch für Fotos mit kleinen Kindern im Arm nahm sich der 35 Jahre alte Stabhochspringer viel Zeit. Eine Ersatzbefriedigung parallel zur Siegerehrung, an die sich der Altmeister womöglich gewöhnen muss. Platz fünf mit übersprungenen 5,50 Metern für den wohl letztmaligen Coverboy des Programmhefts, da bleibt wenig Hoffnung für eine neue Hauptrolle in der Stunde der Sieger. Während Lobinger bei den kleinen Fans von den Meriten der Vergangenheit profitierte, präsentierte sich Raphael Holzdeppe auf der Showbühne hinterm Stadion vor großer Kulisse als Mann der Zukunft: "Ich kann es noch gar nicht glauben: Die 5,80 Meter waren ein perfekter Sprung." Sie waren vor allem die Einstellung des Junioren-Weltrekords.

Alte Marke galt seit 1989

Die Marke war seit dem 14. Juli 1989 unangetastet geblieben. Der spätere Olympiasieger und 6,05-Meter-Springer Maxim Tarassow aus Russland legte die Latte so hoch wie keiner zuvor in diesem Alter. Erst zweieinhalb Monate später wurde Raphael Holzdeppe geboren, den noch als Baby ein Kaiserslauterer Ehepaar adoptierte. Zehn Jahre später griff der Schüler, der im nächsten Jahr sein Abitur machen wird, erstmals zu einem Stab. Mit 16 wurde er bei der U20-Weltmeisterschaft in Peking bereits Fünfter - und mit noch 18 wird er sein Debüt bei den Olympischen Spielen geben. Glaubt jedenfalls Lobinger, laut dessen Aussage es bei der deutschen Meisterschaft in Nürnberg nur noch um zwei der drei Peking-Plätze gehen wird. "Raphael dürfte man jetzt schon nominieren, weil er der beste deutsche Springer ist", sagte Lobinger, der Olympia angesichts eines halben Dutzends meist stärkerer Konkurrenten fast schon aus seinen Plänen gestrichen hat: "Ich glaube nicht an große Wunder." Dafür an die Möglichkeiten von Holzdeppe. Lobinger: "Er ist sensationell gut und für sein Alter enorm versiert."

Andrej Tiwontschik, der Trainer des Talents aus Zweibrücken und Bronzemedaillengewinner von Atlanta 1996, sieht in dem mit 1,81 Metern vergleichsweise kurz geratenen Stabhochspringer den nächsten Deutschen für die ganz dünne Luft: "Wenn Raphael diese Leistung stabilisiert, seine Technik noch verbessert und gesund bleibt, kommen die sechs Meter von alleine." Aus Deutschland haben bislang nur Lobinger und Danny Ecker diese markante Marke gemeistert.

Otto auf Rang drei

So weit will der Hoffnungsträger, der sich für diese Saison 5,70 Meter zum Ziel gesetzt hatte und dessen Stärken laut Tiwontschik "enorme Schnelligkeit und Explosivität" zudem "Disziplin, Fleiß, Bescheidenheit" sind, noch nicht denken. Zumal Tarassow immerhin neun Jahre brauchte, ehe der Russe danach sechs Meter packte. Aber Olympia hat Holzdeppe, dessen primäres Saisonziel Gold bei der Junioren-WM in zwei Wochen in Bydgoszcz ist, jetzt schon im Kopf und nicht mehr erst für 2012: "Jetzt ist Peking in greifbarer Nähe, und da möchte ich auch hin." Björn Otto, in Biberach mit 5,70 Metern Dritter hinter Holzdeppe und dem mit 5,80 Metern höhengleichen Sieger Jewgeni Lukjanenko, "hätte nichts dagegen - wenn ich auch dabei bin". Aber auch Otto wird sich anstrengen müssen, wenn Fanbetreuung nicht bald die Siegerehrung ersetzen soll.

Auch interessant

Kommentare