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Klare Ansprache: Huub Stevens.
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Klare Ansprache: Huub Stevens.

Stevens mit Schalke auf Erfolgskurs

Herr der Blitze

  • VonDaniel Theweleit
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Der FC Schalke 04 hat gegen Hoffenheim seine Erfolgsbilanz unter Huub Stevens ausgebaut. Dies vielleicht auch deshalb, weil der Trainer es versteht, gleichzeitig raue Herzlichkeit und Autorität zu verströmen.

Eigentlich ist es ein herrlicher Herbsttag gewesen auf Schalke. Der heimische Bundesligist hatte 3:1 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim gewonnen, steht auf Platz zwei in der Tabelle, und die Statistiker rechneten aus, dass erst eine Schalker Mannschaft in der Bundesligahistorie nach elf Spieltagen mehr Punkte hatte als die Gegenwärtige. Und doch gab es diesen Moment, in dem es düster wurde über den Berger Feld.

Ob denn nun noch mehr möglich sei als dieser zweite Platz, wollte jemand von Huub Stevens wissen. Der Blick des Trainers verfinsterte sich und schien tödliche Blitze in den Raum zu schleudern. „Wir müssen auch realistisch sein, manche können das nicht, aber ich kann das“, stieß Stevens mit bebender Stimme hervor. Sollte ein Schalker Spieler in den nächsten Tagen kleinste Symptome beginnender Hybris zeigen, wird er wohl zu einigen hundert Stunden Straflager unter Tage verurteilt. Stevens verlangt Demut.

Es war eine Situation, in der sich die Anwesenden einen Eindruck von jenem Moment verschaffen konnten, den Benedikt Höwedes später als Wendepunkt der ersten Stevens-Wochen beschreiben sollte. Der Trainer sorge zwar dafür, „dass die Stimmung gut ist, indem er immer wieder den einen oder anderen Scherz einbaut, er kann aber auch anders, das haben wir nach dem Spiel gegen Kaiserslautern gemerkt“, erzählte der Kapitän.

Die Balance stimmt

Nach dieser Heimniederlage hatte Stevens die Todesblitze auf seine Mannschaft abgefeuert, seine Worte waren kalt. „Wir haben eine ganz klare Ansprache bekommen, dass das, was wir da defensiv gemacht haben, so nicht tragbar ist. Und darauf haben wir reagiert“, berichtete Höwedes. Danach hat die Mannschaft in vier Spielen nur noch das Tor der Hoffenheimer zugelassen (Ibisevic, 63.). Seit sieben Partien arbeitet Stevens als Trainer bei den Schalkern, sechs gewann die Mannschaft.

Nach den Bayern stellt der Revierklub den zweitbesten Sturm der Liga, und Höwedes lobte „die Balance zwischen einer guten Stimmung und einer klaren Ansprache“. Es ist das alte Stevens-Rezept, auf das dieser Schalker Kader anspringt: die ungehobelt-herzliche Art dieses Trainers, der verletzend sein kann, der es aber hervorragend versteht, keinen Spieler ins soziale Abseits zu stellen. „Die Mannschaft findet sich als Team, auch die Ersatzspieler freuen sich, gratulieren allen. Das ist ein sehr gutes Zeichen“, sagte Manager Horst Heldt.

Aber Stevens wäre nicht Stevens, hätte er nicht auch ein paar Ideen zur Defensivstruktur seines Teams entwickelt. Nach dem Kaiserslautern-Spiel baute er die Viererkette um, Joel Matip bildet seither mit Kyriakos Papadopoulos die Innenverteidigung, Höwedes wechselte auf die rechte Seite der Defensivreihe, wo er lang verborgene Offensivfähigkeiten entwickelt. Und vor der Kette bildet der immer zweikampfstärkere Lewis Holtby mit dem neu integrierten Jermaine Jones die Doppelsechs.

Jones, der unter Felix Magath und Ralf Rangnick keine Rolle gespielt hatte, blüht regelrecht auf. „Er ist enorm aggressiv, hat eine gute Körpersprache, er ist ein wichtiger Faktor zur Zeit“, sagte Höwedes, Jones ist das böse Element in dieser jungen Defensive. Und die Offensive funktioniert sowieso.

Fabelquote bei Huntelaar

Julian Draxler machte sein vielleicht bestes Spiel für Schalke, bereitete zwei Tore vor und traf den Pfosten. „So langsam merkt man, dass ich robuster werde“, urteilte der 18-Jährige. Und das Trio Raúl-Huntelaar-Farfán ist qualitativ wohl tatsächlich unerreicht in der Bundesliga – sieht man mal von den Münchnern ab. Huntelaar traf wieder zweimal (73. und 76.), zehn Tore hat er jetzt in der Liga erzielt. Addiert man seine Treffer in den anderen Wettbewerben und in der Nationalmannschaft hinzu, kommt der Holländer auf sagenhafte 25 Saisontore. Und Raúl ist bekanntlich ein Genie. Gegen Hoffenheim erzielte er das 1:0 (28.), mit der Hand zwar, doch der Treffer war regulär. Der Ball sprang dem Spanier ohne Absicht an den Unterarm, und von dort ins Tor. Nach den Regeln ist allein die Absicht strafbar.

Hoffenheims Torhüter Tom Starke bezichtigte Raúl später trotzdem der Lüge, weil der Schiedsrichter beim Schalker Spieler nachgefragt hatte, ob er das Tor korrekt erzielt habe, was Raúl bejahte. Es war ein kläglicher Versuch, die Schuld für die Niederlage anderswo zu suchen. Nicht mal in der Kategorie Regelkenntnis konnte die TSG an diesem Nachmittag mithalten.

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