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2019 ist die letzte Saison für das britische Radsport-Team Sky.

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Vom Himmel gefallen

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Das Dopinggespenst lutscht seit Jahren an den Hinterrädern des Teams Sky. Ein Kommentar.

Der erste Reflex ist immer derselbe: Das Ende der Ära Sky sei wie ein Blitz aus heiterem Himmel eingeschlagen. Nichts und niemand habe damit rechnen können, meldeten am Mittwoch die Agenturen. Selbst der mächtige Teameigner Sir David Brailsford soll aus allen Wolken gefallen sein, als er vom Rückzug seines potenten Geldgebers erfahren habe. Nur noch eine Saison radeln die Topstars Chris Froome und Geraint Thomas mit dem Logo des britischen Medienkonzerns auf der Brust um die Wette - dann schaltet Sky ab. Das Ende einer Erfolgsgeschichte, die dem Pay-TV-Bossen mit bislang sechs Tour-de-France-Siegen in den vergangenen sieben Jahren die größtmögliche Aufmerksamkeit bescherte. 

Warum aber investiert ein Unternehmen wie Sky Limited - mit einem Jahresumsatz von 15,2 Milliarden Euro - künftig nicht mehr in die rollenden Werbeträger? Sorgt sich Jeremy Darroch, der Vorsitzende der Sky Group, angesichts nicht enden wollender Dopinggerüchte rund um Brailsford und seinen Ausnahmeprofis etwa um den Ruf seines Unternehmen? Es ist zumindest nicht auszuschließen: Das Dopinggespenst lutscht seit Jahren an den Hinterrädern des Teams Sky. Seit dem Sieg von Bradley Wiggins im Jahr 2012 steht das Team im Ruf, es nicht immer so ganz genau zu nehmen mit den Regeln eines dopingfreien Sports. Zuletzt war der viermalige Tour-Triumphator Chris Froome vor einem Jahr (2013, 2015, 2016, 2017) mit einem positiven - letztlich aber folgenlosen - Test auf eine erhöhte Konzentration des Asthmamittels Salbutamol detektiert worden. Die Sanktionen blieben aus, die Fans am Straßenrand entwickelten aber ein feines Gespür. Das so erfolgreiche Team Sky zählte beim Sieg von Thomas bei der Tour de France 2018 zu den unbeliebtesten Radsportgrippen. Mitunter schlug den in einer anderen Liga fahrenden Sky-Profis um Froome und Thomas gar fanatischer Hass entgegen. Auch das dürfte den Bossen in der Londoner Medienzentrale nicht entgangen sein, die das Team auch im kommenden Jahr mit rund 44 Millionen Euro alimentieren dürften, ihren Ausstieg aber mit einem Strategiewechsel begründen. „Ende 2019“, wird Sky-Boss Darroch zitiert, „ist der richtige Zeitpunkt, um ein neues Kapitel in der Geschichte von Sky zu eröffnen.“ Manchmal sei es unvermeidlich, dass Veränderungen weitere Veränderungen mit sich brächten. Einer der Hintergründe für den plötzlichen Kurswechsel könnte daher auch die kürzliche Übernahme durch den US-Kabelkonzern Comcast sein, der mehr als 75 Prozent der Anteile von Sky hält und das Medienunternehmen auf einen neuen Kurs trimmt. 

Lohnendes Investment

Die mehr als 200 Millionen Euro, die der Konzern insgesamt in das Team des 2012 zum Ritter geschlagenen Brailsford investiert haben wird, waren jedenfalls gut angelegt. Das Internetportal Cyclingnews.com errechnete allein für das Jahr 2012 mit dem Toursieg von Wiggins und einem damaligen Jahresinvestment von rund 30 Millionen Euro einen Werbewert von knapp 500 Millionen Euro. 

Das Jahr des Übergangs ist für Brailsford und seine Stars wie Froome (Vertrag bis 2020) und Thomas (2021) auch ein Schaulaufen für einen neuen Geldgeber. Eine schwierige Akquise. Zwar würde ein neuer Sponsor in gewachsene Strukturen investieren. Das macht eine Übernahme reizvoll - aber eben auch teuer. Vom zweifelhaften Ruf des Teams einmal ganz abgesehen. 

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