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Hebt sich modisch von seinen Vorstandskollegen im DHB auf jeden Fall ab: Sportvorstand Bob Hanning (Mitte).

Handball-WM

Hoffen auf ein Wintermärchen 2.0

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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft startet gegen Korea in die Heim-WM und will wie 2007 einen Hype auslösen. 500.000 Tickets sind bereits verkauft.

Gestern hatten sich alle noch einmal herausgeputzt: Der Deutsche Handballbund schaltete pünktlich vor dem Start der Weltmeisterschaft im eigenen Land eine neue Website online, DHB-Vizepräsident Bob Hanning setzte sich mit einem schicken Pullover optisch in Szene und Nationalspieler Patrick Groetzki glänzte mit einer modischen neuen Brille. Es wirkte, als sei der Handball in Deutschland präpariert für das Großereignis, das heute um 18.15 Uhr (live im ZDF) in der Arena in Berlin losgetreten wird. Mit einem Sieg gegen den Außenseiter aus Gesamt-Korea soll Schwung genommen werden für ein Turnier, dass die DHB-Auswahl ins Halbfinale spülen soll – mindestens.

Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es mit Deutschland und Dänemark zwei Ausrichter einer Weltmeisterschaft, die deshalb hinsichtlich Begeisterung, Zuschauerzahlen und Spannung neue Dimensionen erreichen könnte. Die Dänen starten heute nach dem Match der Deutschen in Kopenhagen gegen Chile in ihre Heim-WM. Allein in Deutschland wurden bereits mehr als 500 000 Karten der insgesamt 540 000 zur Verfügung stehenden Tickets abgesetzt, auch am Standort München, an dem keine deutschen Spiele ausgetragen werden, liegt die Hallenauslastung bei etwa 80 Prozent. „Das ergibt unfassbare Möglichkeiten für Deutschland“, sagte Hanning gestern. Mit der Entscheidung, die WM in Deutschland in den vier größten Städten stattfinden zu lassen, bewiesen die Verantwortlichen beim DHB Weitsicht.

Neben den Vorrundenstandorten Berlin und München werden Köln (Hauptrunde) und Hamburg (Halbfinale) versuchen, den erwünschten Handball-Hype anzufachen. „Nichts hilft dabei mehr als ein Erfolg im eigenen Land“, sagt DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Nach dem grandiosen Scheitern bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr und der damit einhergehenden Debatte um Bundestrainer Christian Prokop haben sich Übungsleiter, Mannschaft sowie Verband zusammengerauft und eine neue Basis des Miteinanders gefunden. Vom Titel spricht niemand der Beteiligten, das Halbfinale in Hamburg ist das erklärte Ziel. Aber es ist klar, dass sie alle von einer Wiederholung des „Wintermärchens“ träumen, das Deutschland 2007 erlebte, als die DHB-Auswahl unter Trainerlegende Heiner Brand im eigenen Land Weltmeister wurde. Es geht in den Hoffnungen aller um nicht weniger als ein „Wintermärchen 2.0“.

Beginnen soll das mit einem fest eingeplanten Erfolg in einem Spiel, das von der Politik überlagert werden wird. Ganz bewusst legte sich Deutschland in Absprache mit dem Weltverband IHF darauf fest, die WM gegen ein gemeinsames Team aus Korea zu eröffnen. Die Annäherung der beiden einander lange Zeit verhassten Staaten von der koreanischen Halbinsel soll über das Vehikel Sport in der einst geteilten Stadt Berlin fortgesetzt werden, der Handball erreicht dadurch selten erlebte Aufmerksamkeit über den Sport hinaus.

Anschließend wird sich das Interesse wieder auf Tore, Siebenmeter und Zeitstrafen reduzieren und auf die Frage, wer dieser Weltmeisterschaft den eigenen Stempel aufdrücken kann. Nicht nur die Ausrichter aus Deutschland und Dänemark wollen eine Medaille gewinnen, der Kreis der Favoriten umfasst sieben Nationen. Frankreich muss zwar auf den verletzten Topstar Nikola Karabatic verzichten, gilt als Titelverteidiger dennoch als das Team, dass es auf dem Weg zum Titel zu schlagen gilt. Mit dem Nachbar bekommen es die Deutschen bereits in der Vorrunde in Berlin zu tun.

In der Hauptrunde bekommen es die Prokop-Schützlinge in Köln voraussichtlich mit Spanien und Kroatien zu tun. Die Spanier, die im vergangenen Jahr Europameister wurden, kommen mit dem Selbstverständnis nach Deutschland, den Titel gewinnen zu wollen, während die Kroaten eher als Außenseiter unter den Schwergewichten gelten, aber jeden Gegner schlagen können. „Es ist eine Herausforderung, sich gegen diese Nationen durchzusetzen“, sagt Hanning.

Erst im Halbfinale können es die Deutschen mit Dänemark, Schweden oder Norwegen zu tun bekommen, die in der anderen Hälfte des Turniertableaus die Halbfinalteilnehmer unter sich ausmachen dürften. Vize-Europameister Schweden und Vize-Weltmeister Norwegen sind starke Herausforderer für Mit-Gastgeber Dänemark, es wird spannend zu beobachten sein, wer sich in der „Skandinavien-Liga“ durchsetzt.

Die deutsche Mannschaft wird das interessiert, aber nur am Rande verfolgen. Ihr Fokus ist auf das eigene Tun ausgerichtet. „Hier haben alle Bock“, sagte Hanning knapp 24 Stunden vor dem WM-Auftakt.

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